Apple und der “Heilige Gral der Steuervermeidung” [Video]

42 Kommentare

Apples Steuerpraktiken sind in letzter Zeit verstärkt Thema in den Medien. Konkret geht es weniger darum, dem Konzern illegale Praktiken zu unterstellen, sondern es wird kritisiert, dass Apple alle legalen Mittel ausschöpft, um die Steuerzahlungen zu minimieren. Der britische Guardian ist der Sache auf den Grund gegangen und erklärt im unten eingebetteten Video, wie Apples Steuerstrategie funktioniert.

apple-steuer-500

Apple hat laut dem Guardian den “Heiligen Gral der Steuervermeidung“ gefunden. Ein simpler Trick genügt offenbar, um sich völlig legal vor dem Bezahlen enormer Steuersummen zu drücken. Zugrunde liegt schlicht die Tatsache, dass in den USA Steuerzahlungen am Firmensitz anfallen, während in Irland der Sitz der Firmenzentrale eine Rolle spielt. Demnach sind beide Länder nicht für die Besteuerung der durch die im irischen Cork ansässige Europazentrale des Konzerns eingefahrenen Gewinne zuständig.


(Direktlink zum Video)

Es ist natürlich immer heikel, sich lediglich auf der Basis von Medienberichten ein Urteil zu erlauben. Allerdings darf man festhalten, dass wir gerade bei gesunden Unternehmen wie Apple erwarten können, dass Gewinne ordentlich versteuert werden und man auf diese Weise seiner sozialen Verantwortung gerecht wird.

Momentan sieht es allerdings nicht danach aus, als habe Apple gegen irgendwelche Gesetze verstoßen. Die Verantwortung dafür, dass derartige Steuervermeidungspraktiken möglich sind trägt die Politik und ihr könnt euch sicher sein, dass Apple nicht der einzige Konzern ist, der dies schamlos ausnützt. Wie so oft in den letzten Monaten macht dieser Name nur besonders viel her und sorgt für entsprechend Wind – vielleicht auch den nötigen Druck auf die Verantwortlichen in den Parlamenten.

Diskussion 42 Kommentare.
Dieser Unterhaltung fehlt Deine Stimme.
  1. Ganz ehrlich, wer würde es anders als Apple machen, wenn es doch LEGAL ist?
    Letztendlich würden wir alle bei unsrem eigenen Unternehmen genau so vorgehen, wenn der Staat etc. doch zu dämlich ist was gescheites dagegen zu tun.

    — eric
  2. Nun, hier beginnt sich die Katze in den Schwanz zu beißen. Alle Börsennotierten Unternehmen, also auch Apple, sind in erster Linie ihren Sharrholdern verpflichtet. CEO und Co. “können gar nicht anders” handeln um “Schaden” vom Anteilseigner abzuwenden. Tun sie es werden sie mit Wohlwollen und hohen Bezügen belohnt. Unterlassen sie es, droht der frühe CEO Tod.
    Shareholdern wollen nichts weiter als hohe Dividende. Werden wenige Steuern abgeführt, erhöhen sich die Dividende.
    Und schwupp – da hat die Katze ihren Schwanz erwischt.

    — berliner 
  3. Laut mehrere Quellen hat Apple in Deutschland z.B 2012 nur 5 Millionen € Steuern gezahlt. Bei geschätzten 1 Millarden Umsatz in Deutschland. Normalerweise müsste Apple noch 245 Millionen Euro nachzahlen allein für 2012 Unternehmenssteuern. Für uns alle. Ich finde es schade. Ich hoffe das wird in Zukunft geändert.

    — Julius23
      • Diese Zahlen kommen mir stark bekannt vor. Ich meine diese in einem Beitrag einer öffentlichen Rundfunkanstalt gehört zu haben. In der ein Mediengeiler Möchtegern sagte: “Ich schätze den Umsatz von Apple in Deutschland auf…” und “Ich schätze die bezahlten Steuern auf…”.
        Sehr seriös und ich hoffe man berichtet mal über die Gehälter der führenden Mitarbeiter vom ARD, ZDF und Co.

