Streit um KI-Training und Rechteabtretung
Netflix: KI-Klauseln sorgen für Widerstand bei Synchronsprechern
Die Diskussion um den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Synchronisation erreicht eine neue Stufe. Nachdem sich zuletzt einzelne Sprecher öffentlich gegen KI-Stimmen ausgesprochen hatten, meldet sich nun auch der Branchenverband VDS mit deutlicher Kritik an aktuellen Vertragsregelungen von Netflix zu Wort.

Im Zentrum steht die Frage, unter welchen Bedingungen Sprachaufnahmen künftig für KI-Zwecke genutzt werden dürfen und welche Rechte den Beteiligten dabei zustehen.
Streit um KI-Training und Rechteabtretung
Nach Darstellung des Verbands enthalten neue Netflix-Verträge eine Klausel, die es dem Streaminganbieter erlaubt, Sprachaufnahmen für das Training von KI-Systemen zu verwenden. Eine gesonderte Vergütung für diese Nutzung ist demnach nicht vorgesehen.
Sprecher müssten ihre Zustimmung erteilen, um weiterhin an aktuellen Produktionen mitwirken zu können. Der Verband sieht darin einen Eingriff in grundlegende Rechte der Kunstschaffenden.
Die deutsche Synchronisation bzw. generell Synchronisation darf niemals von KI Stimmen übernommen werden. Wir haben hier in Deutschland mit die besten Synchronsprecher der Welt. Keine KI kann Emotionen genauso auslösen, wie echte Menschen. Guck euch die Datteltäter Disney Videos… pic.twitter.com/CAVmwpW1iO
— julian98 (@brunjuli1998) March 22, 2025
Sprachaufnahmen seien eng mit der Person verbunden und könnten nicht mit klassischen Verwertungsrechten gleichgesetzt werden. Eine Nutzung als Trainingsmaterial ermögliche zudem die Erstellung künstlicher Stimmen und digitaler Nachbildungen, die langfristige Auswirkungen auf den Beruf haben könnten.
Der VDS verweist in diesem Zusammenhang auf frühere Fälle, in denen KI-Synchronisation auf Kritik gestoßen war. Zuletzt hatte eine automatisiert erstellte deutsche Tonspur bei Prime Video für Beschwerden gesorgt und wurde nach kurzer Zeit wieder zurückgezogen. Auch deshalb fordert der Verband klare und rechtssichere Regeln, bevor KI-Verfahren flächendeckend eingesetzt werden.
Bei Prime musste man erste KI-Tonspuren wieder zurückziehen
Verband hat Gutachten beauftrag
Trotz der Kritik betont der Verband die langjährige Zusammenarbeit mit Netflix und spricht von einem grundsätzlich partnerschaftlichen Verhältnis. Um eine tragfähige Lösung zu erreichen, hat der VDS ein unabhängiges juristisches Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses soll die neuen Vertragsklauseln unter anderem im Hinblick auf Datenschutz, Urheberrecht und die europäische KI-Verordnung prüfen.
Auf dieser Grundlage will der Verband in Verhandlungen eintreten und eine Regelung erarbeiten, die sowohl den rechtlichen Anforderungen als auch den Interessen der Sprecher gerecht wird.

Ich denke, so schade es ist, aber der Trend KI wird sich auch hier nicht mehr aufhalten lassen. Ist nur noch eine Frage der Zeit.
Da reden wir aber noch von vielen Jahren. Bei korrekter Betonung, Emotionen etc. ist die aktuell (uns bekannte) KI noch deutlich weiter weg, als man vermuten mag.
Wenn ich mir die Synchronisationen mancher Filme/Serien anhöre, würde es keinen Unterschied machen, wenn es KI wäre. Wär vllt sogar besser.
In der Tat lol
@hansi
Sorry, aber das ist Unsinn. Sie haben in Deutschland einer, wenn nicht sogar, die beste Synchronisation der Welt.
Von billigen Produktionen wie z.b. leider auch Kimderserien mal abgesehen.
Wenn jeder in der Klasse 4er, 5er und 6er schreibt, bist du mit ner 3 der beste.
