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Pages: Das Märchen vom vernetzten Arbeiten

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Wer auf der Suche nach fantastischen Geschichten für Kinder ist, der muss weder in den iBooks Store gehen noch „Momo und die schwarzen Männer“ gucken. Es reicht, sich das Märchen vom synchronisierten Arbeiten unter Pages zu Gemüte zu führen.

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Synchrones arbeiten! Von überall! Wo man will! Ganz einfach ist das, vermittelt mir Apple. Am Mac im Büro angefangen, im Biergarten mit dem iPad weitergetippt und im Bus noch schnell Korrektur gelesen. Alles möglich mit Pages und iCloud! Da arbeitet alles zusammen, Apple-Like halt. Nicht zuletzt da Pages eine der Hausanwendungen Apples ist. Doch gerade fortgeschrittene Anwender dürften beim Lesen der letzten Sätze die Stirn gerunzelt haben.

Tatsache ist, dass es eigentlich für die meisten Produktionen von Texten gar keine so gute Idee ist, Pages Mobil zu verwenden. Böse Zungen behaupten, für den produktiven Einsatz sei Pages unter iOS gänzlich ungeeignet, dass Fehlermeldungen und Unhandlichkeit den Workflow durchziehen würden.

Zwar gab es mal eine Zeit, da dachte ich bei der Ankündigung einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen iOS und Mac OS Apps, dass Apple das hinkriegt. Doch die Hoffnung wich der Ernüchterung. Die Idee, man könne ein Textdokument, welches auch nur ansatzweise von den üblichen Normen (wie beispielsweise einer anderen Schriftart) abweicht, auf mehreren Geräten synchron erstellen, bearbeiten und veröffentlichen, ist prinzipiell sehr fragwürdig. Deshalb kann Apple auch nur daran scheitern. Somit ist der Weg Cupertinos, genau das erreichen zu wollen, ebenso fragwürdig. Dabei gibt es Kernprobleme, die sich kurz- und mittelfristig nicht beheben lassen werden.

Schriften und fehlende Funktionen

Ein Muss eines modernen Textprogramms ist die Möglichkeit, eigene Schriften zu verwenden. Wer sich bei seinem iCloud Dokument unter iOS jedoch für eine von Apple nicht unterstützte Schrift entscheidet, dem fliegt erst einmal eine Fehlermeldung um die Ohren. Wir haben öfter erwähnt, dass wir uns zwar eine weitere Öffnung von iOS wünschen – dies könnte auch in Form von installierbaren Schriftarten geschehen. Generell hat es sich Apple aber bei Pages gemütlich gemacht: Als die Desktopversion von Pages 09 auf Pages 11 umgezogen ist, da hat man einfach ein paar Funktionen weggelassen. Mobil sind etwaige Funktionen selbstverständlich auch nicht vorhanden.

Von Natur aus schlechtes Handling in iOS

Es ist kein Geheimnis: Wer auf fortgeschrittenem Niveau arbeiten will, sollte dies mit Blick auf die Produktivität und dem Komfort nicht unter iOS tun. Das hat weniger etwas mit iOS zu tun, es liegt viel mehr an der Natur mobiler Betriebssysteme (Überraschung): sie sind für den mobilen Einsatz gedacht. Bild-, Video- oder Musikbearbeitung sind – außer für Hobbyprojekte – nur schwer am iPad und Co. durchzuführen. Und die Textverarbeitung macht hier keine Ausnahme. Wie schon erwähnt, ist die Funktionspalette bei Pages nicht gerade ein Augenschmaus für viele Anwender. Zwar kann man Diagramme bearbeiten, Textkasten verschieben, Spalten erstellen und Kreise einfügen. Doch nur mit viel Geduld, und noch mehr Fingerspitzengefühl. Logisch gesehen gibt es eigentlich keinen Grund, Diagramme in penibler Detailarbeit an der gewünschten Stelle zu platzieren, wenn man dasselbe mit deutlich weniger Mühen mit Trackpad oder Maus unter OS X bewerkstelligen kann.

Apples Märchen ist unproduktiv

Selbst wenn Apple es schafft, alle auf dem eigenen Mac installierten Schriftarten auch auf dem iDevice nutzbar zu machen, selbst wenn Apple es schafft, das Handling der iOS Version so komfortabel wie auf dem Mac zu gestalten, selbst dann stellt sich Frage: Wofür der ganze Aufwand, jeden Produktionsschritts eines Dokuments auf iOS zu ermöglichen? Schließlich bearbeitet niemand Dokumente ausschließlich mobil. So ziemlich jeder, der mobil an Pages arbeiten möchte, ist auch regelmäßig am Arbeitsplatz. Und wer dann doch sehr oft unterwegs ist, für den ist ein MacBook eh die bessere Gerätewahl.

Also könnte Apple hier halbwegs revolutionär sein und dem User klar sagen: Nicht jede Funktion macht auf jedem Gerät Sinn.

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Was ich mir wünsche, ist ein Pages, welches speziell auf das Betriebssystem angepasst ist – sei es iOS oder OS X. Das könnte dann so aussehen, dass die mobile Version von Pages auf die reine Texteingabe ausgelegt ist – mit wenigen Funktionen und wirklich schlankem Design. So stünde dem kreativem Gedankenstrom oder dem Wunsch nach Korrekturlesen unterwegs nichts mehr im Wege.

Die Desktop-Variante könnte hingegen mit vielen Funktionen – auch mit denen aus Pages 09 – gespickt sein, um so ein produktives Layouten, etc. am Mac zu ermöglichen.

Natürlich ist das keine leichte Aufgabe und ob Apple diesen Weg gehen wird, ist mehr als fraglich – besonders mit Blick auf die teilweise Spezialisierung Apples auf einer eher „bodenständigeren“ Zielgruppe. Stichwort: Aperture.

Mit Blick auf die reine Texterfassung kann ich euch übrigens iA Writer empfehlen. Sowohl die Mobile wie auch die Desktop-Variante sind einen Blick wert.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Pages unter iOS? Was haltet ihr von diesem Gedankenspiel eines neuartigen Pages?

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26. Jan 2015 um 20:24 Uhr von Daniel Fehler gefunden?


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