Nasse Pakete und schnüffelnde Router
Wenn man denkt, bei uns läuft es schief: Drei Geschichten aus den USA
Wer beim Blick auf den deutschen Glasfaserausbau regelmäßig den Glauben an die Digitalisierung verliert, kann sich heute ausnahmsweise mit einem Blick in die USA trösten. Dort liefert die Technikbranche gerade eine spannende Kombination: Die Kommunikationsbehörde FCC schafft ein langfristiges Gigabit-Ziel ab, Amazon-Drohnen versenken Pakete in Swimmingpools und der Kabelkonzern Comcast lässt seine WLAN-Router Bewegungen im Haus protokollieren.
Gigabit? Mal sehen, was die Zukunft bringt
Den Anfang macht die amerikanische Kommunikationsbehörde FCC. Diese hatte 2024 neben dem aktuellen Breitband-Benchmark von 100 Mbit/s im Download und 20 Mbit/s im Upload ein langfristiges Ziel von 1.000/500 Mbit/s festgelegt. Genau dieses Ziel wurde nun ersatzlos gestrichen.
Die offizielle Begründung hat durchaus Unterhaltungswert. Langfristige technologische Entwicklungen und die Entwicklung der Verbraucherwünsche ließen sich derzeit nicht vorhersagen. Zudem benötige die Privatwirtschaft keine zentrale staatliche Planung, um schnellere Internetanschlüsse voranzutreiben. Die aktuellen 100/20 Mbit/s bleiben als Bewertungsmaßstab bestehen. Niemand verbietet also Gigabit-Anschlüsse – die FCC möchte nur nicht mehr festlegen, dass diese irgendwann zum angestrebten Standard werden sollen.
Amazon liefert jetzt auch in den Pool
Etwas feuchter geht es bei Amazon zu. Ein aktuelles Video aus Texas zeigt eine Prime-Air-Drohne, die über einem Swimmingpool schwebt und das Paket anschließend direkt ins Wasser fallen lässt. Dabei handelt es sich offenbar nicht um einen einmaligen Navigationsaussetzer. In Arizona landete bereits ein Paket neben einem Pool und wurde vom Abwind der Rotoren hineingepustet. In einem weiteren Fall sprang eine Lieferung nach dem Abwurf in einen Teich.
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Amazon erklärt zu Prime Air, dass die Drohnen den Ablagebereich vor der Zustellung auf Personen, Haustiere und Fahrzeuge prüfen. Wasser scheint bislang nicht auf der Checkliste zu stehen. Dabei experimentiert Amazon bereits seit mehr als einem Jahrzehnt mit der Paketzustellung per Drohne. Vielleicht reicht die Zeit bis zur großen Expansion noch für ein Software-Update mit Pool-Erkennung.
Der Router weiß, wann sich jemand bewegt
Abgerundet wird das Trio von Comcast. Der US-Kabelanbieter bietet mit „WiFi Motion“ eine Funktion an, bei der kompatible Xfinity-Router Bewegungen innerhalb einer Wohnung erkennen. Dafür werden Veränderungen der WLAN-Signale zwischen Router und stationären Geräten wie Lautsprechern oder Thermostaten ausgewertet. Kameras, Mikrofone oder zusätzliche Sensoren sind nicht erforderlich.
Ganz neu ist die Idee nicht. Schon 2019 haben wir über Linksys Aware und WLAN-Router als Bewegungsmelder berichtet. Bei Comcast sorgt jedoch die Speicherung für Diskussionen. Die Funktion ist zwar freiwillig und standardmäßig ausgeschaltet, nach der Aktivierung werden erkannte Bewegungsereignisse aber bis zu sieben Tage in der Comcast-Cloud gespeichert. Nach eigenen Angaben kann das Unternehmen diese Daten bei einer gültigen Vorladung, einem Gerichtsbeschluss oder Durchsuchungsbefehl auch an Behörden herausgeben.
Comcast betont gleichzeitig, dass keine Personen identifiziert und Bewegungen nicht exakt lokalisiert werden. Das dürfte technisch und juristisch stimmen. Ein Internetanbieter, dessen Router protokollieren kann, wann sich in der Wohnung etwas bewegt, dürfte bei datenschutzsensiblen Nutzern trotzdem nicht unbedingt auf Begeisterung stoßen. Da wirkt die gelegentlich störrische FRITZ!Box plötzlich fast beruhigend langweilig.

na ja, nur weil es woanders schlechter ist, ist es bei uns deswegen nicht besser. in jeglicher beziehung.
Das hat auch niemand behauptet.
