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Kinderecke: Das Geschäft mit den Klicks – Ein Erfahrungsbericht

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Adventskalender gibt es zu hunderten im Store. Wenige für Kinder, viele für verkicherte Erwachsene in Fahrstühlen mit Jingle-Bells-Loup.

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Da ich selbst als Illustratorin an einem Kalender für Kinder mitgearbeitet habe und um diese Zeit jedes Jahr amüsiert meiner App beim Rauf- und Runterklettern in den Charts zuschaue, möchte ich mit euch ein paar Einsichten über das App-Geschäft teilen. Vielleicht hält das den einen oder anderen doch noch davon ab, eine weitere Advents-App zu produzieren…

Vor allem aber: Vielleicht hilft es, ein paar Qualitätskriterien aufzustellen, nach denen man seine Apps kaufen sollte. Denn eines sollte Nutzern beim App-Kauf klar sein: Um in der schieren Flut neuer Apps – gerade zum Weihnachtsgeschäft – nicht unterzugehen, setzt so mancher auf dubiose Geschäftspraktiken.

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  • Vom Glück der eigenen App

Zur Vorbereitung unserer „Adventsstadt“ (iPad/iPhone) hatten wir im Team jeden Tag Adventsmusik gehört, Apfelsinen filetiert und Punsch getrunken. Nach einer Woche sind wir auf produktivere Methoden umgeschwenkt. Es hat geholfen: Der Kalender, dessen Inneres ich als eine Art magische Mechanik beschreiben würde, atmet den Weihnachtsglanz, der uns vorschwebte und verkaufte sich als einer der wenigen kostenpflichtigen Adventskalender-Apps sehr gut.

Als die App in den Store ging, waren wir so aufgeregt, wie die Kinder, für die wir sie entwickelt hatten – und nach den ersten Tagen so enttäuscht wie eben diese, wenn sich herausstellt, dass in dem knisternden Päckchen von Oma nur praktische Bettwäsche ist. Unsere Marktanalyse mag nicht sehr gründlich gewesen sein. Aber mit soviel Konkurrenz hatten wir nicht gerechnet. Der App-Store war übervoll mit Adventskalender.

Dank Apple Feature konnten wir uns als erste Kinder-App dennoch bestens zwischen den Krabbel-Witzen und Schnäppchenfüchsen positionieren. Auch hatte Apple den Store besser organisiert: Durch die Scroll-Leiste sieht man jetzt auf der obersten Ebene einer Kategorie die absatzstärksten Apps zu einem Schlagwort.

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  • Das Geschäft mit den Klicks

Meistens findet man hier zuerst die kostenlosen Apps. Deren Downloads lassen sich kaum topen. Wir selbst hatten die Nagelprobe gemacht und unsere App für 24 Stunden in Kooperation mit einer amerikanische Webseite kostenlos gesetzt. 1600+ Klicks brachten uns auf die vorderen Plätze im US-Store. Nach diesem Ausrutscher wanderte die App schnell wieder nach hinten in die Holzklasse zu den anderen Bezahl-Apps.

Trotzdem fussen ganze Geschäftsmodell auf dem kurzen Push zur Erhöhung der Sichtbarkeit. Nicht nur, dass Entwickler ihre App-Preise hysterisch rauf und runter setzen. Vor allem Drittanbieter wittern ihre Chance. Nach einem einfachen Prinzip versprechen sie den Entwicklern 10.000 Downloads. Der Trick besteht darin, die Apps für einen bestimmten Zeitraum kostenlos zu setzen.

Einkaufsliste: 10.000 Downloads für 3000 Dollar

Diese Kostenlos-Angebote werden wiederum an die Kunden entsprechender Dienste weitergereicht. Da Apple solche Praktiken zu unterbinden versucht, indem es Apps, die sich nur auf die Inhalte anderer Apps beziehen, seit einiger Zeit aus seinem Store verbannt, verlagert sich das Spiel ins Internet.

