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Von kontroversen Themen ablenken

Neues Siri-Leak: Nutzerdaten, Neuheiten, kontroverse Themen

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Erneut hat sich ein Siri-Abhörer zu Wort gemeldet. Diesmal nicht im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel, sondern als Tippgeber des britischen Guardian.

Der Vertragsarbeiter, der neue Siri-Antworten in Apples System eingepflegt und bereits vorhandene Antworten je nach Bedarf korrigierte, schönte und neu formulierte, hat die Zeitung mit einem ganzen Stapel interne Dokumente versorgt, in denen Apple unter anderem festlegt, wie Siri mit kontroversen Themen umzugehen hat.

Ios11 Homepod Use Siri Hero

Ausweichen, neutral bleiben, an die Wiki verweisen

Ganz oben auf Apples Agenda steht dabei ein Neutralitätsgebot und eine einfache Faustregel: Gar nicht erst auf kontroverse beziehungsweise sensible Themen einlassen. Im Zweifelsfall ablenken und schließlich informieren.

Hier zitiert der Guardian unter anderem aus Apples „best practice“-Beispielen zum Thema Feminismus und #MeToo. Themen, die in den zurückliegenden Jahren Teil des öffentlichen Diskurses und damit wohl auch Bestandteil zahlreicher Siri-Konversationen waren.

Um auf Nummer sicher zu gehen, hat Apple Siris Antworten zu den Themenbereichen so umformulieren lassen, dass diese zwar stets von „Gleichheit“ sprach, das Wort Feminismus aber nie in den Mund nahm. Meinungen sollten nicht vertreten, Zugehörigkeiten nicht formuliert werden. Auf die Frage „Bist du eine Feministin“ reagiert Siri inzwischen mit einem wenig konkreten „Ich glaube, dass alle Stimmen gleich sind und den gleichen Respekt verdienen“.

Im Zusammenhang mit der #MeToo-Bewegung wurden „sensitive Neuformulierungen“ für Themen durchgeführt, die offenbar durch die Kritik an Siris ersten Reaktionen auf sexuelle Belästigung ausgelöst wurden. So reagierte Siri auf die Bezeichnung „Schlampe“ in ihren frühen Tagen noch mit einem: „Ich würde rot werden, wenn ich könnte“ bietet ihren Anwendern inzwischen jedoch das deutlich strengere „Ich werde darauf nicht antworten“ an.

Interne Unterlagen offenbaren Telefonnummern

Interessant ist: Die dem Guardian zugespielten Unterlagen zeigen offenbar auch Telefonnummern und vollständige Namen, die den automatisch erstellten Siri-Transkripten zugeordnet sind. Dies würde in direktem Widerspruch zu Apples öffentlicher Zusage stehen, die Daten stets voneinander getrennt aufzubewahren

Die interne Dokumentation wurde dem Guardian von einem Siri-Grader zugespielt, der über das, was er als ethische Fehler im Programm ansah, verärgert war. Neben den internen Dokumenten hat der Grader mehr als 50 Screenshots von Siri-Anfragen und deren automatisch erstellten Transkripten geteilt, einschließlich der in diesen Anfragen erwähnten persönlich identifizierbaren Informationen, wie Telefonnummern und vollständigen Namen.

Die durchgesickerten Dokumente verdeutlichen auch den Umfang des Bewertungsprogramms in den Wochen vor dessen Einstellung: In nur drei Monaten überprüften die Bewerter fast 7 Millionen Clips nur von iPads aus 10 verschiedenen Regionen. Von ihnen wurde erwartet, dass sie dieselbe Menge an Informationen von mindestens fünf anderen Audioquellen wie Autos, Bluetooth-Headsets und AppleTV-Fernbedienungen erneut abrufen.

Neue Siri-Funktionen in iOS 13

In den durchgesickerten Dokumenten lassen sich nach Angaben des Guardians auch Hinweise auf neue Siri-Funktionen in iOS 13 ausmachen. Auf der Apple Watch soll Siri die neue „Find My Friends“-App, den neuen watchOS App Store und die Song-Erkennung per Shazam unterstützen.

Auch an der gezielten Geräte-Wiedergabe mit Befehlen wie „Spiele xxx auf xxx“ wird momentan (bekanntlich) gearbeitet. Also, etwa: „Spiele Taylor Swift auf meinem HomePod“.

Für 2021 sollen „das führen von Siri-Dialogen über Gesundheitsprobleme“, eine integrierte Übersetzungsfunktion und die Unterstützung für neue, noch unveröffentlichte Geräte auf dem Fahrplan stehen.

