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Forderungen der Verleger erfüllt

Telemedienauftrag: Weniger Freiheiten für öffentlich-rechtliche Apps

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Die Ministerpräsidenten der Länder wollen die digitalen Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender weiter einschränken. Eine Neufassung des sogenannten Telemedienauftrags sieht vor, dass sich die Sender künftig auf Audio- und Videoinhalte konzentrieren, reine Textbeiträge sind nur noch als Transkript von TV- oder Radiosendungen erlaubt.

Was uns hier als „Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme“ verkauft wird, entspricht in erster Linie den Forderungen der Verleger. Diese klagen seit Jahren gegen die Ausweitung der öffentlich-rechtlichen Informationsangebote und verweisen auf eine „presseähnliche“, unlautere Konkurrenz.

Im Klartext bedeutet die Entscheidung dann auch, dass die deutsche Verlagswelt fortan frei von jeder seriösen Konkurrenz mit oft täuschenden und unsachlichen Überschriften um die Klicks der Nutzer buhlen kann. Mir persönlich fehlt jetzt schon die alte, in erster Linie auf Nachrichtenvermittlung fokussierte Tagesschau-App. Die derzeitige Version wird den Forderungen der Verleger ja bereits gerecht, nachdem sie im Rahmen einer parallel laufenden Verlegerklage vom OLG Köln als „in unzulässiger Weise presseähnlich“ bewertet wurde.

Tagesschau App

Federführend in dem seit Jahren währenden Streit hat sich der Axel-Spinger-Konzern gegen eine „öffentlich-rechtlicher Gratispresse“ engagiert. Springer war auch schon an vorderster Front zur Stelle, als es darum darum ging, das sogenannte „Leistungsschutzrecht“ durchzuboxen und von Google ein Entgelt für die Veröffentlichung von Textauszügen im Rahmen der Suchergebnisse zu verlangen. Google saß hier am längeren Hebel und hat die Verleger vor die Wahl gestellt, der kostenlosen Anzeige zuzustimmen oder komplett aus dem Suchindex zu fallen.

Im aktuellen Streit ist ein Rückzieher mehr oder weniger ausgeschlossen, die neue Regelung muss nur noch von den Landtagen bestätigt werden. Künftig sollen sich demnach die Angebote von Radio- und Fernsehsendern schon auf den ersten Blick von Angeboten der Verlage unterscheiden. Auf dieser Basis stellt sich natürlich berechtigt die Frage, inwieweit die unterschiedlichen Nachrichten- und Mediatheken-Apps der Sender gebührenrechtlich noch vertretbar sind. Die Regulierung schränkt den Mehrwert hier deutlich ein und es fragt sich, ob die Vertreter der Sender die in diesem Zusammenhang entstehenden Folgen inklusive neuem Klagepotenzial bedacht haben.

Tagesschau: NDR hält an Klage fest

Die Tagesschau bleibt dann auch auf Konfrontationskurs und hält an einer Beschwerde zum Urteil gegen ihre App fest:

Der NDR will überprüfen lassen, ob das Verbot einer gesamten Ausgabe der tagesschau-App vom 15. Juni 2011 rechtmäßig ist. Die Beschwerde war vom NDR am 22. Januar gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Köln (OLG) eingereicht worden. Das OLG Köln hatte die Ausgabe der umstrittenen tagesschau-App als "in unzulässiger Weise presseähnlich" bewertet. Das Urteil ist rechtskräftig. Mehrere Zeitungen hatten gegen die tagesschau-App geklagt. Sie waren der Ansicht, die kostenlose App habe ein zu umfangreiches Textangebot und verzerre den Markt, weil sie über den Rundfunkbeitrag finanziert werde.

Sendungen dürfen länger in Mediathek bleiben

Im Rahmen der Entscheidung wurde auch über die Mediatheken der Sender diskutiert. Hier wurden zusätzliche Freiheiten mit Bezug auf die Verweildauer der Angebote im Netz und die zugrundeliegende Auswahl beschlossen. Allerdings bleibt abzuwarten, was die neuen Möglichkeiten tatsächlich bewirken. So hängt die Zeit, über die hinweg Inhalte online angeboten werden dürfen, in den meisten Fällen auch von Lizenzverhandlungen ab, höhere Kosten könnten das Ganze am Ende also wieder zunichte machen. Das gleiche gilt für die nun mögliche Einbindung von Serien und Dokus europäischer Sender. Auch hier wird das zusätzliche Angebot nicht kostenfrei und damit umstritten sein, Serien und Filme aus den USA bleiben per Gesetz außen vor.

