E-Bike zwischen Fatbike und Faltrad
Lankeleisi GOLF-X im Test: Viel Kraft und ein ungewohntes Fahrgefühl
Mit dem LANKELEISI GOLF-X bietet der in Hong Kong ansässige E-Bike-Hersteller Lankeleisi ein faltbares Elektrofahrrad mit Tiefeinsteiger-Rahmen an, das sich klar als City E-Bike an städtische Nutzer richtet. Auffällig sind die breiten Reifen, die umfangreiche Ausstattung und die hohe Tragfähigkeit.
Das GOLF-X: Ein E-Bike zwischen Fatbike und Faltrad
Wir mussten feststellen, dass uns das GOLF-X weniger an klassische Fahrräder mit Elektromotor erinnert und stattdessen ein eigenständiges Fahrgefühl mitbringt, auf das man sich erst mal einlassen muss, mit Vorzügen und Kompromissen.
Wir starten mit den Highlights: Bereits beim ersten Aufsteigen fällt die komfortable Sitzposition auf. Der breite, gut gefederte Sattel arbeitet spürbar mit und gleicht Unebenheiten effektiv aus. Zusammen mit der Federgabel und der gefederten Sattelstütze entsteht ein sehr ruhiges Fahrbild. Gerade auf Kopfsteinpflaster oder schlechten Radwegen bleiben die überdimensionierten Räder sehr stabil und komfortabel. Auf glatten Strecken wirkt das Fahrgefühl fast entkoppelt vom Untergrund.
Gepäckträger mit Fußablagen: Das GOLF-X transportiert bis zu 200 kg Nutzlast
Die breiten 20-Zoll-Reifen tragen ihren Teil dazu bei. Sie sorgen für hohe Spurtreue und vermitteln viel Sicherheit, auch mit einem Mitfahrer auf der Rückbank und in Kurven. Gleichzeitig entsteht dadurch ein trägeres Fahrverhalten, das weniger verspielt wirkt als bei leichteren City-Bikes.
Motor, Beschleunigung und Fahrcharakter
Der Motor des GOLF-X liefert in der EU-Konfiguration 250 Watt Leistung und ein Drehmoment von bis zu 85 Nm. Diese Werte machen sich im Alltag deutlich bemerkbar. Schon bei leichtem Pedaldruck setzt die Unterstützung kräftig ein. Besonders im Stadtverkehr mit häufigem Anfahren spielt das System hier seine Stärke aus. Ampelstarts machen Spaß, gelingen schnell und ohne Kraftaufwand.
Reifen mit seitlichem Diamant-Profil bügeln Unebenheiten problemlos aus
Der Charakter der Unterstützung fällt dabei sehr direkt aus. Das Rad reagiert spürbar auf Pedaldruck und beschleunigt zügig. Gerade in den höheren Unterstützungsstufen wird das Treten fast zur Nebensache. In der höchsten Stufe reduziert sich der eigene Krafteinsatz deutlich, was sich vor allem bei Gegenwind oder längeren Strecken positiv bemerkbar macht.
Gleichzeitig verändert diese starke Unterstützung das Fahrgefühl grundlegend. Das GOLF-X vermittelt weniger den Eindruck eines Fahrrads, sondern eher den eines motorisierten Fahrzeugs. Die Kombination aus (sehr) hohem Gewicht, direkter Beschleunigung und kräftigem Motor sorgt dafür, dass sich das Fahren eher nach Mofa als nach klassischem Rad anfühlt.
Korb und Hochkant-Display sind Teil des Lieferumfangs
Im Alltag fällt zudem auf, dass der Motor bei sehr langsamer Fahrt in der ersten Unterstützungsstufe minimal nachläuft, wenn abrupt aufgehört wird zu treten. Das tritt nicht dauerhaft auf, wirkt aber ungewohnt und fällt auf.
Gewicht, Handling und Faltmechanismus
Mit rund 37,5 Kilogramm gehört das GOLF-X zu den schweren Modellen. Das macht sich sofort bemerkbar, wenn man ohne Unterstützung fährt. In diesem Zustand erfordert das Rad deutlich mehr Kraft als leichtere E-Bikes.