Doch, genau dies ist der Umkehrschluss.
nein, aber aber über den tellerrand zu schauen hilft manchmal, um dankbarer und demütiger zu werden. in jeglicher beziehung.
Haha, dankbarer und demütiger für Versprechen die nicht eingehalten werden?
Nur weil es in den USA nicht sonderlich klappt, was ja interessant zu lesen ist, bedeutet das noch lange nicht, dass es weltweit so ist. Es gibt einige Länder auf der Welt wo es deutlich schneller und besser voran geht. Also warum vergleichen wir unser eigenes versagen mit einem Land wo es anscheinend schlechter geht? Um demütiger zu sein?
Ich glaube man sollte mal wieder auf die wichtigen Dinge schauen und gucken was man wirklich benötigt. Das meine ich nicht esoterisch sondern ganz praktisch.
Vielleicht ist höher, schneller weiter nicht immer die Lösung für alles. Beispiel Breitbandausbau. Evtl. ist es besser erstmal in die Fläche zu gehen, und dann in die Geschwindigkeit. Braucht ein Privathaushalt wirklich 1 Gb/s?
Man sollte sich wieder auf die Kernkompetenzen konzentrieren, Dinge einfacher und billiger machen und dann kann man gerne wieder oben mitspielen.
@Nanamusk: Wo siehst Du hier einen Vergleich? Ich erkenne nur eine Beschreibung.
Die Länder in denen manches schneller/besser geht haben meist andere Themen oder sind schlicht nicht vergleichbar mit Deutschland oder den USA. Rosinenpicken macht solche Vergleiche eben auch nicht sinnvoll und oft genug sind diese sogar noch schlicht falsch (Lieblingsbeispiel Netzversorgung)
Bei uns ist es aber besser als die Stimmung. Und die Stimmung ist gerade ein ganz großes Problem.
Die aktuelle Stimmung wird von den politischen Rändern, insbesondere der AFD, ausgenutzt, um Stimmen zu bekommen. Dank Social Media, bei dem extreme Meinungen zu mehr Werbeeinnahmen führen, hat das auch wirklich Erfolg.
Wenn irgendwann alle demokratischen Parteien mitregieren müssen, weil sonst keine demokratische Mehrheit mehr möglich wäre, wird das Regieren noch schwieriger und die Stimmung noch schlechter.
Wenn solche Nachrichten die Stimmung heben, wird es also in Deutschland auch besser.
+100
In Relation zwischen zwei Dingen ist A immer besser als B wenn B schlechter als A ist! Das heißt natürlich nicht, dass es bei A gut ist. ;-)
Es gibt noch viele andere Dinge, die in USA schlechter oder zumindest aus unserer Sicht rückständig sind. So werden noch immer unendlich viele Schecks per Post verschickt, Überweisungen, Lastschrift, Einzugsermächtigung, Dauerauftrag sind für viele US-Amerikaner völlig unbekannt. Roaminggebühren fallen noch immer sehr häufig beim Reisen innerhalb der USA an. Ein sicheres Ausweispapier
Hnlivh unseres Personalausweises gibt es nicht, als Ersatz dienen mehr oder weniger sichere Führerscheine, die jeder Bundesstaat selber und unterschiedlich ausstellt. (Insoweit die Forderung nach einem amtlichen Ausweis bei Wahlen. Nachvollziehbar und wird seit Jahren diskutiert (nicht erst jetzt), das Problem: so etwas wie einen Perso einzuführen würde Jahre dauern und ist von vielen unerwünscht. Es gibt noch nicht einmal eine Meldepflicht oder zentrale Register für Geburtsurkunden. Selbst die Sozialverischerungsnummer kann einfach gefälscht werden. Auf der anderen Seite sind Behördengänge oft noch umständlicher als bei uns. Wer immer auf Deutschland und die EU schimpft (wobei es hier sicher noch vieles verbessert werden kann) sollte öfters einmal über den Tellerrand schauen, er wird feststellen, so schlecht geht es uns wirklich nicht, im Gegenteil.
Genau dieses Cherry Picking ist das Problem. Es werden nur immer einzelne Punkte der „besseren Anderen“ als Anlass genommen, um über Deutschland und über die EU zu meckern.
Wenn man aber das Gesamtbild betrachtet, gehören wir in der EU und besonders in Deutschland zu den besten Gesellschaften weltweit.
Teenager in den USA betrachten das Fälschen von Führerscheinen, um an Alk zu kommen, als Quasi-Grundrecht…
Danke
@jego genau so ist es!
