Erst ermutigt, dann nachgebaut
Continuity Camera kopiert? Software-Studio Camo verklagt Apple
Der Entwickler der Kamera-App Camo geht juristisch gegen Apple vor. Die Klage richtet sich gegen mutmaßliche Patentverletzungen sowie wettbewerbsrechtliche Verstöße. Aus Sicht des Unternehmens habe Apple zentrale Funktionen der App übernommen und als systemeigene Lösung in iPhone, Mac, iPad und weiteren Geräten integriert.
Zugleich seien technische Schnittstellen eingeschränkt worden, die eine weitergehende Zusammenarbeit mit dem Ökosystem verhindert hätten.
Inzwischen sehen sich die Macher vom Markt gedrängt, nachdem Apple die Kern-Funktionen von Camo unter dem Namen „Continuity Camera“ (hierzulande als Integrationskamera bekannt) in seine Betriebssysteme integriert hat. Auf ifun.de haben wir 2022 auf Apples „Nachbau“ berichtet.
Erst ermutigt, dann nachgebaut
Nach Darstellung des Software-Studio nutzte Apple Camo früh intern, ermutigte zu Investitionen in die Weiterentwicklung und signalisierte Unterstützung. Die App machte das iPhone zu hochwertigen Webcams für Computer – wir berichteten auf ifun.de erstmals im Jahr 2020. Technisch vereinfacht bedeutet das, dass die Kamera des Telefons kabellos oder per Kabel als Videoquelle dient und am Rechner gesteuert werden kann.
In der Pandemie gewann dieser Ansatz an Bedeutung, weil viele integrierte Webcams qualitativ zurückblieben. Als Apple später eine vergleichbare Lösung ausrollte, sahen die Entwickler ihre Arbeit faktisch in das Betriebssystem überführt. Gespräche mit Apple hätten zwar Anerkennung signalisiert, seien aber ohne konkrete Zusagen geblieben.
Wettbewerb und abgeschottete Ökosysteme
In der Klage wird argumentiert, dass es nicht allein um ein einzelnes Produkt gehe, sondern um die Frage, wie viel Raum unabhängige Entwickler im Umfeld großer Plattformen haben. Interoperabilität zwischen Geräten unterschiedlicher Hersteller könne aus Verbrauchersicht Vorteile bringen. Apple setze hingegen auf enge Verzahnung eigener Produkte, was den Wechsel erschwere und Konkurrenz ausbremse.
Statt eines offenen Wettbewerbs seien technische Hürden aufgebaut worden, die alternative Lösungen unattraktiv machten. Apple weist diese Vorwürfe zurück. Gegenüber US-Medien erklärte der Konzern, die Anschuldigungen seien unbegründet. Man entwickle Kamera-Funktionen intern, respektiere geistige Eigentumsrechte und trete fair in den Wettbewerb.

