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Erfahrungsbericht LG Thunderbolt-Display 34UM95: Eindrucksvoll, aber nicht perfekt

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Wow, faszinierend, krass. Das sind die ersten Begriffe, die einem bei der ersten Benutzung des Ultradwide-Monitors mit der sperrigen Gerätebezeichnung LG 34UM95-P von LG durch den Kopf schießen. Schließlich sprechen die technischen Daten für sich: ca. 79,4 x 34,1 matte Displayoberfläche mit einer Auflösung von 3440 x 1440 Pixeln, ein Betrachtungswinkel von 178 Grad, Thunderbolt-Schnittstelle und die Möglichkeit zur Monitor-Kalibrierung dürften bei vielen potentiellen Anwendern zu einem Zusammenlaufen des Wassers im Munde führen. Wir haben das Premium-Display von LG fast ein halbes Jahr lang mit einem aktuellen Macbook Pro Retina im Einsatz und möchten euch nun die Schwächen und Stärken in diesem Erfahrungsbericht aufzeigen.

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Sicher und hochwertig verpackt wird uns das Display geliefert. Gerade für das Auspacken sollte man sich jedoch Unterstützung vom Nachbar holen. Neben dem Strom- werden auch HDMI- und Displayport-Kabel mitgeliefert. Wer hingegen die Vorzüge von Thunderbolt genießen möchte, muss noch mal extra ein bisschen investieren. Dies lohnt sich aus unserer Sicht in jedem Fall. Zumindest wenn man seinen Mac mobil nutzt und gleichzeitig komfortabel und zügig das Arbeitsgerät an den Büroplatz anklicken und abstecken möchte. Auch ein Ständer ist im Lieferumfang enthalten, welcher in eine Halterung am Display gesteckt werden muss. Wie das geht, erklärt die Anleitung genau – kein IKEA-Niveau. Ähnlich wenige Probleme bereitet uns das Anschließen der Strom-, Daten-, und Musikkabel (3,5 mm), da auf der Rückseite alle Eingänge übersichtlich angeordnet sind. Auf den ersten Blick macht das Gerät einen gut verarbeiteten Eindruck, trotz des eher negativ wirkenden plastikartigen Gehäuses. Vor allem auf der Rückseite kommt einem die plastikartige Abdeckung billig vor. LG hätte bei einem Gerät dieser Preisklasse bei den verwendeten Materialien für das Gehäuse nicht sparen sollen.

Was uns ebenfalls zu Beginn des Tests mit Blick auf den Preis etwas stutzig macht: Lediglich zwei USB 2 Anschlüsse und ein USB 3 Anschluss wurden verbaut. Natürlich braucht nicht unbedingt jeder mehr als 3 USB-Schnittstellen, nur wäre dann wenigstens eine komplette Ausstattung mit USB 3 Standard erfreulich gewesen – zumal Universal Serial Bus bekanntermaßen abwärtskompatibel ist. Wir sehen erst einmal darüber hinweg.

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Das Anschalten und Herstellen einer Verbindung zu den gewünschten Geräten dauert nicht lange. Der Einschalte- und Menüknopf, welcher multifunktionalen Charakter haben soll und in vielen anderen Testberichten angepriesen wird, befindet sich am unteren Rand des Monitors. Das Lob rührt von dieser neuartigen Idee eines Controllers (von LG „Joystick“ genannt), welcher sich in alle Richtungen bewegen lässt und somit wirklich toll sei. Rein praktisch ändert sich für den Nutzer aber eigentlich nichts. Die Menüführung und das Auswählen einzelner Punkte im Interface dauert genauso lange wie bei den herkömmlichen Varianten mit Knöpfen – ein schnelles Wechseln von Eingängen oder mal schnell in den Split-Screen-Mode geschaltet ist so nicht. Dafür macht das Interface des Menüs einen schicken Eindruck, wie auch der „Joystick“. Ist ja auch was.

Sobald der Monitor an ist, überzeugt er sofort mit seinem brillanten Farbbild und der vorhin bereits ausgesprochen guten Auflösung. Gerade bei letzterem sind wir, als verwöhnte Retina-Seher, sehr zufrieden: Bei der Verwendung vieler anderer Monitore als dem Retina nehmen wir die Pixel bewusst war und empfinden dies als eher störend. Erfreulicherweise ist uns dies beim LG-Display nicht aufgefallen. Jetzt könnt ihr vielleicht schon ahnen, wie brillant die Auflösung ist.

Zur Einweihung des Highend-Monitors möchten wir einen Filmabend veranstalten. Mit viel Vorfreude fiebern wir also House of Cards par excellence entgegen. Natürlich in guter Qualität, sprich: nicht über kinox.to. Denn wer kauft schon ein Premium-Display um dann bei der Qualität der Inhalte Abstriche zu machen? Also Netflix! Mit diesen Inhalten lässt sich ein Filmabend sicherlich exzellent gestalten, oder? So leicht ist es nicht. Vor dem Kauf des Displays sollte man hier beachten, dass der ein oder andere Inhalt, sei es auf Youtube, Netflix oder sonst wo, nicht zwingend im 21:9 Format entstanden ist bzw. so jedenfalls nicht onlinegestellt wird. Auch nervig: Schwarze Ränder, die eben nicht nur links und rechts – logisch bei Videos in 16:9 -, sondern auch unten und oben auftreten – aus welchem Grund auch immer. Das konnten wir beispielsweise bei House of Cards beobachten. Der Netflix-Support wusste übrigens auch keine Lösung. Mit der angeschlossenen Playstation 3 und einer Blu-ray-Disc sieht das hingegen schon ganz anders aus: Die meisten Inhalte auf Blu-ray sind mehr als passend für das Displayformat und wirken grandios. Auch der überwiegende Teil der in iTunes erworbenen Filme vermitteln ein gutes Kinofeeling. Vorausgesetzt, man hat externe Lautsprecher angeschlossen. Die Soundqualität der eingebauten Lautsprecher ist zwar nicht schlecht, doch für gutes Entertainment nicht geeignet. Bei welchem Monitor ist das schon der Fall?