Kostenfaktor für den Entwickler wiederum: 3000+ Dollar. Dafür sichert er sich für einen kurzen Zeitraum einen begehrten Platz in den Charts. – Ein fragwürdiger Deal, der vor allem mit den Ängste der Entwickler rechnet. Wann immer ihr also im iTunes-Store den freundlichen Satz „brought to you by…-your daily source for free apps“ und Ähnliches lest, ist es sehr wahrscheinlich, dass hier jemand kräftig gezahlt hat, in der Hoffnung, Aufmerksamkeit zu generieren.

Während die einen geradezu sirenenhaft vom Erfolg reden, kommen die anderen schon handfester und versprechen nicht Klicks, für die der Entwickler auch noch zahlen muss. Aber auch hier wird derselbe zur Kasse gebeten: Auch Review-Seiten wollen inzwischen mitverdienen. Ab 100 Euro kann man sich auf deutschen Kinder-App-Seiten besprechen lassen. Der Deal ist für den Entwickler ähnlich problematisch: Wie oft muss jemand eine 1,79 Euro teure App abzüglich der Apple-Provision von 30% verkaufen, bevor 100 Euro verdient sind?

Für den Nutzer dagegen bedeutet das: Redaktionelle und Werbeinhalte lösen sich auf solchen Seite ineinander auf wie eine Brausetablette im Wasser.

  • Wie Nutzer Qualität erkennen

Kommen wir zur wichtigsten Erkenntnis: Schmückende Plaketten auf der Brust der Entwickler wie „Platz 1 in den Buch-App-Charts in Honolulu und Fitschi“ haben aufgrund dieses Geschiebe und Gedrückes der Apps wenig Aussagekraft und auf meiner Review-Seite besonderekinderapps.de habe ich bereits mehr als einem Entwickler sagen müssen, dass mich seine App trotzdem leider nicht überzeugt.

Kurz gesagt: Charts sind relativ. Relativ abhängig von Preisstrukturierungen. Relativ abhängig von Marketing-Experten.

Was bedeutet das für Eltern, die nach Qualität suchen? Hier kann vielleicht Apples Strategie auf die Sprünge helfen: Cupertinos Rezept, nach welchem es Apps auf die Front-Seite des iTunes-Stores schaffen, ist geheim. Allerdings kann man beobachten, dass neue Apps von Entwicklern, die bereits erfolgreich waren, eher unter „Neu und beachtenswert“ gefeatured werden als absolute Newcomer.

Viele Entwickler stehen für einen bestimmten Stil. Hat man eine Marke gefunden, die einem gefällt, kann man sich über das Blog des Teams regelmäßig informieren.

Statt kostenlos und billig: Achtet auf Empfehlungen

Umgekehrt gilt natürlich auch: Schaut euch die anderen Apps des Entwicklers an. Ladet vielleicht kostenlose Versionen als Test-Apps herunter, bevor ihr kauft.

Zweites Kriterium ist auch deren Webseite oder das Blog. Findet man hier interessante Zusatzinformationen, kann man davon ausgehen, dass jemand nicht den schnellen Rubel sucht, sondern sich mit seinem Produkt identifiziert und selbst Spaß daran hat.

Immer wichtig: Der iTunes-Text. Wer mit NurHeuteSuperschnäppchensonderpreise und nicht mit Inhalt wirbt, hat wahrscheinlich auch gar keinen. Gerade im Weihnachtsgeschäft wird diese Strategie gerne gefahren.

Wem das alles für +/- 2 Euro zu aufwendig ist, sollte einfach gute Review-Seite lesen.


Johanna RosenfeldJohanna Rosenfeld schreibt in ihrem Blog besonderekinderapps.de unabhängig über freche, schlaue, kluge und schöne Apps für Kinder.

Die Buchautorin, Illustratorin und junge Mutter lebt und arbeitet in Berlin, schreibt in der Kinderecke auch für ifun.de und freut sich über einen Besuch auf ihrer Facebook-Seite.

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23. Nov 2013 um 08:38 Uhr von Johanna Fehler gefunden?


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