@Jego Der Status Quo bringt dir aber für die Zukunft nichts wenn es Deutschland nicht schafft neuen Wohlstand zu schaffen. Sich auf den letzten Jahren ausruhen und nur dankbar dafür zu sein, dass Deutschland toll ist, ist genau Teil des Problems. Im Universum gibt es Wachsen und Welken. Wenn man nicht wächst dann welkt man. Man kann einen Status Quo nicht halten. Sprich ohne neues Wirtschaftswachstum wird der Wohlstand wieder sinken.
Tja – und damit hierzulande auch weiterhin ganz sicher nichts schief gehen kann, legt man hier lieber noch die Hände in den Schoß :-(
Genau das….
„Was ich gerne selber tu, das trau ich auch dem andern zu“
Und die USA hat gerade die 40 Billionen Schuldengrenze gerissen…
Ausgeschrieben:
40.000.000.000.000
Ok, es sind nur US$
:-)))
Was soll uns das sagen?
Wie sieht es mit unseren eigenen Schulden aus?
Verschuldung im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt (Februar 26) BRD=62% USA =126% !
Die USA sind schon lange stehend pleite und finanzieren sich nur über niedrige Zinsen und Kapitalmarktimporte. Beides zerstört die gegenwärtige Politik
Trotzdem wachsen auch unsere Schulden täglich. Und ich denke es ist wohl nicht erstrebenswert die USA nachzuahmen.
Google mal pro Kopf Verschuldung beider Länder…
Merkste selbst Nanamusk
;-))
„Was soll uns das sagen?“
Zum Beispiel, dass man sich anschauen sollte, wofür das Geld ausgegeben wird und welche politischen Entscheidungen dahinterstehen.
Beim Breitbandausbau ist es ja gerade besonders absurd: Statt den Ausbau weiter voranzutreiben, streicht die FCC einfach das langfristige Ziel von 1.000/500 Mbit/s und erklärt 100/20 Mbit/s weiterhin zum ausreichenden Maßstab.
Praktischer Nebeneffekt: Starlink sieht damit plötzlich wesentlich eher wie eine ausreichende Breitbandversorgung aus und der Druck, tatsächlich Glasfaser auszubauen und entsprechend zu fördern, sinkt.
Und wenn ausgerechnet das Unternehmen von Elon Musk davon profitiert, während dessen Einfluss auf die aktuelle US-Politik nun wirklich kein Geheimnis ist, finde ich „Was soll uns das sagen?“ eigentlich eine ziemlich gute Frage.
Ach Nanamusk… Dir muss man auch echt Ironie erstmal erklären
:-)))
Und jetzt schau dir mal die implizite Staatsverschuldung (insbesondere Beamtenpensionen) in Deutschland an.
Die Drohnenzustellung in den USA läuft deutlich reibungsloser als die personengebundene Zustellung in Deutschland. Ich kenne mehrere Personen in den USA, die Drohnenzustellung nutzen und mir immer wieder berichten wie toll das ist. Bei manchen Zulieferern kann man eine Art „Heli-Pad“ bestellen, das die Drohne ansteuert und da die Pakete ablegt. Dieses wird oft in den kalten Monaten im dann leeren Pool abgelegt. Vielleicht hängt damit der Fehler zusammen.
Bei mir werden Pakete an die ganze Stadt adressiert einfach über den Gartenzaun geworfen. Meine eigenen Pakete hingegen werden mir mitgeteilt konnten jeweils nicht zugestellt werden, weil angeblich niemand zu Hause war. Zum Zeitpunkt der vergeblichen Zustellung war ich & meine Frau im Garten – wer nie da war ist der Paketzusteller, weshalb es auch keinen Abholschein für die Packstation gibt.
Fazit: Wilde Müllentsorgung fremder Pakete in meinem Garten klappt. Echte Zustellungen nicht. Immerhin darf ich die fremden Pakete nach einmaliger Klärung mit Amazon & DHL behalten und gelten auch nicht als zugestellt. Leider war bislang noch nie etwas brauchbares drin …
Ich möchte trotzdem nicht das alle paar Minuten so eine Drohne über mich fliegt. Der einzige und wirklich wichtige Grund für eine Drohne sind lebensrettende Medikamente
Und trotz der bisherigen Kommentare kann man auch einfach mal sagen: Digitalisierung hat nicht nur Vorteile, wie man immer wieder sieht. Trotzdem gut und wichtig, dass es langsam auch bei uns mal vorwärts geht (hoff ich).