Etwas müde vom langen Filmabend wollen wir uns am darauffolgenden Tag an die Arbeit machen und dabei die Tauglichkeit des Monitors im Büroeinsatz testen. Mit 17,3 cm Tiefe nimmt das Display auch nicht wesentlich mehr vom Schreibtisch ein als ein aktueller iMac. Bedenken sollte man jedoch, dass man aufgrund der außergewöhnlichen Breite nicht mal schnell links oder rechts seitlich vorbei am Monitor schauen kann, was so manch eingefleischter Bürogorilla vielleicht gerne praktiziert. Das aber nur mal am Rande erwähnt.

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Trotz seiner Überbreite macht der Bildschirm im Büro einen guten Eindruck und wertet die Haptik an unseren und wahrscheinlich auch den meisten anderen Arbeitsplätzen auf. Die Ränder an den Seiten sind schmal ausgefallen und der Standfuß ist durchsichtig, was dazu führt, dass der Bildschirm und dessen Inhalte praktisch schweben. Träge Mauszeiger oder Texteingaben muss man bei einer Reaktionszeit von 5 Millisekunden im Übrigen nicht befürchten. Was jedoch nach einiger Zeit sehr nervt: Nach dem Ab- und erneuten Wiederanstecken müssen wir die ordentlich platzierten Fenster wieder an die gewünschten Stellen verschieben, was aufgrund der schieren Displaygröße nicht mal schnell erledigt ist. Natürlich muss man die Ursache hier wohl eher bei OS X suchen, aber auch der Monitor selbst hat beim Wechsel zwischen den Bildquellen noch Schwächen. Wenn wir vom über Thunderbolt verbundenen MacBook auf HDMI und wieder zurück schalten, sind wir gezwungen, das Thunderbolt-Kabel zunächst zu trennen um es erneut wieder anzuschließen. Ansonsten: Kein Video- oder sonst irgendein Signal von unserem Mac. Je nachdem wo man sein MacBook platziert, ist das Ganze zeitaufwändig und strapazierend.

Wer unter anderem in der Foto- oder Videobranche tätig ist, für den ist ein gut kalibrierbarer Monitor unerlässlich. Die im Lieferumfang – auf CD – enthaltene Software „True Color Finder“ dürfte hier die Nutzer besagter Branchen zufrieden stimmen. Und ja, die Software gibt es nur, wirklich nur auf CD.

LG bewirbt das Gerät gerne mit der Splitscreen-Funktion. Dass, wie bereits angesprochen, die Menüführung träge gestaltet ist und das Bedienen dieser nicht sonderlich viel Freude bereitet, ist schade. Doch wer wirklich lange an einem Stück in diesem Modus arbeitet, dem dürfte das nicht massiv stören. Nicht zuletzt, da sich das 21:9 Format prima für diese Art der Anwendung eignet.

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Nun haben wir euch viele einzelne Aspekte genannt, die uns besonders gut oder schlecht in den vergangenen Monaten bei der Verwendung des LG-Flagschiffes aufgefallen sind. Ganz bewusst haben wir Schwerpunkte gelegt, auch, damit euch neben den üblichen Testberichten auch ein Erfahrungsbericht zur Verfügung steht und euch bei euer Kaufentscheidung hilft.

Der LG 34UM95 kann sich mit seinen außerordentlich guten technischen Spezifikationen sehen lassen. Als Arbeitsgerät eignet er sich nicht nur aufgrund seines praktischen Formats – egal ob in der Verwendung als klassischer Bürorechner oder für Kreativschaffende. Das Design ist grundsätzlich lobenswert, wenn nicht die großzügige Verwendung von etwas billig wirkendem Kunststoff wäre. Für den Preis von aktuell ca. 710 € hätten wir vor allem ein flotteres Menü und quantitativ sowie qualitativ höherwertige Schnittstellen erwartet. Das Konzept des „Anschließen und Arbeiten“ gefällt uns gut, wenn auch noch der ein oder andere Workaround stört, wie beispielsweise die verschobenen Fenster beim erneuten Anschließen. Dennoch hat uns vor allem die enorm gute Bildqualität sehr erfreut.

Unterm Strich ist der LG 34UM95 – P weder günstig noch vollkommen, die genannten Schwachstellen nehmen wir allein schon mit Blick auf die fehlende Konkurrenz in diesen Preissegment hin. Die Verwendung macht am Ende des Tages schlicht Spaß, weil: Format wirklich super produktiv.

Jetzt interessiert uns eure Meinung? Wer von euch hat vielleicht schon mit dem Gedanken gespielt, sich das Display zu gönnen? Was haltet ihr überhaupt von der Idee eines Widescreen-Monitors? (Der Autor auf Twitter: @derdahni)

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01. Mrz 2015 um 15:21 Uhr von Daniel Fehler gefunden?


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