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Umfangreich konfigurierbar

Erfahrungsbericht UniFi: Professionelle WLAN-Lösung im Heim-Einsatz

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Ubiquiti bietet unter der Marke UniFi Netzwerkprodukte an, die für den professionellen Einsatz gedacht sind, preislich jedoch deutlich unter vergleichbaren Konkurrenzprodukten liegen und somit auch für den Einsatz im privaten Bereich attraktiv werden. Besonders wenn es darum geht, leistungsfähige WLAN-Netze aufzubauen, zeigen die UniFi-Netzwerkprodukte in Kombination mit professionellen Administrationsfunktionen ihre Stärke. Allerdings muss man sich als Nutzer auch etwas mehr mit dem System auseinandersetzen, als bei den sonst für Endnutzer angebotenen Plug-and-Play-Lösungen.

Ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Ubiquiti Unifi Geraete

Für den Einstieg blicken wir drei Jahre zurück. Ende 2013 hatte ich in diesem Artikel meine damalige Netzwerkkonfiguration beschrieben. Ein FRTIZBox-Router sorgte gemeinsam mit einer Apple Time Capsule unter Verwendung eines einzigen Netzwerknamens (SSID) dafür, dass zwei Stockwerke mit Wohn- und Arbeitsbereich zuverlässig abgedeckt sind. Sämtliche Geräte kamen mit dieser Konfiguration hervorragend klar und der Wechsel zwischen den Hotspots lief stets sauber und völlig unbemerkt ab. Die Probleme begannen dann Ende 2014 mit der Veröffentlichung von OS X Yosemite. Ihr erinnert euch vielleicht daran, dass Apple damals massiv in der Kritik stand, weil Umstellungen in der Netzwerkkonfiguration von OS X zu massiven Problemen führten, die erst sechs Monate später durch das Rückgängigmachen der mit Yosemite in diesem Bereich eingeführten Änderungen wieder behoben wurden. Allerdings nicht für mich. Es mag Zufall sein, vielleicht habe ich in der Zeit der Yosemite-Probleme auch zu viel geschraubt, jedenfalls lief es seither nie mehr so gut wie zuvor, dazu kamen auch zunehmende Probleme mit iOS-Geräten. Konkret lief der Wechsel zwischen den Hotspots nicht mehr wie gewünscht. Die Geräte blieben auf dem schwächeren Accesspoint hängen und der Wechsel zur deutlich leistungsfähigeren Station im aktuellen Stockwerk konnte meist nur durch ein kurzes Trennen der WLAN-Verbindung erzwungen werden. Im Laufe der Zeit hatte ich diverse Versuche angestellt, diese Problematik zu beheben. Dabei kamen verschiedene leistungsfähige und auch teure Produkte namhafter Hersteller aus dem Consumer-Segement zum Einsatz. Nie mit dem gewünschten Erfolg.

Nach zwei Jahren Ärger sollte es UniFi nun richten und tut dies – soviel vorneweg – bislang sehr erfolgreich. Das System erfüllt vor allem meine zentrale Anforderung: Es gibt ein einziges Netzwerk, in dem sich die Geräte stets mit dem jeweils stärksten Accesspoint verbinden und nach Möglichkeit auch das schnelle 5-GHz-Band nutzen.

Zunächst kurz ein Überblick über die von Ubiquiti angebotene UniFi-Hardware. Für uns spielen zunächst zwei verschiedene Accesspoints eine Rolle, der UAP-AC-LITE für 92 Euro und der UAP-AC-PRO für 146 Euro (aktuelle Straßenpreise). Die relevanten Unterschiede zwischen den beiden Geräten entnehmt ihr der Tabelle unten, ich habe mich aufgrund der besseren Leistungsdaten ausschließlich für die Pro-Version entschieden. Je nach Anforderung kann die Lite-Version bzw. eine Kombi aus beiden Varianten natürlich durchaus schon genügen.

Unifi Accesspoints

Anzumerken ist, dass die Pro-Variante auch für den Outdoor-Einsatz geeignet ist, alternativ bietet Ubiquiti aber auch kleine, günstigere Outdoor-Accesspoints speziell für die Verwendung im Garten oder dergleichen an. Weiter im Angebot sind Spezialausführungen für hohe Reichweiten und Bildungseinrichtungen (mit integriertem Lautsprecher) sowie weitere Netzwerkkomponenten wie Switches und Hardware-Controller – dazu kommen wir später noch.

