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Klavier spielen lernen mit Mac und iPad – Ein Selbstversuch mit Garageband & Synthesia

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Schon mal ein Instrument gespielt? Falls ja, kennt ihr vielleicht den „Klick“, der euch nach Jahren der Unterrichtsabstinenz wieder zur Gitarre greifen lässt. Das Gefühl, sich mal wieder dem eingestaubten Klavier widmen zu müssen und unbedingt die Notenblätter raussuchen zu wollen um einfach mal zu machen…

Wer auf keine Vergangenheit in der Musikschule zurückblicken kann (Glückwunsch!) stolpert über den „Klick“ oft erst dann, wenn anderen Musikern beim Spielen zugeschaut wird. Es ist Sommer, die Leute sitzen wieder im Park und irgendjemand hat seine Gitarre mit dabei. Die frei improvisierte Musik nervt nicht, sondern plakatiert ein großes „das würde ich auch gerne können“-Banner in eurem Kopf. Klick.

piano

Anfang letzter Woche hat es bei mir geklickt. Die letzte Gitarrenstunde lag da sicher schon gute zehn Jahre zurück und außer der gelegentlichen Begleitung guter Gesänge mit 4-5 Akkorden – ganz sicher kein musikalisches Highlight – hatten sich die Grundlagen komplett aus meinem Kopf verabschiedet. Noten? In der Mitte liegt das H. An viel mehr konnte ich mich nicht erinnern.

Du müsstest mal wieder… Im Hinterkopf hatte ich die Entscheidung bereits getroffen; jedoch ausgesprochen wenig Lust, mich wieder durch das Gitarren 1×1 zu kämpfen. Die Schrammel-Zeiten hatte ich Ende der 90er hinter mir gelassen – man wird ja doch erwachsen – und bei den nun anstehenden, regelmäßigen Übungseinheiten wäre es schön, nicht unbedingt die Nachbarn zu stören.

Also Klavier. Sicher eine gute Wahl.

Die 88 Tasten bieten unglaublich viel stilistische Möglichkeiten, die Elektro-Keyboards lassen sich mit einem Kopfhörer betreiben und erfüllen so die Grundvoraussetzungen für eine gute Nachbarschaft. Und: Ich wollte immer schon mal mehr als nur „Für Elise“ in die Klaviaturen klimpern können, an denen man im Laufe eines Jahres so vorbeiläuft.

Meldet man sich jetzt gleich in der Musikschule an? Besucht man einen VHS-Kurs oder ruft einen der Lehrer an, die ihre Flyer an die schwarzen Uni-Bretter hängen? Und wenn es dann doch keinen Spass macht? Zu viel Commitment.

Instrument lernen in Garageband

unterricht

Richtig, da war doch was. Garageband, Apples Mehrspur-Werkzeug zur Musik-Komposition und Nachbearbeitung, bringt seit dem Launch von GarageBand ’09 einen Unterrichts-Modus zum selbständigen Lernen von Instrumenten mit.

Mit einer deutschen Sprachausgabe versehen, können jeweils neun kostenlose Videolektionen für Gitarren- und Klavier-Einsteiger geladen werden. Die Basics, in Ruhe erklärt, mit zahlreichen Übungen zum Nachspielen. Hier könnte ich zumindest mal starten und mir in vier Monaten überlegen, ob dann nicht doch ein fester Termin für den regelmäßigen Klavierunterricht beim „richtigen“ Lehrer angebracht wäre.

