Ein E-Bike mit anderen Prioritäten
Touroll S3 Pro ausgefahren: Falt-E-Bike mit 200-Kilometer-Akku
Nach den zuletzt veröffentlichten E-Bike-Tests von Tenways und Lankeleisi aus dem Preisbereich um die 2.000 Euro wirkt das Touroll S3 Pro fast wie ein Gegenentwurf. Das komplette Falt-E-Bike kostet mit 899 Euro weniger als manche Ersatzakkus etablierter Markenhersteller.
Touroll S3 Pro: Kompaktes E-Bike für Stadt und Campingplatz
Entsprechend wurde bei Ausstattung und Komponenten an vielen Stellen pragmatisch kalkuliert. Überraschend ist jedoch, wo Touroll den Schwerpunkt setzt: Der 1.296-Wh-Akku gehört zu den größten Energiespeichern, die derzeit in einem Falt-E-Bike dieser Preisklasse zu finden sind. Damit wird die Reichweite zum eigentlichen Verkaufsargument des S3 Pro.
Der Akku spielt in einer anderen Liga
Herzstück des Touroll S3 Pro ist entsprechend auch der 48-Volt-Akku mit einer Kapazität von 27 Ah beziehungsweise 1.296 Wh. Zum Vergleich: Der Akku im regulären Touroll S3, das bereits für 689 Euro angeboten wird, besitzt eine Kapazität von gerade mal 468 Wh.
Der Hersteller nennt eine maximale Reichweite von bis zu 195 Kilometern im Unterstützungsmodus. Dieser Wert wird unter idealen Bedingungen ermittelt und dürfte im Alltag nur schwer erreichbar sein.
Massiv: Der 1.296-Wh-Akku benötigt für eine volle Ladung 9 Stunden
Im praktischen Einsatz wirkt eine Reichweite von deutlich über 100 Kilometern jedoch realistisch. Das tatsächliche Ergebnis hängt wie üblich von Faktoren wie Fahrergewicht, Unterstützungsstufe, Streckenprofil, Reifendruck und Wetterbedingungen ab. Selbst mit diesen Einschränkungen bleibt die Akkukapazität jedoch ein klarer Vorteil. Wer regelmäßig längere Strecken fährt oder das Rad mehrere Tage ohne Nachladen nutzen möchte, profitiert davon spürbar.
Der Heckmotor arbeitet mit einer Spitzenleistung von bis zu 750 Watt und liefert ein Drehmoment von 50 Nm. Unterstützt wird bis zur gesetzlich zulässigen Geschwindigkeit von 25 km/h. Die Motorabstimmung fällt angenehm zurückhaltend aus. Die Unterstützung setzt nicht abrupt ein, sondern baut sich gleichmäßig auf. Das sorgt für ein natürliches Fahrgefühl, auch wenn wir uns beim Anfahren eine etwas direktere Reaktion wünschen würden.
Fünf Stufen, fünf Geschwindigkeiten
Gleichzeitig zeigt sich, dass das S3 Pro nicht auf eine besonders feinfühlige Leistungsregelung ausgelegt ist. Während hochwertige E-Bikes die Motorunterstützung kontinuierlich an Pedaldruck und Fahrsituation anpassen, arbeitet das Touroll deutlich einfacher. Zur Verfügung stehen fünf Unterstützungsstufen mit fest definierten Zielgeschwindigkeiten von 13, 16, 19, 22 und 25 km/h. Sobald die Pedale bewegt werden, beschleunigt der Motor bis zur jeweiligen Höchstgeschwindigkeit der gewählten Stufe. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, wie viel Kraft tatsächlich auf die Pedale gebracht wird.
Drei Tasten, fünf Unterstützungsstufen, Beleuchtung und Schiebehilfe
Selbst bei sehr langsamen und zurückhaltenden Pedalbewegungen schiebt das System das Fahrrad zügig auf die vorgegebene Geschwindigkeit. Das ermöglicht entspanntes Fahren mit geringem Kraftaufwand, wirkt aber weniger natürlich als bei aufwendigeren Mittelmotor-Systemen. Zudem ist es schwieriger, dauerhaft langsamer zu fahren als die für die jeweilige Unterstützungsstufe vorgesehene Geschwindigkeit.
Wer die Trittbewegung beendet, verliert die Unterstützung vollständig. Wer weitertritt, wird wieder auf das Tempo der gewählten Stufe beschleunigt. An diese Charakteristik gewöhnt man sich zwar schnell, sie unterscheidet sich jedoch deutlich von den feinfühligeren Antriebssystemen vieler teurerer E-Bikes.
Schön anzusehen: Schmale Silhouette trotz recht breiter Reifen
Im Stadtverkehr, auf Radwegen und auf moderaten Anstiegen reicht die Motorleistung problemlos aus. Auch Waldwege und leicht unbefestigte Strecken stellen das System nicht vor größere Herausforderungen. Für sportliche Ambitionen oder besonders steile Anstiege ist das S3 Pro allerdings nicht konzipiert.