Nichts hat nur Vorteile! Wer behauptet, dass die Digitalisierung nur Vorteile hat. Ich finde manche Kommentare hier ziemlich sinnlos. Klar man muss sie nicht lesen, man muss auch nicht darauf antworten. Man sieht jedoch wie manche Menschen einfach nur Spaß daran haben irgendwas zu posten, auch wenn es überhaupt keinen Sinn ergibt.
Woran mag das wohl liegen? Zuviel Zeit, zu wenig nachdenken, Geltungsbedürfnis?
Darüber sollten sich einige Gedanken machen bevor sie einfach nur irgendwas posten.
Einen schönen Nachmittag
Bei der FCC-Geschichte fehlt ein nicht ganz unwichtiges Detail: Starlink.
Wenn man das langfristige Ziel von 1.000/500 Mbit/s streicht und stattdessen 100/20 Mbit/s als Maßstab akzeptiert, erscheint Satelliteninternet im Vergleich zu einem echten Glasfaserausbau deutlich attraktiver.
SpaceX hat sich bei der FCC aktiv dafür eingesetzt, Starlink bei der Breitbandversorgung stärker zu berücksichtigen. Brendan Carr hat sich bereits zuvor deutlich für Starlink eingesetzt, insbesondere als SpaceX die 885 Mio. Dollar Förderung für den Breitbandausbau entzogen wurden.
Natürlich bedeutet das nicht, dass Musk Carr direkt angerufen und gesagt hat: „Schaff das Gigabit-Ziel ab.“ ;-) Es ist jedoch erwähnenswert, dass Starlink von genau so einer Entscheidung profitieren würde, was der Geschichte eine zusätzliche Dimension verleiht.
Musst Du alles verraten ;-).
Die Politik der USA zeichnet sich seit der Amtsübernahme von Trump noch mehr als ohnehin schon seit langem durch Entscheidungen aus, die den Staat zurückdrängt und die Privatwirtschaft fördert. (AFD lässt grüßen)
Ja, genau solche Berichterstattungen mag ich nicht besonders, wenn dabei die politische Führung und deren Interessen komplett ausgeblendet werden.
Gerade in den USA finde ich das aktuell ziemlich relevant, weil politische Entscheidungen teilweise sehr direkt Unternehmen und Personen aus dem eigenen Umfeld zugutekommen. Natürlich hatten wir bei uns mit Maskendeals und Co. auch genügend Fälle, bei denen sich Leute bereichert haben. Aber das ist für mich trotzdem etwas anderes, als wenn solche Interessen unmittelbar auf höchster Regierungsebene sitzen und von dort Einfluss auf Regulierung und Behörden genommen wird.
Und deshalb finde ich auch den Vergleich „schaut mal, selbst in den USA funktioniert der Glasfaserausbau nicht“ etwas schwierig. Wenn gleichzeitig die politischen Rahmenbedingungen so verändert werden, dass Glasfaser weniger wichtig erscheint und z.B. Starlink davon profitiert, gehört das für mich zur Geschichte einfach dazu.
Über den Satz: „…sprang eine Lieferung nach dem Abwurf in einen Teich“ musste ich kräftig lachen. Danke, iFun !
Dito – ich wusste gar nicht dass Pakete mittlerweile ein Eigenleben führen ;-)
ganz mein Humor …
Bewegungserkennung über Wlan gibt es auch bei dem Telekom Speedport 7.
Siehe Bedienungsanleitung Seite 12
In den USA gibt es aber Starlink. Die USA sind geographisch auch kaum mit Deutschland zu vergleichen.
Starlink gibt es ab 55 USD pro Monat mit 100 MBit. Den bekommt man nur an ausgewählten Standorten in den USA. Dazu kommt noch die Hardware-Miete von 10 USD pro Monat oder 499 USD im Kauf.
‚In den USA gibt es aber Starlink‘ und in Deutschland nicht? Das wäre mir neu.
Die Chinesen sind mal wieder schlauer. Da gibt es Stationen, in welche eine Bestellung on Demand per Drohne geliefert wird. Sicher und trocken. Aber das erfordert natürlich, dass der Empfänger aus seiner Komfortzone rauskommt und zur Station geht. Passt nicht so ganz in die westliche Amazon liefert bis zur Tür Mentalität.
Tja, der Deutsche schaut nie über den Tellerrand. Ich meine, viele Deutsche denken ja immer noch die USA sei die Nummer 1 in allem. Dabei wünsche ich niemanden, mit einer amerikanischen Krankenversicherung leben zu müssen! Und warum sollte es beim Internet anders sein?
Süß, diese Durchhalteparolen hier.