Samstag, 16. Jun 2018, 15:54 Uhr — Chris
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Rede mit!
  • So lange noch genug Geld für die ganzen Jauch, Lanz und Maischberger da ist, wird der Auftrag doch eh nicht eingehalten.

    • Jauch ist nicht mehr bei den ÖR. Hauptsache irgendwie gebasht…. Jauch ist nur noch auf RTL zu sehen

    • Lieber die als dieser Fußball- und anderen Sportschwachsinn für den etliche Millionen ausgegeben wird. Wofür gibt es extra Sportsender wenn der Sport dann doch wieder auf den „normalen“ Sendern läuft?

  • Ich finde das ist ein Verbrechen für sich, insbesondere die Tagesschau App schätze ich sehr. Was sonst so zwischen der Seniorenwerbung läuft finde ich oft weder Meinungsbildend noch Informativ, bei vielen Inhalten sehe ich nicht mal Unterhaltungswert, aber darüber lässt sich bekanntlich streiten.

    Ich finde wir brauchen die öffentlich-rechtlichen, einiges davon könnte man weglassen – aber doch bitte nicht die besten Inhalte!

  • Ist das ein Bericht oder ein Kommentar? Dass alle Nachrichtenangebote per se unseriös sind, das ist wohl eine Zuspitzung, der man so nicht folgen kann.
    Ansonsten frage ich mich wirklich, warum ein öffentlich finanziertes Angebot den anderen Angeboten einfach so Konkurrenz machen dürfte. Warum dann nicht auch öffentliche Zeitungen? Warum nicht gleich nur ein von allen finanziertes Internet-Angebot? Das würde doch in die ganz falsche Richtung führen. Eigentlich sind öffentlich-rechtlich finanzierte Sender jetzt schon ein Anachronismus.

    • Sie sind der Meinung, dass Nachrichten und Informationen ein Privileg von wenigen sind?
      Ich bin überzeugt, dass unser durch Abgaben finanziertes System sehr gut funktioniert.
      Sicherlich nutze ich nicht alle Angebote, nehmen wir Lanz als Beispiel, doch sehe ich darin einen solidarischen Nutzen für alle.
      Möchte ich etwas themenspezifisches, dann erwerbe ich dies zusätzlich, wobei ich dabei eher auf Magazine zurück greifen werde. Ist mein Steckenpferd das Klettern, so gibt es dafür ein Magazin.
      Allgemeine Infos sollten der Öffentlichkeit zugänglich sein, dass Verleger hier Konkurrenz fürchten ist in Ordnung, gerne dürfen sie einen Mehrwert bieten, anderweitige Aufbereitung als Beispiel.

      Ich denke auch, dass ich durchaus das Wahlrecht habe zu entscheiden ob ich mir Videos ansehe, oder den Artikel lese. Was nebenbei, und dieser Faktor wird selten genannt, weniger Kosten verursacht. Das sollte auch im Interesse von uns als Gebührenzahler sein.

      Gerne können Sie mir jedoch ein besseres System vorstellen.

  • Ich finde die Entscheidung gut. Denn die Medienlandschaft wird bereits durch das zwangsfinanzierte Fernsehen schon stark verzerrt. Die Verlage müssen sich dagegen ihre Leser „erarbeiten“ – ein gewisser Schutz vor ÖR Übermacht ist dringend geboten

  • Was ist den daran Gratis? Da ich gezwungen werde, im Jahr über 200,- Gebühren zu zahlen, hätte ich auch gerne eine bessere Versorgung mit Nachrichten. Dort die Schrauben anzusetzen, ist ein Schlag ins Gesicht, für alle Gebührenzahler.

  •  ut paucis dicam

    So ein Mist! Frisst das Datenvolumen, stört die Mitmenschen (Zug, Bahn, Bus) usw.
    Mal eben schnell Tagesschau-News lesen ist dann nicht mehr!
    Und es wird kein Print-Medium mehr verkauft als vorher!
    Da kann man dann die App löschen!
    Ein grottenschlechter Sch… !

  • Dass die ÖR auf Text verzichten sollen, finde ich echt doof! Und ich finde es komplett inkonsequent, dass die Printmedien nicht gleichzeitig auf Videos verzichten sollen. Das widerspricht dem Gleichbehandlungsprinzip.