Mehr Kilometer statt mehr Ausstattung
Das Touroll S3 Pro setzt auf einen tiefen Durchstieg und 20 Zoll große Reifen mit einer Breite von drei Zoll. Die voluminösen aber nicht zu dicken Reifen erhöhen die Aufstandsfläche und tragen zu einem sicheren Fahrverhalten bei. Im Test vermittelte das Rad einen stabilen Eindruck. Selbst auf unebenen Wegen blieb die Fahrweise kontrollierbar und ruhig.
Drei Handgriffe: Falten lässt sich das Rad binnen weniger Sekunde
Zur Ausstattung gehören eine Federgabel mit 60 Millimetern Federweg sowie ergonomische Griffe und ein komfortabel gepolsterter Sattel. Die Vorderradfederung erfüllt ihren Zweck bei kleineren Unebenheiten, bietet aber keine Einstellmöglichkeiten und erreicht nicht das Niveau hochwertiger Systeme. Da am Hinterrad keine Federung vorhanden ist, werden stärkere Schläge direkt an den Fahrer weitergegeben.
Positiv fiel die 7-Gang-Schaltung von Shimano auf. Die Gänge ließen sich sauber und präzise wechseln. Der vergleichsweise große Kettenkranz verhindert zudem, dass bei höheren Geschwindigkeiten ein unangenehm hoher Pedalrhythmus entsteht. Dadurch bleibt das Fahrgefühl auch nahe der Unterstützungsgrenze von 25 km/h angenehm.
Touroll S3 Pro: Die wichtigsten Eckdaten
- Preis: 899 Euro
- Motor: Heckmotor, bis zu 750 Watt Spitzenleistung
- Drehmoment: 50 Nm
- Akku: 48 V, 27 Ah, 1.296 Wh
- Reichweite: bis zu 195 km laut Hersteller
- Ladezeit: rund 9 Stunden
- Unterstützung: 5 Stufen bis 25 km/h
- Schaltung: Shimano, 7 Gänge
- Bremsen: mechanische Scheibenbremsen, 180 mm
- Reifen: 20 x 3,0 Zoll
- Gewicht: ca. 31,5 kg
- Zuladung: bis 120 kg
- Faltmaß: 900 × 530 × 710 mm
Beim Bremsen setzt Touroll auf mechanische Scheibenbremsen mit 180-Millimeter-Scheiben vorne und hinten. Hydraulische Systeme wären in dieser Klasse zwar komfortabler und wartungsärmer, die vorhandenen Bremsen liefern bei korrekter Einstellung jedoch ausreichend Verzögerung.
Falten ja, tragen eher nicht
Die Alltagsausstattung fällt umfangreich aus. Schutzbleche aus Metall, Beleuchtung nach StVZO-Vorgaben, Gepäckträger, Seitenständer sowie ein LCD-Display gehören zur Serienausstattung. Das Display informiert über Geschwindigkeit, Akkustand, Beleuchtungsstatus, Unterstützungsstufe und weitere Fahrdaten. Eine App-Anbindung oder andere Konnektivitätsfunktionen bietet das Fahrrad allerdings nicht.
Bis zu 25 km/h schnell: Auch in der 5. Unterstützungsstufe noch gesetzeskonform
Der Faltmechanismus gehört zu den gelungenen Eigenschaften des Modells. Das Zusammenklappen gelingt unkompliziert und innerhalb weniger Handgriffe. Für den Transport im Wohnmobil, im Kofferraum oder zur platzsparenden Lagerung ist das ein klarer Vorteil. Gleichzeitig relativiert das hohe Gewicht diesen Nutzen etwas. Mit rund 31,5 Kilogramm zählt das S3 Pro nicht zu den leichten Vertretern seiner Klasse. Kurze Tragewege sind möglich, längeres Tragen wird jedoch schnell anstrengend.
Der Rahmen besteht aus Stahl und ist für Fahrergrößen zwischen 160 und 195 Zentimetern ausgelegt. Die maximale Zuladung liegt bei 120 Kilogramm. Der Akku lässt sich zum Laden oder zur Diebstahlsicherung unkompliziert entnehmen. Für eine vollständige Ladung veranschlagt der Hersteller rund neun Stunden.
Sehr puristisch: Die gerade Lenkerstange gefällt uns
Touroll positioniert das S3 Pro als erschwingliches Falt-E-Bike mit hoher Reichweite. Im Alltag bestätigt sich dieser Ansatz weitgehend. Das Modell verzichtet auf technische Extras, hochwertige Fahrwerkskomponenten oder digitale Zusatzfunktionen. Stattdessen konzentriert es sich auf solide Basistechnik, eine umfangreiche Ausstattung und einen Akku, der längere Touren ohne ständiges Nachladen ermöglicht.
Für Pendler, Camper und Freizeitfahrer steht damit weniger die sportliche Dynamik als vielmehr die Kombination aus Reichweite, Komfort und Anschaffungspreis im Vordergrund.





Wie sieht es denn aus wenn da eine 1,84m große Person drauf sitzt? Das Produktbild mit dem alten Herren schaut mal wieder nach Photoshop aus.