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Starkes Gerät mit klarer Hürde

Neues Lieblings-Tablet? Das Kindle Scribe Colorsoft im Test

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Mit dem Kindle Scribe Colorsoft liefert Amazon seit kurzem ein Gerät aus, das sich für uns als langjährige iPad-Nutzer überraschend anders anfühlt. Nicht etwa weil es mehr kann, sondern weil es sich bewusst auf weniger konzentriert. Und genau das funktioniert in vielen Situationen besser, als wir es erwartet hätten.

Kindle Scribe Blue

Das neue Kindle Scribe Colorsoft misst etwa 19 cm × 25 cm

Schon beim ersten Eindruck fällt auf, wie groß der Unterschied zum Vorgänger ist. Der breite Seitenrand ist verschwunden, das Gerät wirkt deutlich moderner und erinnert in seiner Form jetzt eher an ein 11-Zoll-iPad. Das vor vier Jahren noch vorherrschende Gefühl, einen Kompromiss in der Hand zu halten, stellt sich nicht mehr ein. Stattdessen bekommt man mit dem neuen Kindle Scribe Colorsoft jetzt ein dünnes, leichtes und stimmig gestaltetes Gerät.

Die leicht texturierte Glasoberfläche fühlt sich angenehm an, die Verarbeitung wirkt hochwertig und auch Details wie die Position des USB-C-Anschlusses (unten) oder des Ein- und Ausschalters (rechts, direkt über dem Stift) sind endlich logisch gelöst. Der Eingabestift haftet magnetisch dort, wo man ihn erwartet, und bleibt zuverlässig an Ort und Stelle.

Kindle Scribe Couch

Schlanker, leichter, ohne Seitenrand: Das Kindle Scribe Colorsoft wirkt nicht mehr „experimentell“

Im Alltag macht sich vor allem das reduzierte Gewicht von nur noch ~412 Gramm bemerkbar. Das Scribe lässt sich problemlos über längere Zeit halten, sogar über Kopf lesen ist möglich, was beim Vorgänger praktisch ausgeschlossen war. Auch das Rotieren des Geräts fühlt sich jetzt natürlicher an. Man hat nicht mehr das Gefühl, es falsch zu greifen.

Display: Papiernah beim Lesen, solide bei Farbe

Das Display ist einer der größten Fortschritte des Colorsoft. Gerade im Vergleich zu anderen Farb-E-Ink-Geräten fällt auf, dass Amazon den klassischen Schwarzweiß-Modus nicht geopfert hat. Texte werden scharf dargestellt, der Kontrast ist hoch und das Lesen fühlt sich tatsächlich papierähnlich an.

Das ist keine Floskel. Gerade bei längeren Texten oder Notizen entsteht ein sehr angenehmes Lesegefühl, das auch bei direkter Sonneneinstrahlung stabil bleibt. Wir mussten an den Standardeinstellungen praktisch nichts anpassen. Das Gerät liefert hier einfach ein gutes Ergebnis.

Kindle Tageszeitung 2500

Perfektes Zeitungsformat, zum Lesen muss man nicht zoomen

Bei der Farbdarstellung muss man, wie erwartet, Kompromisse eingehen. Die Farben sind nicht besonders satt, sondern eher zurückhaltend. Trotzdem reicht die Darstellung vollkommen aus, um Zeitungen, Comics oder einfache Grafiken sinnvoll zu nutzen. Wir sind sogar dazu übergegangen, Zeitungen als PDF zu laden und auf dem Gerät zu lesen.

Gerade bei solchen Inhalten spielt das Display seine Stärken aus. Helle Bilder werden gut dargestellt, dunklere Motive verlieren etwas an Kontrast. Insgesamt erinnert die Darstellung eher an gedrucktes Zeitungspapier als an ein Tablet-Display. Das passt gut zum Nutzungskonzept und stört im Alltag kaum.