Hardware-Setup

Die Grundinstallation der Hotspots ist angenehm einfach. Im Lieferumfang sind Halterungen für Wand- oder Deckenmontage enthalten. Dank der Stromversorgung über Ethernet (POE) lassen sich die UniFi-Accesspoints damit dann auch angenehm einfach an sinnvollen Orten platzieren.

Unifi Ap Ac Pro Lieferumfang

Die Notwendigkeit eines separaten Stromanschlusses fällt nämlich weg, ein einziges Ethernetkabel genügt, um die Geräte an das Hausnetz und die Stromversorgung anzuschließen. Ihr benötigt hierfür auch keinen speziellen Hub oder Switch mit POE-Unterstützung, da im Lieferumfang der Geräte sogenannte POE-Injektoren enthalten sind, kleine Zwischenstecker, die irgendwo in der Nähe einer Steckdose in der Ethernet-Verbindung zum Hotspot hängen und den POE-Strom für diesen einspeisen (die kleine schwarze Box oben im Bild).

Unifi Ap Ac Pro Wandmontage

Hardwareseitig war’s das dann auch schon, die eigentliche Konfiguration der Accesspoints bzw. das Einrichten des Netzwerks erfordert nun etwas mehr Konzentration und (zumindest bei mir) auch den einen oder anderen Ausflug auf die Hilfeseiten des Herstellers.

Der UniFi-Controller

Um das Potenzial des Systems optimal ausschöpfen zu können, wird nicht jeder Accesspoint für sich konfiguriert, sondern ihr verwaltet sämtliche Netzwerkeinstellungen über die zugehörige Controller-Software. Der UniFi Controller kann zum Einrichten des Systems oder zur Änderung einer Konfiguration einfach lokal auf einem Mac oder PC ausgeführt werden. Dann verzichtet ihr allerdings darauf, statistische Daten zur Netzwerknutzung zu erfassen. Dies ist nur möglich, wenn die Controller-Software dauerhaft läuft, hier gibt es auch Lösungen für Raspberry PI oder die NAS-Laufwerke. Eine Plug-and-Play-Lösung bietet der Hersteller selbst mit dem UniFi Cloud Key für rund 80 Euro an. Dieser wird einfach an einen freien Netzwerkanschluss am Router oder Switch gesteckt.

Unabhängig davon, wo der UniFi Controller nun installiert ist, die Oberfläche im Webbrowser ist stets identisch. Ihr findet hier sämtliche Werkzeuge, um euer System zu konfigurieren und habt zudem die volle Kontrolle über alle Vorgänge im Netz. Dies hilft dann auch bei der Abstimmung auf die örtlichen Gegebenheiten. Zu Beginn richtet ihr hier aber erstmal eure Accesspoints ein und konfiguriert die von diesen angebotenen Netzwerke.

Unifi Controller Accesspoints

Hilfreich bei mir war hier wiederum die Tatsache, dass sich bis zu vier verschiedene Netzwerke parallel aufsetzen lassen. Mein zunächst für alle Clients vorgesehenes Standard-Netzwerk funkt auf 2,4 und 5 GHz. Nun kommen leider immer noch nicht alle halbwegs aktuellen Netzwerkkomponenten auch mit 5-GHz-Netzwerken klar und weigern sich teils, eine stabile Verbindung zu auf beiden Frequenzen funkenden Netzen zu halten. Daher habe ich für die „Haustechnik“ noch ein zusätzliches Netz laufen, das ausschließlich auf 2,4 GHz setzt.

Für stark frequentierte Netze (also eher für professionelle Nutzung) bietet die Software die Möglichkeit, automatisch dafür zu sorgen, dass die Auslastung auf 2,4 und 5 GHz ausgewogen ist. Wer möchte, kann seine Geräte auch sofern möglich auf die 5 GHz zwingen. Ebenso bietet sich bei der Konfiguration der Hotspots die Möglichkeit, einen minimalen RSSI-Wert festzulegen, bei dessen Unterschreitung der Client vom Hotspot getrennt wird. Dies ist dann hilfreich, wenn sich die Clients nicht eigenständig für den aktuell besseren Accesspoint entscheiden.

