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Meinung: Echtes Multitasking und Bild-in-Bild – Ist das iPad bald ein Office-Partner?

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Ein paar Gedanken zur Zukunft des iPad.

Auf der vergangenen WWDC wurde iOS 9 und das „echte“ Multi-Tasking fürs Apple-Tablet vorgestellt. Mehr als sinnvoll! Denn wer fleißig sein will, muss natürlich auch gleichzeitig in mehreren Anwendungen unterwegs sein. Doch wird mit iOS 9 das iPad wirklich zur Produktivitäts-Zentrale im Büro? Eine Bestandsaufnahme.

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Ich bediene mich mal ganz dem Klischee, wir Deutschen seien besonders fleißig. Nein, nicht im Kinderkriegen. Natürlich nicht im Kinderkriegen! Vielmehr rede ich von Fleiß im Büro, neben trister Topfpflanze, lauwarmen Latte machiatto aus der monatlich gewarteten Firmen-Kaffeemaschine und vergilbtem Computer hauen wir ins Word, Excel und PowerPoint unter Windows XP.

In solchen Arbeitsumgebungen voller Abwechslung und Selbsterfüllung ist auch immer ein konstantes Rattern der Tastaturen als akustische Resonanz der in der Luft liegenden Produktivität zu deuten. Aber Moment! Sollten in der heutigen Zeit nicht viel weniger Tastaturanschläge in den Büros zu hören sein? Sollte nicht jedes – zumindest super enorm moderne – Unternehmen seine Mitarbeiter mit iPads ausgestattet haben? Jetzt, da Apple das echte Multi-Tasking aufs iPad bringt, müsste es doch eine richtige Produktivitäts-Maschine werden, die nicht allzu teuer ist – und dazu noch mobil. Dürfen wir uns auf eine Bürowelt mit iPads freuen?

Zugegeben, dieser Gedankengang ist mehr als realitätsfern. Denn in so gut wie kaum einem Büro wird gewischt, „gepincht“ oder gescrollt. Seit Dekaden wird getippt und geklickt und getippt – die Einführung des iPads hat daran bislang noch nichts geändert. Und, sind wir mal realistisch, die „Implementierung“ ernstzunehmender Multitasking-Features wird daran erst einmal nichts ändern. Denn iOS ist des iPads größtes Handicap.

Man muss kein Technik-Geek sein, um zu wissen, dass iOS – wie natürlich auch Android – ein vollends mobiles Betriebssysteme ist. Tablets sind in erster Linie einfach Geräte für unterwegs, die Couch, die Terrasse, den Biergarten – vorausgesetzt, man hat ein halbwegs schattiges Plätzchen ergattert.

Sie sind gemacht für das gemütliche Lesen des Lokalteils in der Rechten mit einem Weißbier in der Linken oder das gespannte Mitfiebern des Staffelfinales von Breaking Bad baumelnd in der heimischen Hollywood-Schaukel. Nichts kann man besser mit einem iPad als Inhalte zu konsumieren.

Anders gestaltet sich die Situation hingegen im Büro. Dort geht man schließlich einer komplett anderen Tätigkeit nach. Nun gut, böse Zungen munkeln ja, eben genannte Aktivitäten würde so mancher fauler Arbeitnehmer auch im Büro pflegen. Wer jedoch wirklich arbeitet, also kein Breaking Bad sieht oder Zeitung liest, liebäugelt nicht mit einem iPad als Arbeitszentrale. Selbst mit Dock und Bluetooth-Tastatur ausgestattet wird so wohl kein Excel-Tarzan glücklich werden.

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Die Folgerung, das iPad eigne sich kaum als Hauptarbeitsgerät auf dem Schreibtisch, dürfte kaum überraschen. Spannender ist hingegen die Frage, warum das eigentlich so ist. Zum einen wäre da natürlich der Touchscreen-Zwang aufzuführen. Denn das iPad mittels Dock als Monitor aufstellen ist nicht.

