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Kinderecke: Was hat das alles mit Montessori zu tun?

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Seit ein paar Tagen ist Apples spezieller Kinder-App-Katalog verfügbar. Mit erstaunlich wenig Auswahl. Wir werden uns dem Thema noch widmen.

Zunächst aber gibt es einen Punkt, an dem unser Auge hängen geblieben ist: Apple hat einen eigens für Montessori-Apps eingerichteten Ordner angelegt.

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Vor Kurzem hatten wir euch die optisch ansprechende und von Apple ausgezeichnete Zahlen-App Numberland HD vorgestellt (deren Entwickler-Studio Les Trois Elles Interactive hat übrigens die Alleinherrschaft über Apples Montessori-Auswahl angetreten…) und uns gefragt, was an dem Konzept der Entwickler eigentlich spezifisch Montessori-Pädagogik sein soll.

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Da immer häufiger Lern-Apps mit dem Name Montessoris für sich werben – der App-Store kennt inzwischen einige Hundert, die den Begriff zumindest in ihren Metatags verbauen –, haben wir uns einmal eingehender mit der Frage beschäftigt. Denn viel zu häufig haben weder Entwickler noch Nutzer eine Idee davon, was hinter dem Ansatz aus den 30er Jahren steht.

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Zuwenig Montessori, zuviel Ästhetik

„Montessori“ wirkt zwar wie ein Gütesiegel, ist aber auch ein garantiertes Verkaufsargument. – Und das einzige Kriterium, das überhaupt viele dieser Anwendungen in Montessoris Reform-Pädagogik verankert, bleibt ihre skeuomorphistische Nachbildung der von der italienischen Philanthropin speziell entwickelten Materialien.

Bestünde aber das erzieherische Programm Maria Montessoris allein in einer formschöne Holz-Ästhetik, könnte man ihre hübschen Bauklötzchen bestenfalls noch als Stilvorlage für zeitgenössische Ökotopia-Schwärmereien heranzitieren.

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Keine Ideologie, sondern eine Methode

Es geht bei Montessoris Visionen aber gerade nicht um verklärte, nostalgische Naturromantik– auch wenn Entwickler gerade über diese Fantasien versuchen, ihre Produkte aufzuwerten. Es geht um Methode.

Design ist Teil der Methode.

Man könnte den ganzen hölzernen Mimikry sogar weg fräsen. Bis nur noch der eigentliche Kerngedanke übrig bliebe: Eine systematische Lehre, die immer versucht, das Teil zum Ganzen zu setzen und in dieser Ordnung einen Begriff von Freiheit entwickelt, der im hohen Maße strukturiert ist. Das Moment selbsttätiger Erziehung – das uns heutzutage so anspricht – besteht gerade darin, über ein Grundverständnis auch zukünftige Erfahrungen sinnvoll einordnen zu können. Ausgehend von wenigen Grundprämissen soll sich dem Menschen nach und nach die Welt erschließen können.

Dafür steht der Name Montessori und dafür hat sie ihr spezielles Design entwickelt. So repräsentieren beispielsweise bestimmte Farben immer bestimmte Zahlenräume, die sich ins unendliche wiederholen und doch gleich bleiben. 1 – 9 = Grün, 10 – 99 = Blau, 100 – 999 = Rot. Dann beginnt der Zirkel von vorne: 1000 – 9999 = Grün usw. Eine einfache, aber wirkungsvolle Strategie, Wissen zu verknüpfen.

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Herausforderung für die Entwickler

Für diese Deduktion sind eine einheitliche Formensprache und nicht hintergehbare Prinzipien unerlässlich. Das heißt nicht, dass die Axiome der montessori’schen Pädagogik für alle Zeiten gesetzt sind. Die Herausforderung von Kinder-App-Entwicklern sollte es sein zu prüfen, welche für den digitalen Raum gelten.

Es zeigt sich leider, dass das die wenigsten tun. Nur auf die Elemente „Ästhetik“ und „Freispiel“ zu setzen, reicht nicht aus, um sich hinter das breite Schild Montessoris zu stellen.

Montessorium Apps

Wir wollen hier aber natürlich nicht nur meckern, sondern euch auch eine App-Schmiede ans Herz legen, die in Sachen Montessori vieles richtig und vieles gut macht: Die Lern-Apps von Montessorium sind ästhetisch extrem schön und vor allem: sie integrieren das grafische Klassifikationssystem Montessoris. Dadurch ist es problemlos möglich, die App in den Gesamtzusammenhang der montessori’schen Materialien einzuordnen und tatsächlich Montessoris innerstem Verständnis von Lernen und Bilden zu entsprechen.

Die Entwickler haben Apps zum Zahlenverständnis, Farbenlehre, Schreiben und einige weitere Themen herausgebracht.

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Ansonsten können wir euch nur empfehlen, nicht einfach einen Namen zu kaufen. Der ist nämlich leider nicht geschützt und könnte ebenso Lieschen-Müller heißen. Wer sich für die Reform-Pädagogik Montessoris interessiert, sollte auch wissen, warum er das tut.


Johanna Rosenfeld schreibt in ihrem Blog über freche, schlaue, kluge und schöne Apps für Kinder – unabhängig und ohne Werbebotschaften.

Die Buchautorin, Illustratorin und junge Mutter lebt und arbeitet in Berlin, schreibt in der Kinderecke auch für ifun.de und freut sich über einen Besuch auf ihrer Facebook-Seite.

Freitag, 27. Sep 2013, 14:58 Uhr — Johanna
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  • Mich erinnern, berufsbedingt, solche, über viele Jahre, fehlinterpretierten und in Klischees gedrückten Methoden und Grundgedanken immer an das Bauhaus. Welches heute als karger, einheitlicher und seinen Gedanken beraubter Stil dargestellt wird, wobei er doch eigentlich als Grundidee zum Umgang mit dem gegebenen erdacht wurde und heute ganz andere Ergebnisse liefern würde, wenn mehr als nur seine Klischees bestand hätten.

  • Ich bin selbst auf eine Montessori Schule gegangen und mich stört auch, dass der geniale Ansatz immer mehr von Retro-Naturholz-Jüngern missbraucht wird. Der Ansatz, dass Kinder neugierig sind und lernen w o l l e n, die klassische Schule dies aber eher unterdrückt als fördert, hat mit Holz und kleinen hutzeligen Häusschen nur historisch etwas zu tun.

    Danke für den hervorragenden Beitrag!

  • Danke für die Interessanten Gedanken! Immer wieder lesenswert, die Kinderecke!

  • Danke für den sehr informativen Artikel. Fast wissenschaftlich und scheinbar inhaltlich gut recherchiert.

    Allein der, für meine Begriffe, überbordende Einsatz von sozalpädagogischen Fremdworthülsen dürfte die meisten Leser, für die diese Apps interessant sein sollten, abschrecken.

    Beim nächsten mal am besten ein wenig weniger codiert.

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