    • Ähm? Die Öffentlich rechtlichen sind ja auch nicht vergleichbar mit den Privaten Verlegern und somit kann Art. 3 GG, selbst wenn er hier anwendbar wäre (was er nicht ist), nicht verletzt sein.

  • Ich finde es sehr bedenklich wie stark ihr hier Partei ergreift und einseitig Kritik übt.

    Auch die öffentliche rechtlichen müssen sich eben an die geltenden Gesetze halten.

    • Wieso ist es bedenklich, wenn jemand eine Meinung und eine Haltung hat. Ich bin zwar mit den Nachrichten der ÖR überhaupt nicht zufrieden, aber die versuchen es wenigstens noch mit Nachrichten. Schau dir doch mal an, was uns Springer & Co. als Nachrichten zu verkaufen versucht. Und juchu: am kommenden Mittwoch kann es sein, dass dann das EU-Parlament das EU-Leistungsschutzrecht beschließt, was der Springerverlag ins EU Recht hineinlobbyiert mit Hilfe der CDU/CSU. Da kann man dann für Links auf Verlagsinhalte bezahlen, wenns ganz blöd läuft. D.h. man hilft den Verlagen und zahlt dann auch noch Geld dafür. Was Springer, Burda und Co. als Nachrichten präsentiert, hat mit Nachrichten nix zu tun. Das ist nix als Stimmungsmache. Und zwar auf primitiver Ebene. Schau einfach mal bei Focus, Bild, Stern, Welt etc. vorbei – Nachrichten, noch dazu seriöse sind das alles nicht. Das ist Facebook mit anderen Mitteln. Teilweise mit den fast gleichen … Das eigentlich tragische ist, dass die ÖR auch keine guten Nachrichten machen, aber immer noch viel besser als die „Verlage“ … (Schau dir mal an, wovon Springer lebt, mit Verlag hat das alles nicht mehr ewig viel zu tun.) Schön find ich aber, dass das wieder ein Eigentor wird, denn wenn keiner mehr auf den Müll verlinkt, gehen die Zugriffszahlen weiter runter …

      • Ich weiß auch gar nicht wie die Leute darauf kommen das sie die Kundschaft der Presseverleger wären, also die Nachrichten zur ihrer Information dienen würden. Die Zeitungen wollen Geld mit Werbung verdienen und dazu verkauft sie Reichweite und ein werberelevantes Umfeld an Werbekunden. Dazu werden Leser mit emotionalen Nachrichten geködert und mit immer neuen Empörungsberichten gefüttert um anschließend mit Native Advertisements und Werbebannern die Aufmerksamkeit der Leser in Bare Münze zu verwandeln. Zeitungen berichten das was die Leute hören wollen, was Klicks bringt und womit am Ende Geld verdient wird.

    • Es steht im Raume, dass wir alle eingeschränkt werden. Behinderung im höchstem Maße nenne ich dies, nur damit die Einnahmen einzelner Gruppierungen wieder sprudeln. Wir möchten alle frei informiert werden. Der Informationsgehalt war immer auf gutem Niveau. Die Verlage jedoch verzerren all zu oft die Realität. Das wirkt sehr breit gestreut, jedoch möchte ich damit meinen Unmut bekunden. Ich hasse diese neue Art der Zensur. Und das soll erst der Anfang sein? Wir lesen die Zeitungen nur noch über die Büchereien / online. ;) Außer meine Frau, die bekommt wöchentlich eine Zeitung… Die ist nicht schlecht.

  • Ich empfinde das ebenfalls als Zensur .

  • Ich nutze derzeit die ARD Text App um die Videotext Inhalte lesen zu können. Als kurzer Nachrichten Überblick reicht mir das.

  • Kauft jetzt deswegen einer eine Zeitung der es vorher nicht gemacht hat? Vermutlich nicht.
    Warum ich jetzt eine reine Nachricht – (hier hat einer irgendwas ins Mikrofon gebrabbelt / dort ist ein Sack Reis umgefallen / ein nächster hat irgendwo vor einen Ball getreten) – nicht mehr als Text lesen sondern nur noch sehen soll erschließt sich mir überhaupt nicht.
    Die sogenannten Verleger sollten mal wieder ordentlichen Investigativen Journalismus fördern, dann kaufe ich auch wieder eine Zeitung. Aber nicht für das nachbrabbeln von Nachrichten.

  • Da sieht man mal wieder, wie „unabhängig“ die ÖR sind. Da wundert einen die zum Teil stark tendenziösen Formate nicht.