Comic Anzeige

Auch für Graphic Novels und Comics sehr gut zu gebrauchen

Das Frontlicht arbeitet gleichmäßig, die automatische Anpassung funktioniert zuverlässig und der warme Farbton am Abend sorgt für ein angenehmes Lesen. Auch hier gilt: einstellen muss man kaum etwas, es passt einfach.

Schreiben: Einfach, direkt und nah an Papier

Beim Schreiben zeigt sich am deutlichsten, warum dieses Gerät funktioniert. Natürlich schreibt man nicht wirklich auf Papier, sondern auf Glas. Trotzdem kommt das Gefühl erstaunlich nah heran.

Die Oberfläche erzeugt ein leicht kratziges Geräusch, das stark an echtes Schreiben erinnert. Zusammen mit der direkten Reaktion des Displays entsteht eine Illusion, die sich näher am analogen Pendant anfühlt als etwa beim iPad. Es gibt keine spürbaren Verzögerungen, der Stift setzt unmittelbar um, was man macht.

Kreuzwortraetsel Kindle Scribe 2500

PDF übertragen und einfach schreiben, ohne Apps ohne Vorbereitungen

Besonders angenehm ist die Einfachheit des Stifts. Kein Aufladen, keine Kopplung, keine zusätzlichen Funktionen, die man erst verstehen muss. Eine Seite schreibt, die andere radiert, dazu kommt eine frei belegbare Taste. Mehr braucht es nicht.

Im Alltag hat sich das vor allem beim Arbeiten mit PDFs als großer Vorteil gezeigt. Dokumente lassen sich übertragen, direkt öffnen, bearbeiten und wieder speichern. Anmerkungen, Markierungen und Ergänzungen funktionieren problemlos. Selbst Dinge wie das Ausfüllen von Arbeitsblättern oder Kreuzworträtseln gehen ohne Umwege.

Gerade hier zeigt sich der Unterschied zum iPad. Dort findet man zwar immer irgendeine Lösung, aber meist über zusätzliche Anwendungen, Importprozesse oder umständliche Workflows. Beim Kindle schickt man das PDF einfach an die eigene Bibliothek, öffnet es und legt los.

Werkzeuge

Die Werkzeugleiste bietet 5 Stifte, 10 Farben und zusätzliche Tools

Die Vielzahl an Stiftwerkzeugen ist vorhanden, spielt im Alltag aber eher eine untergeordnete Rolle. Wir sind meist beim einfachen Stift geblieben und haben gelegentlich Marker genutzt. Die Möglichkeit, Farben zu wechseln, ist praktisch, etwa beim Lernen oder Strukturieren von Inhalten, wird (für uns) aber nicht zum zentralen Feature.

Das Zoomen funktioniert zuverlässig, auch wenn es technisch bedingt etwas ruckelt und in einzelnen Schritten aufgebaut wird. Für ein E-Ink-Display bleibt das aber völlig im Rahmen:

Zoomen auf dem Kindle Scribe: Für E-Ink-Verhältnisse sehr flüssig

Notizen und KI: Praktisch, aber nicht entscheidend

Die Notizfunktion funktioniert genau so, wie man es erwartet, geht in der Praxis aber noch ein Stück darüber hinaus. Notizbücher lassen sich schnell anlegen und anschließend sehr flexibel gestalten. Für jede Seite kann man aus unterschiedlichen Vorlagen wählen, etwa liniertes Papier, karierte Seiten, To-do-Listen, Tagesplaner oder auch speziellere Layouts wie Meeting-Notizen.

Notizbuchvorlagen

Für neue Seiten im Notizbuch kann aus einer von 30 Vorlagen gewählt werden

Das macht das Ganze im Alltag deutlich vielseitiger. Man kann sich beispielsweise ein Notizbuch für ein Projekt anlegen, vorne mit freien Notizen beginnen, dann auf eine To-do-Liste wechseln und später mit linierten Seiten weiterschreiben.