Das GOLF-X lässt sich falten, der Lenker einklappen. Das Gewicht ändert sich nicht.
Das Gewicht beeinflusst auch den Faltmechanismus. Zwar lässt sich der Rahmen zusammenklappen und der Lenker einklappen, in der Praxis ist das jedoch kein Vorgang, den man regelmäßig und alleine erledigen möchte. Im Hochdach-Kombi findet das Rad so zwar problemlos im Kofferraum Platz, ohne dass Sitze geklappt werden müssten, nicht ganz so kräftigen Personen dürfte es jedoch schwer fallen, den Drahtesel auf Knie- und damit Kofferraumhöhe zu wuchten.
Vor allem im Alltagseinsatz zeigt sich, dass das Klapprad E-Bike eher als gelegentliche Option gedacht ist und weniger als echte Mobilitätslösung für den schnellen Transport oder gar die Berliner S-Bahn, in der geklappte Falträder kostenlos als Gepäckstück mitfahren.
Zwei Sicherheitshebel schützen den Klappmechanismus
Während der Fahrt relativiert sich das hohe Gewicht jedoch. Durch die stabile Bauweise liegt das Rad ruhig auf der Straße. Es entsteht ein sehr sicheres Fahrgefühl, das gerade Einsteigern entgegenkommen dürfte.
Viel dabei, nicht alles stimmig
Die Ausstattung ist umfangreich. Beleuchtung, Blinker, Bremslicht, Gepäckträger und Frontkorb sind bereits integriert. Die Blinker lassen sich direkt über die Bedieneinheit steuern und sind im Stadtverkehr gut erreichbar.
Ohne Akku ist der Rahmen offen gegenüber der Witterung
Der Gepäckträger ist stabil ausgeführt und erlaubt den Transport zusätzlicher Last. Auch ein Mitfahrer kann grundsätzlich mitgenommen werden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Fußstützen relativ hoch positioniert sind und sich eher für kleinere Personen oder Kinder eignen.
Positiv fällt die Bremsanlage auf. Die hydraulischen Scheibenbremsen mit Vierkolben greifen kräftig zu und verzögern das Rad zuverlässig. Gerade in Kombination mit dem hohen Gewicht und der Motorleistung ist das ein wichtiger Punkt.
Die Bedienelemente des Cockpits wirken leider recht günstig und passen nicht zum Rad
Weniger überzeugend ist das Cockpit. Das Display ist gut ablesbar und liefert die wichtigsten Informationen, die Bedieneinheit wirkt jedoch einfach verarbeitet und passt optisch nicht ganz zum ansonsten robusten Eindruck des Rads. Auch die Rahmengestaltung mit Aufklebern und Dekorelementen dürfte nicht jeden Geschmack treffen.
Ein optionaler Gashebel gehört ebenfalls zum Lieferumfang. Mit diesem verändert sich das Fahrverhalten deutlich, zudem sind deutlich höhere Geschwindigkeiten möglich. Grundsätzlich gilt: Für den Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr ist die Standardkonfiguration des Rads vorgesehen.
Der „Rücksitz“ ist erstaunlich solide und bietet Platz für spontane Mitfahrer
Im dichten Verkehr spielt das GOLF-X seine Stärken aus. Die Kombination aus schneller Beschleunigung, stabiler Straßenlage und komfortabler Federung sorgt für ein entspanntes Vorankommen. Unebenheiten, Bordsteinkanten und kurze Schotterpassagen lassen sich problemlos bewältigen.
Auch die Sitzposition nahe am Lenker unterstützt die Kontrolle über das Rad. Trotz des hohen Gewichts wirkt das GOLF-X in Bewegung überraschend handlich. Besonders auf kurzen Strecken und bei häufigem Anhalten zeigt sich der praktische Nutzen des Konzepts.