        — Chris
    • Ja, was für Anfänger. Samsung hat gute 3 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland eingefahren und und nur 1 Millionen Euro Steuern gezahlt.
      Nachzahlen “müssten” weder Apple noch Samsung auch nur einen Cent. Das ist nämlich der dumme Fehler den die meisten in ihren Gedankengängen machen. Das sind alles ganz legale, vom Gesetzgeber so gewollte Steuerlöcher über die sich die Umsätze abschreiben lassen. Moralisch verwerflich ist nicht das Handeln der Konzerne, sondern das unserer Politik, die sich seit Ewigkeiten gegenüber einem einfacherem Steuersystem ohne diese Lücken verweigert. (Die Konzerne sind hingegen ihren Eignern dahingehend verpflichtet, dass sie vermeidbare Unkosten – zu denen gehören Steuern – möglichst einsparen. Insofern fällt schon hier die ewige Moralfrage)
      Wer sich über sowas aufregt sollte seine Zeit lieber darein investieren sich über die bescheuerten Steuergesetze aufzuregen…

      — Pazuzu
  4. Amazon, Dell usw. Machen das genau so!
    Allgemein kann man sagen jedes größere Unternehmen versucht sich auf diese art

    — Christian
    • Ja, nur ist man wie so oft auf den größten Konzern eingegangen. Noch ein Beispiel:
      Hat mal jemand geschaut in welchem Land der europäische Sitz von Microsoft ist?
      - Dublin!
      Und wo ist Dublin?
      - Richtig, in Irland.
      Bonus-Frage: Warum (wohl) sind auch die in Irland?

      Patrick
      • ganz richtig, genau so wie auch facebook in Irland hockt… Wie oben schon beschrieben ist Apple halt einfach der dickste Fisch im Geschäft derzeit und muss daher für alle herhalten.
        Andererseits ist es eben auch so nur weil es alle anderen machen noch immer nicht in Ordnung, ja sie halten sich an die Gesetze, aber sozial ist daran rein gar Nichts!

        — misterB3n3
      • @misterB3n3
        Was hat das mit sozial zu tun ? Geltende Gesetze werden eingehalten, Punkt. Kein Unternehmen der Welt und schon garkeine Aktiengesellschaft handelt sozial, warum auch ? Zwar spenden viele Unternehmen paar Euro Fuffzig, um nach außen sozial(er) dazustehen, aber das ist reine PR.

        Die Frage ist hier eher, warum es nicht endlich EU-weit ein einheitliches Steuerrecht gibt, was eigentlich zwingende Voraussetzung bei einer gemeinsamen Währung ist. SOlange das nicht der Fall ist, hat jedes Unternehmen das Recht, sich das Land mit den günstigsten Bedingungen herauszusuchen.

        Im Fall Apple würde es ja schon reichen, wenn der Hauptfirmensitz mapgebend ist und wo man überall Gewinn macht, keine Rolle spielt, die Steuern in JEDEM Fall im Land des Hauptsitzes fällig würde, also die USA. Dasselbe gilt dann auch für Facebook, Dell, Microsoft usw. und das Thema ist gegessen.

        — Maxiklin
  5. Selbst der alte Weltverbesserer Bono hat sein Unternehmen U2 in den Niederlanden angemeldet, statt seinem Heimatland Irland ein paar Steuern mehr zu gönnen.

    — Alex
  6. Bundesbürger die z.b an der Grenze zu Polen wohnen fahren ja auch rüber um ziggis und sprit billiger zu kaufen also auch legale Steuerhinterziehung

    — Andi_J
  7. Schaut euch mal die Folge / Podcast: “ZDFzoom Flucht in die Karibik” an. Im Grund das gleiche Thema nur mit andere großen deutschen Unternehmen.

    Christoph
  8. Apple halt… so innovativ bei den Produkten, so einfallsreich bei der Steuervermeidung ;-)

    Was mit nur ein Rätsel ist: Auch Irland kreucht im Euroraum am Rande des Abgrundes und ist eigentlich auf Steuereinnahmen dringend angewiesen. Warum haben die durch eine z.B. Gesetzesänderung solchen Steuerpraktiken nicht einfach einen Riegel vorgeschoben? Und wenn Irland die Grätsche macht, wer darf dann wieder den Rettungsschirm aufspannen???