Unbenannt 1

Für mich waren solche Probleme ja wie gesagt der Grund, das UniFi-System auszuprobieren. Das „wirf ihn raus“-Feature musste ich dann allerdings gar nicht erst bemühen, denn ich hatte direkt nach dem ersten Setup keine Probleme mehr mit dem automatischen Wechsel zwischen den Accesspoints. Dazu kommt, dass die Leistung der UniFi-Hotspots – zumindest bei den örtlichen Gegebenheiten hier – deutlich besser ist, als das der zuvor installierten Geräte. Die Empfangsanzeige von Apple TV im nächsten Raum zeigt beim UniFi-Netz beispielsweise -39 dBm während eine an der selben Wand wie der UniFi-Accesspoint montierte FRITZBox nur mit -43 dBm ankommt. Dies bei Standardeinstellungen im Controller, denn auch die Leistung der Antennen lässt sich noch an eure Bedürfnisse anpassen und bietet alternativ zur „Auto“-Einstellung auch die Voreinstellungen „High“, „Medium“ und „Low“ oder die Möglichkeit, einen eigenen Wert vorzugeben.

Problemlösung durch Feinabstimmung

Ein etwas verzwicktes Problem blieb allerdings zunächst noch. Ich hatte einen kleinen Bereich im Haus, an dem sowohl iOS-Geräte als auch das MacBook oft ein eigenartiges Verhalten zeigten: Trotz vollem WLAN-Ausschlag war keine Internetverbindung möglich und teils musste man die WLAN-Funktion einmal, teils mehrfach ab- und wieder anschalten, um den Fehler zu beheben. Bei der Lösung kam mir das über den UniFi Controller abrufbare Event-Protokoll zugute. Hier wird genau aufgelistet, welcher Client sich wann und wie verbindet. Die betroffenen Geräte sprangen dem zufolge jeweils zwischen vom 2,4- auf das 5-GHz-Netz von ein und demselben Accesspoint und blieben dort ohne Netzwerkverbindung hängen. Der gewählte Accesspoint war zwar der richtige für diesen Bereich, aber im Nebenraum platziert und sinnvoll wohl nur noch mit 2,4 GHz nutzbar. Also habe ich für ausschließlich für das 5-GHz-Netz dieses Hotspots einen minimalen RSSI-Wert festgelegt und so dafür gesorgt, dass die Clients bei unzureichender Verbindung vom Hotspot gekickt werden. Seither trat die Problematik nicht mehr auf und bei ausreichender Verbindungsqualität ist das 5-GHz-Netz weiterhin aktiv und nutzbar.

Diese Möglichkeiten der Feineinstellung bieten natürlich etliches weiteres Optimierungspotenzial. Als Pro-Lösung bietet das UniFi-System darüber hinaus jede Menge sonstiger Optionen für diverse Anwendungsbereiche. So könnt ihr beispielsweise auch ein auf zeitlich begrenzten Zugangscodes basierendes Gast-Netzwerk aufsetzen.

Mein Setup besteht wie eingangs erwähnt aus zwei Pro-Accesspoints, der Controller läuft auf einem Cloud Key. Für die Konfiguration und Überwachung verwende ich eigentlich ausschließlich den Desktop-Browser, wobei die vom Hersteller angebotene App sich auch sehr vielseitig zeigt und ansprechend aufbereitete Statistiken liefern kann. Der Cloud-Zugriff auf eure Netzwerkdaten ist passwortgeschützt und ihr entscheidet sowieso selbst, ob ihr diesen überhaupt freigeben wollt. Hier ein paar Screenshots aus der App:

Unifi Ios App Screenshots

Unifi Ios App Screenshots 2

Ein komplett eigener Bereich sind darüber hinaus die im Zusammenhang mit zusätzlichen UniFi-Netzwerkkomponenten möglichen Überwachungs- und Sicherheitsfeatures. Sobald ihr einen Switch des Herstellers integriert, könnt ihr mit dem UniFi Controller euer komplettes Netzwerk managen. Für zusätzliche Absicherung desselben bietet Ubiquiti noch ein voll integrierbares Security Gateway an.

Produkthinweis
Ubiquiti Networks UAP-AC-PRO, weiß 145,67 EUR
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16. Nov 2016 um 20:34 Uhr von Chris Fehler gefunden?


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