Blinker und Bremslichter sind im Rahmen integriert
Reichweite und Nutzung im Alltag
Der verbaute Akku mit 48 Volt und 20 Ah verspricht eine hohe Reichweite. Herstellerangaben von bis zu 150 Kilometern sind unter optimalen Bedingungen erreichbar, im Alltag hängt die tatsächliche Strecke jedoch stark von Unterstützungsstufe, Gewicht, Zuladung und Streckenprofil ab. Persönlich laden wir unsere Räder ohnehin immer, wenn nur noch 2 Balken Akku verfügbar sind, um es gar nicht erst auf ungewollte Zwischenstopps ankommen zu lassen.
Mitgedacht: Laden lässt sich der Akku auch im Rahmen
Für den Einsatz in der Stadt reicht die Kapazität in jedem Fall aus, auch bei intensiver Nutzung über mehrere Tage hinweg. Der Akku lässt sich entnehmen und sowohl am Rad als auch separat laden, was im Alltag zusätzlichen Komfort bietet. Ohne Akku ist der Rahmen aber so offen, dass man den Ladevorgang bevorzugt bei gutem Wetter durchführen oder sich um einen Unterstand für das Rad kümmern sollte.
Gashebel und Geschwindigkeitsbegrenzung
Zum Zeitpunkt unseres eigentlichen Fahrtests hatten wir den mitgelieferten Gashebel noch nicht montiert. Inzwischen haben wir das nachgeholt und konnten das System auch in dieser Konfiguration ausprobieren. Die zusätzliche Konfiguration ist allerdings eher für den Einsatz auf Privatgelände gedacht.
Der Gashebel wird als Extra mitgeliefert…
Mit montiertem Gashebel verändert sich der Charakter des Rads deutlich. Das GOLF-X lässt sich dadurch auch ohne dauerhaftes Treten bewegen und erinnert noch stärker an ein kleines Elektromoped.
Auf Privatgelände macht das System durchaus Spaß. Dort lässt sich das Rad beinahe wie ein kompakter E-Scooter oder ein kleines Moped bewegen. Gerade beim Rangieren oder auf kurzen Strecken kann das angenehm bequem sein.
…und lässt sich mit nur einer Schraube arretieren
Interessant ist außerdem ein Blick in das versteckte Einstellungsmenü. Hält man den M-Knopf länger gedrückt, öffnet sich ein Konfigurationsbereich, in dem sich verschiedene Parameter verändern lassen. Dort kann man unter anderem zwischen Kilometer- und Meilenanzeige wechseln oder weitere Systemeinstellungen anpassen. Auch die maximale Unterstützungsgrenze lässt sich hier verändern.
Ab Werk ist das GOLF-X auf die in Deutschland zulässigen 25 km/h limitiert. Je nach Konfiguration lässt sich die Unterstützung allerdings deutlich anheben. Im Test waren dabei Geschwindigkeiten von fast 50 km/h möglich. Das Fahrgefühl wirkt dadurch deutlich direkter und motorisierter.
Über das Menü lässt sich die maximale Unterstützungsgrenze verändern
Ein Rad, das auffällt und Gespräche auslöst
Überrascht hat uns im Alltag vor allem die Reaktion anderer Menschen auf das GOLF-X. Kaum ein anderes Fahrrad hat in den vergangenen Monaten derart viele Nachfragen ausgelöst. Freunde, Bekannte und selbst völlig fremde Passanten wollten regelmäßig wissen, was genau das eigentlich für ein Rad ist.
Die wichtigsten Maße im Überblick
Dabei ging es erstaunlich oft gar nicht zuerst um technische Daten. Vielmehr schien die Kombination aus tiefem Einstieg, breiten Reifen und der sehr entspannten Sitzposition Eindruck zu hinterlassen. Das GOLF-X wirkt auffällig, fast schon ein wenig futuristisch, gleichzeitig aber bequem und unkompliziert. Offenbar spricht das ganz unterschiedliche Menschen an.