    — Spittek
    • … es sollte heißen: “Was MIR nur ein Rätsel ist…” Die Tasten am iPhone sind einfach zu klein ;-)

      — Spittek
  9. “Zugrunde liegt schlicht die Tatsache, dass in den USA Steuerzahlungen am Firmensitz anfallen, während in Irland der Sitz der Firmenzentrale eine Rolle spielt.” – Das stimmt so nicht ganz. In den USA ist es für die Steuerpflicht wichtig, wo die Firma gegründet wurde, in Irland kommt es darauf an, von wo aus eine Firma geführt wird. Das beschriebene (legale) Prinzip ist aber richtig. Die Gewinne streicht Apple Irland ein. Nicht in den USA gegründet, also dort nicht steuerpflichtig. In Irland ist aber klar, dass auch Apple Irland von den USA aus gesteuert wird. Also deswegen auch in Irland (fast) keine Steuerpflicht.

    Ich persönlich finde diese Steuer Vermeidungsstrategien absolut perfekt um den Irrsinn dieser Gesetzgebungen aufzuzeigen. Bei der bestehenden Globalisierung ist das auch überhaupt nicht zu ändern, wenn man nicht ganz klare und einfache Regeln eingeführt. Im Grunde ist es eine Frechheit, dass Politiker jetzt Apple versuchen den schwarzen Peter zu zuschieben, während Irand und irgendwelche Südseeinsel nur deswegen solche Gesetze überhaupt machen um eben auch ein wenig vom Kuchen abzubekommen auf Kosten der Länder, in denen die Steuer eigentlich entstehen müsste.

    — thatsmile
    • Ich stimme Dir zu, nur macht hierzulande kein Politiker Apple verantwortlich. Die Medien treiben gerade eine neue Sau durchs Dorf.

      — berliner 
  10. Jeder von uns versucht alle Möglichkeiten, um die Steuer zu reduzieren. So auch die Konzerne, die nur ein Ziel haben: Gewinnmaximierung. Die Barreserven von Apple sind also im Prinzip hinterzogene Steuern über Jahre. Und Apple ist ja nicht alleine.

    — Herbie
  11. Die Frage ist ja auch: an WEN sollte dann Apple Steuern bezahlen ? selbst wenn sie wollten kämen die dann in Erklärungsnot. Habt Ihr schon mal versucht, ohne Festsetzung eines Steuerbescheides Geld (und wenn es nur 1 Cent ist) an Euer Finanzamt zu überweisen? Dann werdet Ihr feststellen, dass die mit dieser Zahlung komplett überfordert sind, weil die nicht wissen wie die diese Summe verbuchen sollen. Wird es aber nicht verbucht, stimmt bei denen die Kasse nicht ;-) Hat glaube ich mal noch zu DM-Zeiten Jemand mit 1 Pfennig gemacht um sein Finanzamt zu ärgern….

    — Markus
  12. Du hast als Chef einer AG wohl eher die Pflicht deinen Altionären gegenüber alle Möglichkeiten auszuschöpfen möglichst viel Gewinn zu machen. Tust du das nicht, macsht du dich evtl. sogar strafbar.

    — Habakuck
  13. IKEA macht sowas über eine niederländische Stiftung. VW und viele andere über die Caymaninseln…
    Da ist meines Erachtens ganz klar die Politik gefordert… Löcher dichtmachen, ggf. derbe Zölle auf Waren aus Ländern die solche Schlupflöcher aufmachen ?

    — oldmacuser
  14. Was meint ihr, wofür die ganzen Unternehmensberatungsfirmen wie KPMG, PWC, usw. da sind…? Einig und alleine zu dem Zweck, um Steuerschlupflöcher zu finden, die die großen Firmen ausnutzen können, um Geld zu sparen.

    — ???
    • KPMG, PwC u.a. sind keine Unternehmensberatungen, sondern Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Ihr Zweck ist es vor allem, Jahres- und Konzernabschlüsse zu prüfen.