  • Interessant und vor allem problematisch ist auch die Angelegenheit mit den Mediatheken. Deutsche Filmproduzenten und die Kreativbranche werden hier in eine enorme Ecke gedrängt und ihnen Finanzierungsmöglichkeiten genommen, da die ÖR nun die Sendungen auch länger zeigen dürfen. Bisher war dies für Produzenten meist eine der wenigen Möglichkeiten wirklich etwas Geld zu verdienen und nicht nur die paar Peanuts die das ÖR einem letztendlich über lässt.

    Und bevor nun wieder die Kommentare ala „Die Produzenten verdienen doch eh schon genug…“ kommen: nein, tun sie nicht. gemessen am Auftragsvolumen, gibt es Unmengen an Filmproduktionsfirmen die sich mit einem oder zwei Fernsehfilmen pro Jahr über Wasser halten und gerade mal so den Mindestlohn an ihre Mitarbeiter und Filmbeteiligten zahlen können, weil die Fernsehsender nach und nach die Budgets verkleinern, da ja angeblich kein Geld da ist (dafür für Sport, Teure Bürokratische Apparate, etc)

    Bei dieser oben genannten Entscheidung saß übrigens kein einziger Vertreter der Filmischen Kreativbranche mit am Tisch, deren Möglichkeiten mehr und mehr beschnitten werden. Ich würde sagen, die Lobby um Döpfner und Co. hat feine Arbeit geleistet…

  • Naja dann kann man sich die öffentlich rechtlichen aber bald auch wirklich komplett schenken. Die Radio und Fernseh Sender Anzahl ist einfach viel zu riesig, es wird ein Haufen Geld für absolute Schrott Sendungen herausgeworfen die absolut keinen Bildungscharakter haben, die Angestellten verdienen teilweise viel zu hohe Gehälter, die mitfinanzierten Sendungen dürfen nicht unbegrenzt lange in den Mediatheken bleiben und dann fehlen jetzt auch noch die Nachrichten Beiträge in Schriftform. Damit bietet diese Geldverbrennungsmaschine einfach keinen Mehrwert mehr. Man Sollte das auf Max. 5 Sender zusammenstreichen, statt Oldi Entertainment einfach Intelligentere Sendungen und unabhängige Nachrichten zeigen und das alles in EINE! übersichtliche App verpacken in der jeder unbegrenzt lange auf alles das er mitfinanziert hat zugreifen kann!

  • Verstehe auch nicht was Springer und Co sich davon versprechen? Ich stelle mir über meinen RSS Reader meine tägliche Portion News sowieso selber zusammen und da kommt Springer definitiv nicht drin vor! Anständigen Journalismus lese ich gerne aber diese ganzen Clickbait Verlage sind bei mir sowieso schon lange rausgeflogen. Nur weil sie den ÖR jetzt kastriert haben gehe ich bestimmt nicht los und kaufe jetzt ne Bildzeitung oder schließe da nen Abo ab :D

    • Ja, genauso handhaben wir es auch. Der VPN-Filter setzt gegen diese Verlags-Seiten an, damit auch in der Apple-News-„App“ nicht diese Kracher-Nachrichten aus Hamburg aufschlagen. Es ist mir schon des öfteren ein Dorn im Auge gewesen. Ich „flipboarde“ täglich und der Feuervogel Phönix zeigt mir das Geschehen des Bundestags.

  • Die ÖR sind wichtig als Gegengewicht zur „Information“ der Verleger und Private, welche naturgemäß immer über kommerzielle Auswirkungen von Meldungen nachdenken werden. Kann eine schädigende Meldung über einen großen Werbekunden gesendet werden? Etc. Wir bewegen uns in Richtung amerikanischer Medienlandschaften.

    • Wer kann es sich leisten seinem (Werbe-)Kunden ans Bein zu pinkeln und auf das Werbebudget zu verzichten? Gerade große Werbekunden wie bspw. die Autoindustrie haben enorme Werbebudgets auf die seitens der Verleger ungern verzichtet wird. Kritik also gerne solange sie nichts kostet.

      • Wie das läuft, zeigt die HiFi-Branche in Wirkungsweise mit den Fachmagazinen sehr schön.

  • Wenn Die Gefahr besteht, dass andere weniger Geld verdienen, dann wird das Recht der ÖR halt eingeschränkt.

  • Redet mit. Seid nett zueinander!

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