Klar, wer eine ausführliche Mail verfasst, der kann sich zurücklehnen und entspannt über die Bluetooth-Tastatur den Text eingeben. Aber im normalen Arbeitsgeschehen ist alle paar Sekunden eine Interaktion mit dem Bildschirm erforderlich. Und hierfür braucht man einfach eine Maus oder ähnliches. Und selbst wenn man recht nah am Display arbeiten möchte, wie das bei der Nutzung eines MacBooks ohne Tastatur der Fall, bereitet einem der Touch immer noch Probleme.
Schließlich ist eine Maus sehr präzise. Exakt eine Zeile in Numbers oder Excel auswählen, eine Textstelle buchstabengenau selektieren, Bildbearbeitung – alles kein Hexenwerk, selbst mit einer Maus für 10 €. Mit Touch diese Tätigkeiten ausführen? Das wird schwierig. Zwar wird es ab iOS 9 möglich sein, die Textauswahl mit Multitouch-Gesten über die Bildschirm-Tastatur durchzuführen. Das Gelbe vom Ei ist das Feature aber freilich nicht.

Sehen wir über diesen Aspekt einmal hinweg und widmen uns der nächsten Einschränkung im möglichen Büro-Einsatz: Blickt mal in eure Menüleiste. Welche Anwendungen seht ihr da? „flux“ etwa um abends besser arbeiten zu können; „Timing“ um die Zeit zu erfassen und „Revision for Dropbox“ um die Daten in der Cloud zu managen.

Diese oder ähnliche Programme habt ihr bestimmt auch installiert. Viele Fortgeschrittne haben dutzende kleine Helferlein im Einsatz, die manchmal unfassbar praktisch sein können. Das alles bietet iOS und das iPad nicht.

Zwar gibt es Widgets, und seit einiger Zeit kann man Dinge machen wie einen Song bei Spotify im Sperrbildschirm positiv bewerten. Wow! Aber auch das ist nicht das Gelbe vom Ei und kommt nicht annähernd an die Möglichkeiten unter Mac OS oder Windows ran.

Ebenfalls ein Must-Have sind verschiedene Benutzer-Accounts auf einem Gerät. Nicht nur, dass dieses Feature bereits von vielen Heimanwendern sehnsüchtig erwartet wird, auch für Arbeitsgeräte macht es Sinn. Das Fehlen dieser Funktion führt in der Folge ebenfalls zu einem Minus in Sachen Flexibilität.

Analysiert man die genannten Hindernisse für eine angenehme Büro-Arbeit, wird schnell klar: sie alle sind iOS geschuldet, bekanntermaßen dem Kernstück des iPads.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich um ein mobiles Betriebssystem auf einem mobilen Endgerät. Doch die Bildschirme werden größer, die Prozessoren leitungsfähiger und die Preise bleiben (mehr oder minder) bezahlbar. Der Wunsch keimt auf, die Geräte anders, besser gesagt anspruchsvoller zu nutzen. Man möchte damit mehr arbeiten können, nicht nur konsumieren.

Man möchte ein Gerät, das die eigenen Ansprüche sättigt, nicht die des Opas. Gerade mit Blick auf die technische Entwicklungen dürften sich viele mit Funktionen wie „Bild-in-Bild“ und neuem Multi-Tasking in iOS 9 nicht zufrieden geben.

Eine nicht zu unterschätzende Anzahl der User schwärmt vermutlich vielmehr von: Mac OS X auf dem iPad – eben ein „richtiges“ Betriebssystem fürs iPad. Mit Finder, Ordnerstrukturen, Menüleiste, Dock, Benutzer-Accounts, USB-C. Man stelle sich vor, eine solches Produkt würde uns tatsächlich auf einer der nächsten WWDCs vorgestellt werden. Das wäre dann wirklich das nächste „Big Thing“.

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30. Aug 2015 um 10:36 Uhr von Daniel Fehler gefunden?


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