Man muss allerdings auch damit leben können, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Gerade in Berlin wurden wir mehrfach mit einem Augenzwinkern darauf hingewiesen, dass eigentlich nur noch der große Lieferdienst-Rucksack fehlen würde, um komplett wie einer der zahlreichen Kurierfahrer auszusehen, die an jeder Ecke unterwegs sind.
Das passt durchaus zum Charakter des Fahrrads. Das GOLF-X bleibt nicht unbemerkt. Leute sprechen einen aktiv an, fragen nach Reichweite, Beschleunigung und Fahrgefühl. Und manchmal auch nach dem mit Kabelbindern befestigten Einkaufskorb.
Auffälliger Alltagsbegleiter mit Stärken und Schwächen
Das Lankeleisi GOLF-X richtet sich an Nutzer, die ein komfortables, kräftiges und vielseitig einsetzbares E-Bike für den Alltag suchen und keine Probleme damit haben etwas aufzufallen. Das Design zieht Blicke an. Auf der Haben-Seite kann das GOLF-X mit hoher Motorleistung, stabiler Bauweise und umfangreicher Ausstattung punkten.
Gleichzeitig bringt es ein deutlich spürbares Gewicht, ein ungewohnt motorisiertes Fahrgefühl und kleinere Schwächen bei Bedienung und Details mit. Der Verkaufspreis liegt bei 1.899 Euro.












Ich kann der Herstellernamen nicht aussprechen :(
Auf jeden Fall sehr gute und ehrliche Bewertung – vielen Dank für den Beitrag.
Top ausführlicher Beitrag beziehungsweise Test – das Ding könnte was für mich sein!
Eigentum von Edeka :D
Wir kommst Du darauf, dass EDEKA Eigentümer von Lankeleisi sei?
Steht ansonsten auf dem Einkaufskorb auf dem Gepäckträger
Der Gepäckkorb :-)
Das Gewicht ist 37,5 KG !
Als Mopped mit Gashebel ganz witzig, jedoch in Deutschland nicht zugelassen.
Kann man das nicht als s-Pedelec zulassen? Mit Nummernschild wie beim Mofa?
Ich finde es ja spannend das dieser Hersteller es einem echt leicht macht die unterstützte Höchstgeschwindigkeit von 25km/h zu verändern. Bei meinem Treck-EMTB wäre das deutlich aufwändiger.
Super interessant. Allerdings muss ich wohl noch intensivere Tests abwarten. Bezüglich Schaltung und Wartbarkeit war jetzt leider nichts von ifun zu lesen.
Was für Boomer mit Camp David Poloshirt
Danke für den Hinweis auf die Nutzung auf Privatgelände bei Änderungen der Motorunterstützung über die 25 km/h hinaus, oder das Fahren mit Gashebel, jedoch ….
Die Veränderung der Motorunterstützung führt dazu, dass das E-Bike nicht länger als Fahrrad, sondern als Kleinkraftrad gilt. Dieser Wechsel der Fahrzeugklasse hat Auswirkungen auf die gesetzlichen Anforderungen für die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr.
Hierzu zählen:
Betriebserlaubnis notwendig
Versicherungskennzeichen vorgeschrieben
Fahrerlaubnis der Klasse AM erforderlich
Helmpflicht
Radwege dürfen nicht genutzt werden
Promillegrenze für Kraftfahrzeuge
Wer dennoch mit einem frisierten E-Bike unterwegs ist, riskiert neben verschiedenen Ordnungswidrigkeiten gemäß Bußgeldkatalog auch Anzeigen wegen Verstößen gegen das Pflichtversicherungsgesetz und ggf. dem Fahren ohne Fahrerlaubnis.
Und wie sieht es mit der Ersatzteilversorgung und Reparaturen aus?
Uiuiui, bei Tempo 50 sind wir jenseits des Mofa und das Thema Kennzeichen und Versicherungspflicht ist nicht zu unterschätzen, die Privathaftpflicht ist da raus!
Eigenständiges Fahren ohne treten und ggf. über 25km/h heißt immer Versicherungs-, Kennzeichen- und Helmpflicht!