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Wandel herbeizuführen

Tim Cook: „Gegen Rassismus aufstehen“

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Nach dem gewaltsamen Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd hatte sich Apple-Chef Tim Cook bereits am Wochenende zu Wort gemeldet – jetzt hat der CEO einen offenen Brief zum Thema auf apple.com veröffentlicht.
Tim Cook Eroeffnung Carnegie Library Washington

Auf rund 500 Wörtern spricht der Jobs-Nachfolger hier über die Herausforderungen, vor denen die Amerikaner im Allgemeinen und Apple im Besonderen stehen. Bis zur Veröffentlichung der offiziellen deutschen Übersetzung haben wir den Volltext des Memos im Anschluss in seiner weitgehend unbearbeiteten DeepL-Version abgedruckt.

Gegen Rassismus aufstehen
Auf der Seele unserer Nation und in den Herzen von Millionen Menschen macht sich ein tiefer Schmerz breit. Um zusammenhalten zu können, müssen wir füreinander einstehen und die Angst, den Schmerz und die Empörung erkennen, die zu Recht durch die sinnlose Ermordung von George Floyd und eine viel längere Geschichte des Rassismus hervorgerufen wurden.

Diese schmerzliche Vergangenheit ist auch heute noch präsent – nicht nur in Form von Gewalt, sondern in der alltäglichen Erfahrung tief verwurzelter Diskriminierung. Wir sehen sie in unserem Strafrechtssystem, in der unverhältnismäßig hohen Zahl von Krankheiten in den Gemeinden der Schwarzen und Dunkelhäutigen, in den Ungleichheiten in den Nachbarschaften und bei der Ausbildung unserer Kinder.

Unsere Gesetze haben sich zwar geändert, aber in Wirklichkeit werden ihre Schutzvorkehrungen immer noch nicht allgemein angewandt. Wir haben seit dem Amerika, in dem ich aufgewachsen bin, Fortschritte gesehen, aber es ist ebenso wahr, dass Gemeinschaften von Farbigen weiterhin Diskriminierung und Traumata ertragen müssen.

Ich habe von so vielen gehört, dass Sie Angst haben – Angst in Ihren Gemeinschaften, Angst im täglichen Leben und, am grausamsten von allen, Angst in Ihrer eigenen Haut. Wir können keine Gesellschaft haben, die es wert ist, gefeiert zu werden, wenn wir nicht für jeden Menschen, der diesem Land seine Liebe, seine Arbeit und sein Leben schenkt, Freiheit von Angst garantieren können.

Unsere Mission bei Apple war es und wird es immer sein, Technologien zu entwickeln, die Menschen in die Lage versetzen, die Welt zum Besseren zu verändern. Wir haben schon immer Kraft aus der Vielfalt geschöpft, Menschen aus allen Gesellschaftsschichten in unseren Läden auf der ganzen Welt willkommen geheißen und danach gestrebt, einen Apple zu schaffen, der alle Menschen einbezieht.

Aber wir müssen noch mehr tun. Wir verpflichten uns, unsere Arbeit fortzusetzen, um kritische Ressourcen und Technologien in unterversorgte Schulsysteme zu bringen. Wir verpflichten uns, weiterhin gegen die Kräfte der ökologischen Ungerechtigkeit – wie den Klimawandel – zu kämpfen, die den schwarzen Gemeinden und anderen farbigen Gemeinschaften unverhältnismäßig großen Schaden zufügen. Wir verpflichten uns, den Blick nach innen zu richten und Fortschritte in Bezug auf Integration und Vielfalt voranzutreiben, so dass jede großartige Idee gehört werden kann. Und wir spenden an Organisationen wie die Equal Justice Initiative, die gegen Rassenungerechtigkeit und Masseninhaftierung kämpfen.

Um einen Wandel herbeizuführen, müssen wir unsere eigenen Ansichten und Handlungen angesichts eines Schmerzes, der tief empfunden, aber allzu oft ignoriert wird, neu überdenken. Fragen der Menschenwürde werden nicht am Rande stehen bleiben. An die Gemeinschaft der Schwarzen – wir sehen Sie. Ihr seid wichtig und euer Leben ist wichtig.