Dabei ist man nicht auf eine Vorlage pro Notizbuch festgelegt. Innerhalb eines einzigen Notizbuchs lassen sich beliebig viele Seiten anlegen, die jeweils auf unterschiedlichen Vorlagen basieren können.

Ki Funktion Verfeinern

Handschriftliche Notizen lassen sich per KI in leserliche Text aufbereiten

Neue Seiten lassen sich jederzeit hinzufügen, man blättert einfach weiter und arbeitet wie in einem klassischen Notizheft. Dieses flexible Kombinieren funktioniert ohne Umwege und wirkt sehr natürlich. Es entsteht tatsächlich das Gefühl, ein physisches Notizbuch zu nutzen, nur mit deutlich mehr Freiheit bei der Strukturierung.

Interessant sind die KI-Funktionen, die Handschrift glätten oder Notizen zusammenfassen. Die Umsetzung ist praktisch, weil sie direkt im System integriert ist. Man spart sich den Umweg über externe Anwendungen.

Stift Settings Funktion Verfeinern Scaled

Wenig zu konfigurieren: Der Eingabestift und die vorhandenen Cloud-Speicher

Gleichzeitig bleibt der Nutzen aber überschaubar. Die Qualität der Ergebnisse hängt stark vom eigenen Input ab und entspricht im Grunde dem, was man auch mit anderen KI-Werkzeugen erreichen würde. Es ist ein sinnvolles Zusatzfeature, aber kein ausschlaggebender Kaufgrund für das Gerät.

Cloud, Export und kleine Reibungspunkte

Weniger überzeugend ist die Organisation der eigenen Inhalte. Zwar lassen sich Dokumente problemlos importieren, die Verwaltung innerhalb der Amazon-Umgebung wirkt jedoch etwas unstrukturiert. Bücher, PDFs und Notizen liegen nebeneinander, eine feinere Sortierung, etwa durch sogenannte Sammlungen, ist nur eingeschränkt möglich.

Kindle App Mac

Die Kindle-App auf dem Mac: Zeigt Notizen an, kann aber nichts exportieren oder weiter bearbeiten

Auch beim Export (per E-Mail) gibt es Luft nach oben. Einzelne Seiten lassen sich nicht ohne Weiteres separat exportieren, stattdessen wird das komplette Dokument ausgegeben. Zudem erfolgt der Versand nicht direkt als Datei, sondern über einen Download-Link. Das funktioniert, wirkt aber unnötig umständlich.

Akkulaufzeit und Fokus im Alltag

Die Akkulaufzeit gehört zu den größten Stärken des Geräts. Selbst bei intensiver Nutzung über mehrere Wochen hinweg hält der Akku problemlos durch. Offizielle heißt es von Amazon: Bis zu 8 Wochen Lesezeit. Bis zu 2 Wochen Schreibzeit. Gerade im Vergleich zu anderen Tablets mit konventionellen Displays ist das ein spürbarer Vorteil.

Fokus Alltag

Ein hervorragendes Schulbuch, das sich beliebig oft ausfüllen lässt

Noch wichtiger ist aber der Fokus. Während das iPad mit Apps, Benachrichtigungen und Hintergrundprozessen ständig um Aufmerksamkeit buhlt, bleibt der Kindle ruhig. Lesen, schreiben, annotieren. Mehr geht gar nicht.

Genau diese Einschränkung sorgt für ein konzentriertes Arbeiten. Man wird nicht abgelenkt, muss nichts konfigurieren und kann sich auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren.

Preis: Starkes Gerät mit klarer Hürde

Über die vergangenen Wochen hinweg hat sich der Kindle Scribe Colorsoft für uns zu einem echten Lieblingsgerät entwickelt. Er war fast täglich im Einsatz, sei es für die morgendliche Zeitung, für Hausaufgaben aus der Sprachschule oder auch einfach für ein schnelles Kreuzworträtsel zwischendurch. Gerade diese Mischung aus Lesen und direktem Bearbeiten von Inhalten hat sich im Alltag als überraschend wertvoll erwiesen.

