Amazon kommentiert Themenkomplex nicht
Video: Amazon und gefälschte Produktbewertungen
Der Online-Händler Amazon hat in den vergangenen Wochen und Monaten zahlreiche Verkäufer-Konten gesperrt, die im Verdacht standen Produktbewertungen gefälscht, eingekauft oder aktiv manipuliert zu haben. Dies legen zumindest Recherchen von Sicherheitsforschern, einzelne Medienveröffentlichungen wie beispielsweise dieser Wall-Street-Journal-Artikel oder auch Einträge in Amazons offiziellem Hausblog nahe.
Mitte Juni notierte Amazon zum Thema Bewertungsbetrug etwa, was man tun werde, um eine „vertrauenswürdige Bewertungserfahrung“ zu schaffen.
Amazon kommentiert Themenkomplex nicht
Wer zum Thema hingegen offizielle Information sucht bleibt auch trotz energischer Nachfragen meist mit leeren Händen zurück. Weder Amazon selbst will die Geschehnisse der vergangenen Wochen öffentlich kommentieren, noch haben die betroffenen Händler ein Interesse daran, einzugestehen welche Tricksereien für den (vorübergehenden) Ausschluss von Amazons Marktplatz geführt haben.
Dass Amazon derzeit allerdings aktiv daran arbeitet, das durch falsche Rezension eingebüßte Vertrauen wiederherzustellen zeigen Video-Veröffentlichungen wie der eingebettete, heute freigegebene 90-Sekunden-Clip, der in der YouTube-Reihe „Amazon antwortet 2021“ erschienen ist. Die Fragestellung: Was unternimmt Amazon gegen gefälschte Produktbewertungen?
Leider beschränkt sich die inszenierte Fragerunde auf wenig konkrete, sehr allgemein gehaltene Zusagen in Richtung der Kunden-Community.
Seit Ende März Thema
Auf ifun.de Haben wir zuletzt immer wieder von plötzlich verschwundenen Zubehör-Anbietern berichten müssen, die von Amazon vom Vertrieb über die eigene Handelsplattform ausgeschlossen wurden.
- Vertrauensverlust: Aukey will schlechte Bewertung wegkaufen
- Gekaufte Bewertungen: Amazon geht offenbar gegen Händler vor
- Choetech: Amazon wirft nächsten Zubehör-Anbieter vom Marktplatz
- Amazon räumt auf: Mit Gosund erwischt es den ersten HomeKit-Anbieter
Viele der betroffenen Unternehmen sollen aktiv auf Anwender mit schlechten Rezensionen zugegangen sein und sollen diesen eine (Teil-)Rückzahlung des Produktpreises angeboten haben, um schlechte Bewertungen zu „korrigieren“.
Anderen wurde direkt bei der Bestellung eine Rückzahlung von 50 Prozent des Kaufpreises zugesagt, wenn nachgewiesen werden könne, dass eine gute Bewertung zum Produkt hinterlassen wurde.
Amazon selbst schreibt heute:
Die Zuverlässigkeit von Kundenrezensionen ist in Deutschland ein intensiv diskutiertes Thema. Amazon engagiert sich seit langem gegen den Rezensionsmissbrauch und hat in seinem kontinuierlichen Kampf vor Gericht gegen Anbieter von gefälschten Kundenrezensionen in Deutschland zuletzt deutliche Fortschritte erzielt. Im Laufe der Zeit hat Amazon…
- 9 solcher Akteure gezwungen, ihr betrügerisches Angebot infolge der Verfolgung durch Amazon zu ändern oder ganz einzustellen,
- 17 einstweilige Verfügungen und über 150.000 Euro an Ordnungsgeldern gegen solche Akteure erwirkt, die nicht authentische Kundenrezensionen veröffentlichten,
- 2 Entscheidungen von Oberlandesgerichten mit grundsätzlicher Bedeutung für den gesamten Onlinehandel erwirkt, wonach Rezensionsvermittler offenlegen müssen, dass die Rezensionen gegen eine Gegenleistung erbracht wurden,
- kürzlich erstmals Informationen über Verkaufspartner:innen erhalten, die gefälschte Rezensionen erworben hatten; diese wird Amazon für die Durchsetzung von Richtlinien in unserem Store nutzen.