Dies ist ein Moment, in dem sich viele Menschen vielleicht nichts sehnlicher wünschen als die Rückkehr zur Normalität oder zu einem Status quo, der nur dann bequem ist, wenn wir unseren Blick von der Ungerechtigkeit abwenden. So schwer es auch zuzugeben sein mag, dieser Wunsch ist selbst ein Zeichen von Privilegien. Der Tod von George Floyd ist ein schockierender und tragischer Beweis dafür, dass wir uns weit höhere Ziele als eine „normale“ Zukunft setzen und eine Zukunft aufbauen müssen, die den höchsten Idealen von Gleichheit und Gerechtigkeit gerecht wird.

Mit den Worten von Martin Luther King: „Jede Gesellschaft hat ihre Beschützer des Status quo und ihre Bruderschaften der Gleichgültigen, die dafür berüchtigt sind, Revolutionen zu verschlafen. Heute hängt unser Überleben von unserer Fähigkeit ab, wach zu bleiben, uns an neue Ideen anzupassen, wachsam zu bleiben und uns der Herausforderung des Wandels zu stellen“.

Mit jedem Atemzug, den wir machen, müssen wir uns dafür einsetzen, dieser Wandel zu sein und eine bessere, gerechtere Welt für alle zu schaffen.

Donnerstag, 04. Jun 2020, 12:53 Uhr — Nicolas
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  • Es gibt nur einen Planeten Erde und eine Menscheit. Entweder sprengen wir uns und den ganzen Planeten in die Luft oder wir lernen endlich uns wie intelligente Wesen zu benehmen und sind in der Lage, uns gegenseitig die Wertschätzung entgegen zu bringen , die wir für ein friedliches Miteinander benötigen.

  • Ich kann verstehen, dass man sich bei einer so klaren Sache wie Rassismus schnell mal reflexartig festlegt, möchte jedoch auch zu Bedenken geben, dass ich die Vermischung von tatsächlicher Benachteiligung aufgrund von Hautfarbe, Herkunft und anderer oberflächlicher Merkmale mit der Mentalität, dass heutzutage Viele sich wegen absoluter Nichtigkeiten auf diese Füße getreten fühlen, nicht gerade dienlich ist. Fakt ist, dass Afroamerikaner heute nicht mehr versklavt oder segregiert werden und alle Möglichkeiten haben sich frei zu betätigen, so wie das bei Asiaten, Hispanics, Weißen, usw. der Fall ist. Ich befürchte so ein bisschen, dass die Art und Weise, wie das aktuell im Top-Down medial orchestriert wird, bei weiten Teilen der Bevölkerung dies und jenseits des Atlantiks eher auf Unverständnis stoßen könnte. Wie bei Terroranschlägen auch oft angemahnt wird, sollte man hier im konkreten Fall von George Floyd die Ermittlungen bzw. -ergebnisse abwarten. Auch dieser Hauptverdächtige hat ein Recht auf einen fairen Prozess und ob tatsächlich Rassismus der ausschlaggebende Beweggrund war, ist auch noch nicht geklärt AFAIK. Gerade die Polizei in den amerikanischen Großstädten sind ziemlich vielseitig besetzt, aber ein kleiner Rest der Population wird sich wahrscheinlich nie überzeugen lassen, dass man Menschen aufgrund ihres Verhaltens, nicht oberflächlicher Merkmale besser oder schlechter behandelt. Ich sag’s mal im Appleschen Sinne: Think different!

    • Absolut korrekte und differenzierte Betrachtung.
      Das Hauptproblem ist nicht die möglichen Optionen und diese auch zu nutzen, sondern das Umfeld (wo man aufwächst) und die fehlende Unterstützung/Motivation, die oft in bildungsfernen sozialen Schichten herrscht.

      Sich daraus zu befreien, kostet diese Menschen ein Vielfaches an Kraft, im Vergleich zu privilegierten Schichten.
      Das ist übrigens nicht nur in USA so, sondern auf der ganzen Welt.