Auch die Notizfunktion hat sich dabei vom netten Zusatz zu einem festen Tagesbestandteil entwickelt. Sie ist keine Spielerei, sondern etwas, das man tatsächlich regelmäßig nutzt, weil es sich so unkompliziert in den Alltag integriert. Genau hier zeigt sich die Stärke des Geräts, das bewusst auf Ablenkung verzichtet und stattdessen die wenigen vorhandenen Funktionen sauber umsetzt.

Gleichzeitig bleibt der Preis eine klare Hürde. Mit seinem Listenpreis von 649 Euro ist das Gerät kein, das man mal nebenbei bestellt. Dazu kommen kleinere Schwächen bei der Organisation von Inhalten und beim Export, die im Alltag immer wieder auffallen. Bevor man hier eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen kann, sollte Amazon an diesen Punkten noch nachbessern.

Unterm Strich bleibt jedoch der Eindruck eines sehr durchdachten Geräts, das sich bewusst auf das Wesentliche konzentriert und genau darin seine Stärke findet. Aus dem 2022 vorgestellten Experiment ist eine erwachsene Produktkategorie geworden, deren Angebotspreis beim nächsten Prime Day im Auge behalten werden sollte.

Produkthinweis
Amazon Kindle Scribe Colorsoft 64 GB (neueste Generation) – 11-Zoll-Farbdisplay mit Frontlicht – Dünn, leicht... 699,99 EUR

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24. Apr. 2026 um 19:36 Uhr von Nicolas Fehler gefunden?


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  • Wie ist es im Web z.b. um den Spiegel zu lesen?

  • interessant, aber zu teuer
    da muss Amazon noch nachgeben

  • Kein Android, kein Kindle Scribe. Schaut Euch lieber die verschiedenen Geräte von Boox an – da gibt’s Überzeugendes für den Preis.

  • Dachte hätte das ideale Gerät für die Arbeit gefunden. Auf dem Hinweg / Rückweg Zeitung/Buch lesen und auf der Arbeit die Notizfunktion nutzen, aber der Preis ist dann doch zu viel des Guten.
    Da kann ich auch ein iPad Air kaufen

    • Du willst aber kein iPad Air dann. Darum geht es hier ja.

      Einfach Text, ewiger Akku, ganz andere Bildschirmbeleuchtung, ganz anderes Bildschirmglas. Und tolles Schreibgefühl.

      Keine Apps, Spiele, Mitteilungen, sonst was.

    • Wenn Dir ein iPad reicht, dann kannst Du Dir auch ein billigeres Tablet für Deinen UseCase holen.

    • Nun, falls du nur so Notizen machen willst, dann ja, aber bitte nicht in einer Besprechung. Das Stiftgeklacker wäre dann zu viel des Guten oder du musst eine entsprechende Folie aufbringen und die dämpfen die Geräusche nur mittelmäßig.

  • Ich habe vom Scribe die erste Generation. Vielleicht täuscht der Eindruck, aber mir scheint die Software langsamer zu sein als früher z.B. beim Öffnen von Menüs. Geht’s nur mir so?

  • Der Text klingt an vielen Stellen leider sehr nach KI erzeugten Inhalten. Finde ihn auch unnötig ausführlich.

  • Klingt interessant. Auch zum Noten lesen. Das Gewicht ist auch ein Pluspunkt. Der Preis ist einen Tik zu hoch für meinen Geschmack. Aber zum notieren, als „Notenmappe“, arbeiteten eine gute Alternative.

  • Bei allen E-Ink Geräten gleich:
    Für Notizen und PDF super.
    ToDo’s und Kalender machen keinen Sinn da meistens keine Sync Möglichkeit mit iOS.
    Ich hätte gerne ein E-Ink Phone von Apple

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