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Zahlreiche Eltern berichten

In-App-Käufe: Die Kinder spielen sich um Kopf und Kragen

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Die eklatante Diskrepanz zwischen dem Lotto-Laden ums Eck und der Spiele-Kategorie des App Stores haben wir noch immer nicht verstanden.

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Während vor dem Ausfüllen der nur 99 Cent teuren 6aus49 Lotto-Spielscheine – die sich ohnehin erst ab 18 kaufen lassen – mehrere Warnhinweise der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung abgeschritten und Hinweise, dass „Glücksspiel süchtig machen kann“ zur Kenntnis genommen werden müssen, regiert im Software-Kaufhaus Apples der pure Anarchismus.

Im App Store lassen sich 10.000 einarmige Banditen laden, die den Gang ins Spielautomaten-Kasino auf einen Griff in die Hosentasche verkürzen und mit In-App-Käufen nur so um sich werfen. Virtuelle Diamanten für 49€ werden hier ebenso häufig angeboten wie der „große Sack Goldmünzen“ für 99 Euro. Selbst Mario macht hier keine Ausnahme.

Zwar hat sich Apple im Fall eines 11-jährigen iPad-Anwenders, der binnen weniger Stunden 7000 Euro in je 99 Euro teure In-App-Käufe investierte, im Frühjahr 2017 dazu entschieden die angefallene Rechnung zu begleichen, das Angebot der Glücksspiel-Applikationen ist seitdem jedoch eher gewachsen.

Inzwischen werden in mehreren Ländern Forderungen an den Gesetzgeber laut, endlich regulierend einzugreifen.

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Aktuell unterstreicht die britische BBC, das die überwachende Familienfreigabe, die Bildschirmzeit-Funktion und die gesetzten Passcodes zwar gut gemeint allerdings noch immer nicht in der Lage sind, alltägliche App Store- und Familien-Dramen zu verhindern.

BBC präsentiert etliche Einzelfälle

So hat die BBC unter der Überschrift „Mein Sohn hat £3.160 in einem Spiel ausgegeben“ jetzt zahlreiche Erfahrungsberichte betroffener Eltern zusammengetragen, die alle über herzzereißende In-App-Kauf-Tragödien berichten.

Ein Auszug:

Ich habe einen 22-jährigen behinderten Sohn, der an Zerebralparese, komplexer Epilepsie, Autismus, Lernschwierigkeiten und der ungefähren kognitiven Leistungsfähigkeit eines siebenjährigen Kindes leidet.

Er ist nicht in der Lage, bilaterale Aktivitäten durchzuführen, und verlässt sich daher stark auf sein iPad und seine PlayStation für Unterhaltungs- und Bildungsaktivitäten.

Vor kurzem hat er auf seinem iPad ein Spiel namens Hidden Artifacts gespielt, bei dem verschiedene Gegenstände gefunden und mit der Beschreibung abgeglichen werden.

Zwischen dem 18. Februar und dem 30. Mai 2019 wurden ihm 3160,58 GBP in Rechnung gestellt, womit seine gesamten Ersparnisse aufgebraucht wurden. […]

Erfahrungsberichte, die von kopfschüttelnden Anwendern gerne mit dem Verweis auf die verfügbaren Sicherheitsmechanismen vom Tisch gewischt werden. Wer seinen Nachwuchs und die eigene Kreditkarte unbeaufsichtigt im gleichen Raum zurücklässt, hat es nicht besser verdient…

Den wenig emphatischen „selbst schuld“-Reflex lassen wir nach Jahren gut dokumentierter Einzelfälle jedoch nicht mehr gelten.

„Apple Arcade“ als Eingeständnis zu werten?

Selbst Apple ist inzwischen darüber im Bilde, dass das App Store-Angebot mittlerweile viel mehr mit dem siffigen Automaten-Casino am Hauptbahnhof als mit dem familienfreundlichen Heidepark Soltau gemein hat. Die Anstrengungen hinter „Apple Arcade“ kommen ganz bestimmt nicht von ungefähr.

Insofern muss sich Cupertino auch die Frage gefallen lassen, warum der App Store nicht über bessere Schutzvorrichtungen verfügt. Uns will kein guter Grund einfallen, warum eine App in der Lage sein sollte, die eigene Kreditkarte binnen weniger Stunden mit mehreren tausend Euro für virtuelle Goldmünzen und Diamanten zu belasten.

Goldmuenzen

Vielleicht sollten sich hier einfach harte Limits setzen lassen – die Transaktions-Beschränkungen fast aller Online-Banking-Konten fallen strenger aus, als die des App Stores.

Vielleicht sollten sich In-App-Käufe binnen 24 Stunden schlicht Rückabwickeln lassen.

Vielleicht sollte der App Store deutlich transparenter auf verfügbare In-App-Käufe, Abos und Glücksspiel-Mechaniken hinweisen.

In jedem Fall sollte Apple irgendwann auf die hundertste Gruselgeschichte zum Thema reagieren. Andernfalls könnten die ersten Anwender noch auf die Idee kommen, dass die teuren In-App-Tragödien dem Unternehmen aus Cupertino nicht nur egal, sondern vielleicht sogar ganz recht sind.

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16. Jul 2019 um 13:08 Uhr von Nicolas Fehler gefunden?


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