      • Du beziehst diese Information aus einer Zeitung, welche den Klimawandel öffentlich leugnet. Also kann man den Artikel getrost ignorieren. In solchen Themen sollte man vielleicht lieber auf Forscher und echte Gelehrte vertrauen.

      • Nur weil – angeblich – mehr schwarze Menschen durch schwarze Menschen umgebracht werden, rechtfertigen keinen einzigen Toten durch Polizeiwillkür.
        Die Polizei hat alle Menschen – gleich welcher Herkunft und Hautfarbe etc. – zu schützen! Eine Polizei, die dies nicht tut, ist mit Terroristen gleichzusetzen und auch so von den Gerichten abzuurteilen!

      • Das ist doch jämmerliches what-about-ism.
        Was hat das eine Thema mit dem anderen zu tun?
        Sind die in WSJ zitierten Zahlen und Fakten des einen Journalisten plötzlich weniger wert, nur weil andere WSJ-Journalisten zu einem anderen Thema Unsinn schreiben?
        Du solltest dich dir vielleicht einmal die Zahlen und Fakten zu Gemüte führen, anstatt sie einfach von oben herab abzukanzeln , nur weil sie dir nicht in dein simples, ignorantes Weltbild passen.

      • @Atylarap: Den Vorwurf des Whataboutisms musst zunächst du dir gefallen lassen, nachdem du hier mit dem Argument in die Diskussion gestartet bist, dass absolut betrachtet mehr Schwarze durch andere Schwarze getötet werden als durch Polizisten. Was offensichtlich rein gar nichts über Rassismus bzw. überproportionale Polizeigewalt gegen Minderheiten aussagt und somit nur vom Thema ablenkt.

        Heather Mac Donald ist auch keine WSJ-Journalistin, sondern lediglich eine Kolumnistin, die dort ihre eigene Meinung wiedergibt – in ihrer Rolle als konservative Lobbyistin, die sich seit Jahren gegen Polizei-Reformen einsetzt. Insofern ist es durchaus angebracht, auf die zweifelhafte Neutralität solcher Quellen hinzuweisen.

        Ich empfehle dir noch mal nach weniger fragwürdigen Daten zu suchen. Die statistisch auffällige Überproportionalität zwischen Hautfarbe und der Wahrscheinlichkeit, in den USA von Polizisten ungerecht und/oder unnötig gewaltsam behandelt, ungerechtfertigt in Handschellen gelegt oder gar als Unbewaffneter getötet zu werden, ist seit Jahrzehnten immer wieder nachgewiesen worden, nicht nur von Forschern, sondern auch in behördlichen Untersuchungen.

    • Falls du es noch nicht mitbekommen hast: Zwei voneinander unabhängige Obduktionen haben beide ergeben, dass es Mord war.
      Somit ist die Anklage des Mordes bei diesem offensichtlich rassistischen Mord gerechtfertigt.

      • Dass es Mord war, bezweifle ich nicht. Das erscheint auch aus dieser Distanz ziemlich eindeutig. Hier wird ein Prozess stattfinden und ich hoffe, dass die Öffentlichkeit möglichst geringen Einfluss auf das Ergebnis hat.

        Die Frage ist doch eher, ob die Tat rassistisch motiviert war. Menschen morden ja bekanntlich aus den unterschiedlichsten Motiven. Wichtig ist auch detailliert zu klären, was im Vorfeld und währenddessen passierte. Was hat den Polizisten dazu veranlasst? Warum haben Kollegen nicht eingegriffen? Das Narrativ der Demokraten und ihrer Anhänger ist ja, dass Donald Trump in irgendeiner Verbindung steht, obwohl die Tat in einem demokratischen Stadtteil einer demokratischen Stadt eines demokratischen Bundesstaates ausgeübt wurde. Ich bin mir sicher, dass es sich nachteilig für sie im anstehenden Präsidentschaftswahlkampf auswirken wird.

      • Hier wäre es wohl eher Totschlag. Wie auch schon geschrieben wurde, sollte man den Prozess abwarten. Da „können“ Kleinigkeiten auch der Sache noch eine andere Perspektive geben. Alkohol, Drogen Einfluss des getöteten?