Klar und bald sind wir Arbeitslos
Natürlich. Absolut selbstverständlich und nicht aufzuhalten. Warum auch? Dann muss man eben umschulen, betrifft es einen. Das Leben geht weiter. Wer aktuell noch eine Ausbildung zum Bürokaufmann macht, zum Beispiel, hat auch schon verloren. Die haben wie lange noch? Realistisch gesehen zwei bis fünf Jahre. Einfache Maschinenbediener, meist ungelernte, noch 7 Jahre vielleicht – KI und Robotik wird sie komplett ersetzen. So ist das eben.
KI ist in vielen Bereichen sehr gut und nützlich, aber Kunst sollte einzig und allein von Kunstschaffenden kommen. So etwas lässt sich nicht ersetzen.
Und der Trend geht hier ja auch klar wieder weg von KI. Firmen die in Werbespots KI einsetzen, z.b. Coca Cola, bekommen Shitstorms. Unter KI Bilder und Videos auf Social Media sind auch nur noch negative Reaktionen aufgrund des KI Einsatzes zu lesen.
So sehe ich das auch. Die einzige Möglichkeit bleibt, solche Firmen zu boykottieren und nicht anzuschauen. Ob die Mehrheit aber soweit denken wird, bleibt noch offen.
das ist ja echt frech, was Netflix da macht!
Andererseits fehlen denen dann wohl bald die Sync-Sprecher, wenn Sie die Klausel beibehalten und niemand mehr Verträge mit denen abschließt.
Sehr schön, dass ihr dieses Thema hier aufgreift.
Ich bitte jeden, der hierfür momentan kein Verständnis hat, sich einmal vorzustellen, wie es wäre, wenn eine gesamte Branche innerhalb kürzester Zeit ihre Existenzgrundlage verlieren würde. Besonders bedenklich finde ich, dass ausgerechnet bei den Dingen, die unsere Seelen und unseren Geist bereichern sollen – wie etwa Kunst im weitesten Sinne – KI eingesetzt wird, um dieses Erlebnis durch schlechtere Qualität zu schmälern.
Als betroffene Synchronschauspielerin kann ich nur appellieren, dass auch die breite Bevölkerung ein Bewusstsein für diese Problematik entwickelt und erwägt, solange das Thema nicht geklärt ist, vorübergehend auf ein Streaming-Abo zu verzichten. Aktuell betrifft es Netflix, aber die gegenwärtigen Verträge dienen natürlich als Vorlage für alle anderen Streamingdienste.
Wer von uns Synchronschauspieler:innen den aktuellen Vertrag unterschreibt, unterzeichnet quasi mittelfristig die eigene Kündigung.
Und bitte kommt jetzt nicht mit dem Vergleich von Pferdekutschen und der Erfindung des Automobils.
Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Spontane, interpretatorische Kreativität, die im Moment entsteht, kann eine KI einfach nicht leisten. Sie wird immer nur auf Erfahrungswerte und Standards zurückgreifen können. Beim Umstieg von Pferdekutschen auf Automobile spielte dieser Aspekt keine Rolle – hier standen rein funktionale und praktische Verbesserungen für das Wohl der Menschen im Vordergrund.
Bei durch KI geschaffener Kunst mag zwar der praktische Aspekt vergleichbar sein, doch eine Verbesserung des kreativen Erlebnisses – auch auf Seiten der Konsument:innen – ist es mit Sicherheit nicht.
Der entscheidende Unterschied liegt vor allem in der Geschwindigkeit, mit der diese KI-Welle uns Künstler:innen überrollt.
Und zu guter Letzt geschieht dies ohne jeglichen finanziellen Vorteil für diejenigen, von denen die KI ihre Funktionalität ableitet. Man versucht gerade, den Diebstahl geistigen Eigentums zu legitimieren, ohne auch nur einen Cent dafür bezahlen zu wollen.
Es geht genau nur um eins: die Sprecher:innen sollen kostenlos ihr Potenzial zur Verfügung stellen, um die KI zu schulen. Es geht wie immer und überall nur ums Geld. Da bleibt sowohl die Kunst als auch die Menschlichkeit und die Moral immer auf der Strecke. Wir stecken schon mittendrin und merken gar nicht, dass wir alle z.B. via Social Media zur „Fütterung“ von KI beitragen..
Nun, ich würde begrüßen, wenn die KI von verstorbenen Synchronsprechern trainiert wird. Solange wie das Original noch schauspielert, gerne die bekannte Synchronstimme dazu. Der gute alte Stallone mit einer völlig anderen Synchronstimme in Tulsa King ist schon anfänglich Gewöhnungsbedürftig.