Interessant: Der Codename der iOS-Version 2021 lautet „Yukon +1“. Da iOS 13 selbst den Codenamen „Yukon“, deutet dies erneut darauf hin, dass Apple auf einen zweijährige „release schedule“ setzt.

Freitag, 06. Sep 2019, 16:18 Uhr — Nicolas
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  • Heutzutage sind wohl alle Geheimnisträger wie Kinder: erzählen alles bei der nächsten Gelegenheit.
    Wer denkt, ohne menschliche Helfer werden solche Systeme automatisch besser, der glaubt wohl auch, dass Programme automatisch entstehen – einfach die mittlere Taste oder den Any Key drücken reicht nicht ganz.

    • Paul, willst Du uns tatsächlich weißmachen, daß zur Verbesserung von solchen Systemen die vorliegende Art und Weise einer Datenausspähung -noch dazu von intimsten Daten wie Telephonnummern- erforderlich ist, ja?

      In diesem Fall würde ich wetten, daß Du bei Apple unter Lohn und Brot stehst.

      Was hier (wieder) geschehen ist/geschieht, Paul, ist definitiv nicht in Ordnung.

      Paul, wer meint, alles sagen zu können, weil er nichts zu verbergen habe, wird sehr bald überhaupt nichts mehr zu sagen haben!

      • Wer sagt denn, dass es sich bei den Namen und Nummern tatsächlich um die zu den Mitschnitten gehörenden Daten handelt? Vielleicht wurden die Originaldaten mit zufällig generierten „überschrieben“. Steht in dem Artikel, ob das jemand nachgeprüft hat?

      • Naja, eine Telefonnummer gehört nun nicht gerade zu den „intimsten“ Daten. Da gehört die Adresse schon eher dazu. Die Telefonnummer will doch heute eh schon fast jeder haben, unter anderem um dein Konto zu schützen, Stichwort Zwei Faktor Authentifizierung.

      • Ja, Schimpf nur! Ich bin 73 und seit DOS 3.0 mit PC, seit System 6.02 mit Apple unterwegs. Da wurden immer Daten abgefragt und abgefischt aber niemand hat es gekümmert. Heute schreien alle laut deswegen, auch bei öffentlich zugänglichen Angaben sind alle hysterisch am Zwängen. Bald darf man niemand mehr nach dem Namen fragen ohne bestraft zu werden. Dafür findet man bald alles öffentlich zugänglich im Internet – von denselben zur Verfügung von Datenkraken gestellt.

      • Du hast anscheinend das Thema nicht richtig verstanden. Bei der menschlichen Analyse von Siri-Transkriptionen geht es nicht um Datenausspähung oder ähnliches. Im dem Artikel geht es um eine Policy, wie mit Inhalten umgehen werden soll.

    • Es ist aber die Vorstufe zu Orwell, wenn ein Konzern oder Statt der Allgemeinheit seine Werte vorschreibt (zensiert)

      • Apple schreibt ja nicht vor was Du denken oder sagen sollst, sondern was Siri (also Apple)
        zu politischen Themen sagen soll.

    • Also ist es in Ordnung? Komisch, würden andere das machen, würde das jetzt arg kritisiert werden.

  • Es war doch bekannt, dass Apple die Aufzeichnungen pseudonymisiert, aber die Adressbuchdaten und den Standort mit speichert. Steht doch irgendwo in den AGBs und technischen Dokumenten, die öffentlich zugänglich sind.
    Jetzt regen sich hier wieder alle künstlich auf.

    • Ja, weil keiner dutzende Seiten lange Nutzungsbedinungen mehr liest, geschweige denn verstehen kann (und daher einfach akzeptiert – doof ist aber meist so). Warum kann man nicht einfach sagen, dass man sowas wie mitlesen machen will und mit wenigen Sätzen und Beispielen erklären, was man wirklich macht? Weil dann keiner mehr zustimmen würde. Kaputte Welt.

  • Ich kann nur immer wieder sagen, alle wollen den perfekten Assistenten der alle Sprachen Dialekte usw. versteht.
    Aber keiner will dabei unterstützen das er selbst verstanden wird … irgendwoher muss doch der Input kommen außer von ein paar Ingenieuren

  • Wenn bei all dem die Spracherkennung von Siri endlich mal besser würde… wenn ich der blöden Google App was diktiere, ist das Ergebnis zu über 90 % korrekt… Bei Siri hab ich mich in der letzten Zeit häufig gefragt, ob mein Mikrofon defekt ist… ist das etwa nur bei mir so?

  • Bei aller Diskussion.

    Hier geht es wohl um etwas anderes, als die anonymisierte „Hat Siri richtig verstanden“ Sache.

  • Redet mit. Seid nett zueinander!

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