      Steuerberatung macht nur einen kleineren Teil des Tätigkeitsspektrums aus. Klassische Unternehmensberatung (wenn sie denn überhaupt betrieben wird) einen noch kleineren.

      — RolandG
  15. Rechtlich korrekt, moralisch absolut verwerflich. Wer Infrastrukturen usw. eines Landes nutzt, sollte auch bereit sein Steuern zu bezahlen. Und zwar in einer angemessenen Höhe.
    Ich hab nix dagegen, wenn ein Unternehmen Steuern sparen will, aber müssen es denn gleich 99% sein?
    Und wenn man dann noch bedenkt, dass Apple nicht besonders viel dafür tut, dass die Arbeiter in den Zulieferfirmen ordentlich behandelt und bezahlt werden, dann macht mch das schon wütend.
    Auch ich kaufe und nutze Apple Produkte. und ich finde sie gut. Aber irgendwie bleibt da ein schaler Nachgeschmack. Aber leider sind die Anderen ja auch nicht besser.
    Bei einem normalen Bürger oder einem Kleinunternehmer holt sich das Finanzamt mit aller Macht alles, was sie bekommen können. Aber die Großen können – wie immer – selbst entscheiden. Sehr traurig !

    — Raider
  16. Jeder Steuerberater macht nichts anderes. Es wird versucht die Steuerabgaben so gering wie möglich zu halten. Und wenn derartige Gesetzeslücken bestehen, ist die Schuld definitiv nicht beim Unternehmen zu sehen – egal, welchen Namen es hat.

    — Kraine
    • Wann warst Du denn das letzte mal beim Steuerberater? Die sind lediglich Ausfüllgehilfen des FA für die Steuererklärung geworden!
      Da traut sich keiner mehr “echte Tipps” zu geben aus Angst vor Klagen der Finanzämter…
      Mal davon abgesehen sind gerade unsere Steuergesetze derart verpixelt und kompliziert, dass letztlich keiner mehr durchblickt – gewollt?!
      Apples Berater haben einen guten Job gemacht, die Politik komplett versagt und das Geld welches ich, Du und alle anderen hier in Unternehmen pumpen, welche das so praktizieren, wird letztlich kaum jemals wieder der Allgemeinheit zugeführt…. oder glaubt hier jemand Steuern dienen nur und ausschließlich der Bezahlung von Beamten?
      Wenn Steuern dort entrichtet werden müssen, wo das Geld einkassiert wird, dann gäbe es diese Diskussion nicht und Apple, MS, Starbucks, FB & co würden tatsächlich mal was GROSSES tun… jedoch wird hier nur gemolken und die Deppen verteidigen das auch noch:/
      btw: Richtig – jeder von uns würde dies so machen, wenn er könnte… und da ist der Haken – wenn es jeder könnte, wären diese Löcher längst gestopft!

      — FK
      • “Wann warst Du denn das letzte mal beim Steuerberater? Die sind lediglich Ausfüllgehilfen des FA für die Steuererklärung geworden!
        Da traut sich keiner mehr “echte Tipps” zu geben aus Angst vor Klagen der Finanzämter…”

        Kuriose Aussage …. “Angst vor Klagen der FA” ? Nicht öffentliches (Eingriffs-) Recht und Zivilrecht verwechseln.
        Und bei echtem Interesse: einfach mal z.B. die AO/FGO durcharbeiten.

        — Richard
  17. Ich bin mal gespannt wann sich Bildzeitung auf diese Neuigkeiten setzt und wieder schlechte Presse verbreitet.

    — Der Cheff

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

ifun.de ist das dienstälteste europäische Onlineportal rund um Apples Lifestyle-Produkte.
Wir informieren täglich über Aktuelles und Interessantes aus der Welt rund um iPad, iPod, Mac und sonstige Dinge, die uns gefallen.
Insgesamt haben wir 14552 Artikel in den vergangenen 4757 Tagen veröffentlicht. Und es werden täglich mehr.


ifun - Love it or leave it   ·   Copyright © 2014 aketo GmbH - Alle Rechte vorbehalten   ·   Impressum   ·   Auf dieser Seite werben   ·   RSS