  • Dieses Aufstehen gegen Rassismus ist sehr zu begrüssen, hat aber einen gewichtigen Wermutstropfen: Die Bewegung ist auf dem linken Auge blind.

  • Menschen sind Menschen was spielt da die Hautfarbe für eine Rolle

    wer nimmt sich das Recht raus darüber zu entscheiden

    Bleibt alle gesund

  • Friedlich demonstrieren und was am Wahlsystem in den USA ändern. Gerne strengere Gesetze und stärkere Kontrollen für die Polizei. Vandalismus und das Land zu zerstören ist dabei Schwachsinn, egal welche Hautfarbe man hat.

  • Was ich mich die ganze Zeit frage ist, ob der Tod von George Floyd überhaupt etwas mit Rassismus zu tun hat.
    Es kann ja sein, dass sein Mörder einfach ein mieser Polizist ist und solches brutale Vorgehen in der Vergangenheit auch bei Weißen abgezogen hat. Da es 18 weitere Beschwerden gegen ihn gab, wäre es recht einfach dies herauszufinden.
    Die Amerikaner sind ja zudem dafür bekannt, dass Polizisten schlecht ausgebildet sind (meist weniger als 6 Monate Ausbildung) und auf der anderen Seite die Gefahr im Dienst angeschossen/erschossen zu werden wesentlich höher ist, da in den USA sehr viele Menschen Waffen tragen.

    • Es dürfte wohl etwas mit Rassismus zu tun haben, weil andere weiße Polizisten dabei standen und ihren Kollegen nicht an dem Mord hinderten

      • Und du bist dir also sicher, dass wenn es ein Weißer wäre an dessen Stelle, dass sie dann eingegriffen hätten?

        Vielleicht, vielleicht auch nicht. Du weißt es nicht.

      • AFAIK bestanden die unmittelbaren Kollegen von Derek Chauvin, dem Täter bzw. Hauptverdächtigen aus einem Weißen, einem Asian und einem Afro-American. Der Trupp war also nach heutigen Maßstäben schon recht vielfältig. Ist wahrscheinlich auch recht üblich bei der Polizei in einer bunten Stadt wie Minneapolis. Ich bin da ergebnisoffen bzw. gespannt, was da alles noch zu Tage kommt, aber möglich ist es schon, dass das Narrativ einer rassistischen Tat in sich zusammenfällt.

  • Die 4 niederträchtigen Mörder müssen zwingend mit der gleichen Härte wie jeder Mörder in USA bestraft werden. Desweiteren wäre jeder Polizist auf angemessenes Verhalten zu verpflichten u. jährlich intensiv über korrektes Verhalten zu belehren. Das es mehrere Tage dauerte bis die 4 Mörder in Haft kamen ist äußerst beschämend

  • Vielleicht sollte er mal ehrlicherweise gegen Globalisierung aufstehen
    und die Löhne, die seid den 1980er Jahren dadurch zu stagnieren begonnen haben.
    Dies würde auch den latenten Rassismus, der als Ventil „mitbenutzt“ wird ausbremsen.

    • Das ist grundsätzlich korrekt, wobei das deutlich zu eindimensional gedacht ist. Ein gesellschaftlicher Wandel kann gar nicht allein von einem Konzern kommen. Das kann nur aus der Gesellschaft kommen.

      Und gerade Apple steht immer im Fokus vieler Interessen und ist gerade als börsennotierter Konzern an extrem viele Bestimmungen und Marktgesetze gebunden, um in diesem Umfeld erfolgreich sein zu können.

      Von Microsoft oder Google habe ich selten derart klare Statements in offiziellen Firmenmitteilungen gelesen.

  • Es ist bei aller Kritik die man gegen Apple immer wieder vorbringen kann und muss, wohltuend zu lesen welch ein humanistischer CEO dort am Ruder ist.
    Natürlich ist das auch Stück weit immer Image, aber eben auch eine gute Einstellung in der Führungsetage.

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