Das Setup

Lernen lässt sich natürlich mit jedem Keyboard, Klavier oder E-Piano. Um die von Garageband angebotene Möglichkeit der Lektions-Überprüfung jedoch vollständig nutzen zu können (Wurden die Tasten richtig angeschlagen? Wo hast du dich verspielt? Wie gut liegst du auf dem Rhythmus des Lehrers?) setzt Apples Audio-App jedoch ein Midi-Keyboard voraus. Eine tonlose Klaviatur mit USB-Anschluss, die sich in den Rechner stecken lässt und erst dann zum vollwertigen Piano wird.

midi

Nach zwei Telefonaten im Freundeskreis war die Hardware-Entscheidung bereits unter Dach und Fach. Die M-Audio Keystation Mini 32 (Amazon-Link) macht einen solide gefertigten Eindruck, ist mit seinem Verkaufspreis von 49€ noch so günstig, dass ich mich auch bei einem großen Misserfolg des Musik-Projektes nicht ärgern würde und – Bonus! – kann auch am iPad betrieben werden. Vielleicht steige ich ja so sehr in die Klavier-Geschichte ein, dass zukünftig auch mal am iPad mitgeschnitten werden soll. Wer weiß.

Die Keystation Mini 32 ist bestellt. Apples, fast genau so teurer Lightning-Adapter zum USB-Anschluss der Keystation an das iPad mini gleich mit.

Zwei Tage später ist das Midi-Keyboard in der Post. Der iPad-Adapter bleibt erst mal unausgepackt, der Anschluss an den Rechner ist gewohnt schmerzfrei. Kabel rein, Garageband starten, die 32 Tasten funktionieren tadellos, haben einen angenehmen Druckpunkt und die sieben zusätzlichen Button am linken Rand der Keystation können erst mal getrost ignoriert werden. In einem Jahr lese ich mir deren Funktionsweise genauer durch, erst mal heißt es lernen.

Lernen mit Garageband

tim

Apples Klavier-Lehrer heißt Tim und grüßt mit deutscher Synchronisation. In den Garageband-Einstellungen lässt sich glücklicherweise auf die englische Originalaufnahme umschalten, im deutschen Modus irritiert nämlich die nicht ganz Lippensynchrone Tonspur. Dann geht es mit den Grundlagen los.

Der Einstieg. Was ist ein Klavier? Wie unterscheiden sich schwarze und weiße Tasten? Wie sind die Tasten angebracht? Und endlich: Wir spielen die ersten drei Akkorde. Das ganze ist viel schwieriger als ich angenommen habe. Die Hand zu verkrampft und der schnelle Wechsel vom C zum G zum F wirkt schier unmöglich. Aus der ersten Lektion komme ich so schnell wohl nicht heraus.

Garagebands erste Piano-Lektion im Video


(Direkt-Link)

Fünf Tage später, mit je etwa einer Stunde Training am Tag, sieht die Welt schon ganz anders aus. Inzwischen brauche ich die Abspielgeschwindigkeit nicht mehr reduzieren um mitzukommen, kann im Spiel-Modus das Tempo halten und habe die drei Akkorde mittlerweile so umgesetzt, dass mit der Lernfortschrittsindikator eine glatte 100% auf der „So viel hast du richtig gemacht“-Anzeige einblendet. Weiter zu Lektion zwei.

Lektion zwei widmet sich der rechten Hand und fängt mit grundlegender Noten-Kunde an. Wo sitzen welche Noten auf dem Klavier, mit welchen Fingern erreicht man die Tasten am effektivsten und wie werden die unterschiedlichen Töne in Schriftform abgebildet? Eine Herausforderung, die viel komplizierter als die erste Einheit wirkt, sich durch die Möglichkeit das ganze Lern-Training nach eigenem Gusto einzuteilen, noch mal zu abspielen zu können und von vorne Anzufangen aber so anfühlt, als sei sie nach und nach zu meistern.

rechner

Noch hänge ich mitten in der 2. Lektion. Das Projekt macht nach wie vor Spass und meine Hände fühlen die Fortschritte. Ich bin guter Dinge, stehe aber noch zu weit am Anfang, als das ich eine Prognose für die kommenden sechs Monate abgeben könnte. Wichtig ist: Man ist Garageband nicht komplett alternativlos ausgesetzt.

