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Datenschutz als Feature

Privatsphäre als Kaufgrund: Apple geht in die Offensive

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Im Laufe der zurückliegenden Wochen haben die selbstbewussten Interview-Auftritte des Apple-Chefs, die verbalen Spitzen in Richtung Google und die Ankündigung, Tim Cook würde in diesem Jahr erstmals auch die Eröffnungsrede auf der Datenschutzkonferenz der EU halten, eine PR-Offensive vorbereitet, die heute auf der neugestalteten Datenschutz-Sonderseite apple.com/de/privacy ausformuliert wird.

Datenschutz

Apple wird seine Datenschutz-Anstrengungen zukünftig aktiver als in den letzten zehn Jahren ins Rampenlicht rücken – ein längst überfälliger Schritt, den wir auf ifun.de schon 2014 eingefordert haben.

Zwar hat sich an Apples Einstellung zum Datenschutz nichts Wesentliches geändert – schon vor rund 10 Jahre blockte Safari als erster Browser überhaupt die Auslieferung von Drittanbieter-Cookies – in einem Umfeld, in dem massive Datenpannen inzwischen zum Online-Alltag gehören, und niemand sich mehr fragt warum Google standardmäßig Standort-Protokolle seiner Nutzer anfertigt, hat der Marktwert des datensparsamen Selbstverständnisses Cupertinos jedoch ordentlich zugelegt.

So gern und häufig wir Apple ob seiner fragwürdigen Entscheidungen in Sachen MacBook-Tastatur, iCloud-Speicher, Apple Music, HomePod und iOS 11 auch kritisieren, so sehr begrüßen wir die Entscheidungen, die sich unter anderem in Apples Whitepaper „iOS Security“ nachlesen lassen, das auch die Passcode-Vorgaben der aktuellen Apple-Geräte im Detail erklärt.

Neue Wertschätzung für alte Anstrengungen

iMessage und FaceTime arbeiten bereits seit ihrem Debüt mit einer Ende-zu-Ende Verschlüsselung, die mit iOS 12. auch auf Gruppen-FaceTime-Gespräche ausgedehnt wird. Safari baut seinen intelligenten Tracking-Schutz kontinuierlich weiter aus. Die Fotos-App führt ihre intelligente Bildinhalt-Analyse ausschließlich auf den Endgeräten der Nutzer durch und verzichtet Server-Verbindungen. Die Maps-App anonymisiert Nutzer und Routen. Apples Schlüsselbund bietet eine vollverschlüsselte Passwort-Verwaltung. Und, und, und

Richtige und gute Angebote, die Apple bislang eher schlecht als recht verkauft hat. Dass sich dies fortan ändern wird, unterstreichen auch die Round-Table-Gespräche, die Apple in den vergangenen Tagen mit zahlreichen Medienvertretern in mehreren europäischen Metropolen führte.

Einstündige Präsentationen, in deren Verlauf der bunte Blumenstrauß aktiver Datenschutz-Anstrengungen in handliche Anekdoten aufgedröselt wurde, die fast immer mit einem zurückhaltenden „We haven’t sold this strongly“ eingeleitet wurden. Beispiele gefällig? Hier:

  • Laut Apple spielt aktive Datensparsamkeit bei fast allen Entscheidungen des Unternehmens eine relevante Rolle. Siri etwa überträgt grundsätzlich immer so wenig Informationen wie möglich an die Apple-Server. Fragt man die Assistentin nach dem Wetter, landet lediglich der aktuelle Großraumbereich auf dem Server – die Straße wird nur bei deutlich detaillierten Anfragen, wie etwa nach dem nächsten Starbucks übertragen.
  • Die Karten-App anonymisiert ihre Nutzer nicht nur – einen Login kennt Apples Karten-App im Gegensatz zu Google Maps erst gar nicht – sondern teil die im Rahmen einer Routen-Navigation abgefahrene Strecke zudem auch in kleine Teilbereiche auf, denen unterschiedliche Identifier zugewiesen werden. Der Grund: Selbst wenn Apple wollen würde, könnten sich die Reisestrecken der Anwender so nicht mehr nachträglich ermitteln lassen.

Hinzu kommt das Rauschen, die sogenannte „Differential Privacy“, die Apple den Statistik-Auswertungen beimischt, die auf Geräten all jener Nutzer vorgenommen werden, die sich bei der Ersteinrichtung ihres iPhones dafür entscheiden haben, anonyme Nutzungsdaten mit Apple zu teilen. Vereinfacht formuliert: Etwa jeder 10. Datensatz den euer iPhone an Apple schickt ist frei erfunden. Ein Trick der Apples Geräte-Statistiken am Ende nicht signifikant beeinflusst, dafür aber sicherstellt, dass die Datensätze nicht zur Identifikation einzelner Anwender genutzt werden können.

Wenn wir etwas aus dem Round-Table-Gespräch mitgenommen haben, dann das implizierte Versprechen, dass sich an Apples internen Datenschutzvorgaben auch zukünftig nichts ändern wird – lediglich von der Bescheidenheit, die bislang dafür sorgte, dass Cupertino zu selten auf einen der wohl größten Unterschied zu Google, Facebook und Co. aufmerksam machte, wird man sich trennen.

Ernstgemeinte Feel-Good-Floskeln

Den Anfang macht die überarbeitete Sonderseite apple.com/de/privacy die unter der Überschrift „Apple Produkte sind gemacht, um deine Privatsphäre zu schützen“ jetzt alle Datenschutz-Anstrengungen Apples auflistet, erklärt und bewirbt. Hier verdient der erste Satz eure Aufmerksamkeit: «Bei Apple sind wir überzeugt, dass Datenschutz ein grundlegendes Menschenrecht ist.»

11 einleitende Wörter, die in deutsche Ohren nach einer Mischung aus Marketing-Blabla und unverbindlichen Feel-Good-Floskeln klingen. Was beim Lesen jedoch nicht vergessen werden sollte, ist das die 11 Worte von Apple, dem wertvollsten Konzern der Welt und einem der großen Silicon Valley-Schwergewichte stammen und entsprechend gewichtet werden sollten. Machen wir uns nicht vor: So unverbindlich der einleitende Satz auch klingen mag, so unwahrscheinlich ist es, dass wir in den kommenden 10 Jahren eine ähnliche Formulierung von Amazons Jeff Bezos, Facebooks Marc Zuckerberg oder Googles Larry Page hören werden.

Dass man mit dieser Tatsache hausieren gehen kann, hat Apple jetzt erkannt.

Bei Apple sind wir überzeugt, dass Datenschutz ein grundlegendes Menschenrecht ist. Und viele deiner persönlichen Daten – bei denen du das Recht darauf hast, dass sie privat bleiben – sind auf deinen Apple Geräten gespeichert. Deine Herzfrequenz nach dem Laufen. Welche News du zuerst gelesen hast. Wo du deinen letzten Kaffee gekauft hast. Welche Websites du besuchst. Wen du anrufst, wem du eine E-Mail oder eine Nachricht schreibst. Jedes Apple Produkt wird von Grund auf so entwickelt, dass es diese Informationen schützt. Und dass du entscheiden kannst, welche Daten du teilst und mit wem. Wir haben immer wieder gezeigt, dass ein großartiges Benutzererlebnis nicht auf Kosten von Datenschutz und Sicherheit gehen muss. Sondern dass sie es unterstützen können.

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17. Okt 2018 um 17:00 Uhr von Nicolas Fehler gefunden?


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