Lernen mit Synthesia

Die ebenfalls für den Mac erhältliche Applikation Synthesia ist ebenfalls ein guter Begleiter für den durchschnittlichen Klavier-Einsteiger mit Midi-Keyboard. Auf dem Mac installiert, startet Synthesia im Vollbildmodus, erkennt die Keystation sofort und bietet eine Bibliothek mit knapp 170 Songs an, die nach Schwierigkeitsgrad sortiert angeboten werden.

In der Gratis-Version ist Synthesia allerdings ziemlich verstümmelt und bietet seine sechs Übungs-Modi – eine Hand, zwei Hände, langsam mit wartenden Tönen, schnell, etc. – nicht für jedes Lied an. Für den Einsteig reicht es dennoch.

Ich wähle einen Song aus der „Easiest“-Kategorie Synthesias und bekomme eine Klaviatur auf dem Rechner-Display angezeigt, die mit meinem Keyboard übereinstimmt. Drücke ich eine Taste auf dem Keyboard, färbt sich die digitale Repräsentation kurz ein. Die Töne, die nun gespielt werden müssen fallen von oben ins Bild und informieren mich darüber, welcher Finger für den Anschlag genutzt werden muss.

synthesia

Ich stelle den Song auf ein langsames Tempo und taste mich nach und nach an die fehlerfreie Wiedergabe heran. Nach 60 Minuten klappt es mit „Au Clair de la lune“ – komplett ohne falsche Noten. Ein klasse Gefühl. Gerade die Fehlerauswertung Synthesias und die Option bestimmte Bereiche mit Hilfe eines Loops trainieren zu können, helfen hier ordentlich.

Synthesia lehrt Tasten-Anschläge


(Direkt-Link)

Auf dem iPad

Zeit den iPad-Adapter aus der gut verschweisten Schachtel zu nehmen. Das Keyboard leuchtet nach dem Anschluss an das iPad sofort auf und ist in fast allen Audio-Applikationen einsatzbereit. Natürlich auch in Garageband (AppStore-Link). Leider bietet die iOS-Version des Apple-Studios keinen Lernmodus an. Hier können zwar die bereits verinnerlichten Tonfolgen noch mal abgespielt werden. Auswertungen und neue Übungen sind jedoch der Mac-Version vorbehalten. Schade, aber halb so schlimm.

Denn Synthesia (AppStore-Link) steht auch als iPad-Download bereit. Die 12MB große Applikation wird zwar kostenlos angeboten, an dem 5,49€ teure In-App-Kauf, mit dem sich alle Übungen und alle Songs freischalten lassen, kommt man hier – anders als auf dem Desktop – jedoch nicht vorbei. Ohne den Zukauf wirkt Synthesia nicht nur arg reduziert, sondern geradezu unbrauchbar.

Mit dem In-App Paket macht das Üben am iPad aber gleich doppelt so viel Spass wie auf dem Mac. Hier springt kein Lüfter an, die Tastatur, die vorher noch zwischen Keyboard und Display gestört hat, fällt jetzt komplett weg. Ich setze den Compass von TwelveSouth als iPad-Aufsteller ein. Ein minimales Setup, mit dem sich gut arbeiten lässt.

piano3

Fazit.

Nach etwas mehr als 10 Tagen – der Anfangs-Enthusiasmus ist nach wie vor vorhanden – bereue ich die Investition absolut nicht. Der Garageband-Lehrer hat immer Zeit, bietet seine Sitzungen kostenlos an und vermittelt dem Einsteiger das Gefühl schnelle Fortschritte zu erzielen. Gehrin-Training, das empfohlen werden kann.

Falls es euch bei euch Klick macht, hilft die Beschreibung meines Setups vielleicht schon weiter. Wenn ihr die initiale Phase bereits hinter euch habt, bieten die Kommentare Platz für Anregungen und Vorschläge. Ich würde mich freuen

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20. Mai 2013 um 14:53 Uhr von Nicolas Fehler gefunden?


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