Setzt feine Wasserstrahlen vor die Wischwalze
ECOVACS X12 ausprobiert: Beutellose Basis, doppelter Sprühstrahl
Mit dem DEEBOT X12 OmniCyclone hat ECOVACS sein Premium-Portfolio kürzlich um einen Saugroboter erweitert, der Saugen, Wischen und zusätzliche Oberflächen Vorverhandlung mittels Sprühstrahl miteinander verbinden soll. Das neue Flaggschiff des Anbieters ist im Rahmen des Prime Day aktuell für 799 Euro erhältlich und liegt damit deutlich unter der unverbindlichen Preisempfehlung von 1.499 Euro.
Die beiden Sprühdüsen sind das große Alleinstellungsmerkmal des X12
Herzstücke des Geräts sind die neue FocusJet-Technologie zur Fleckenvorbehandlung, die OZMO Roller 3.0 Wischwalze sowie die beutellose OmniCyclone-Station. Laut Hersteller soll der Roboter insbesondere hartnäckige Verschmutzungen zuverlässiger entfernen und gleichzeitig viele Wartungsarbeiten selbst übernehmen.
Nach mehreren Wochen im Alltag zeigt sich schnell, dass der X12 einen etwas anderen Ansatz verfolgt als viele seiner direkten Konkurrenten. Während die Hardware-Verarbeitung und Materialanmutung aus unserer Sicht nicht ganz das Niveau aktueller Topmodelle von Roborock oder Dreame erreichen, setzt ECOVACS konsequent auf einen möglichst hohen Automatisierungsgrad.
Der Sauger läuft vollautomatisch im Agent-Mode oder mit zig Einstellungen im Standard-Betrieb
Im Alltag mussten wir erstaunlich selten eingreifen oder Einstellungen nachjustieren. Der Roboter erledigt den Großteil seiner Aufgaben selbstständig und trifft viele Entscheidungen automatisch. Ein weiteres Merkmal, das ihn von vielen Wettbewerbern unterscheidet, ist die beutellose OmniCyclone-Station. Sie spart nicht nur Folgekosten, sondern reduziert auch den Wartungsaufwand im täglichen Betrieb.
Wischleistung gehört zu den größten Stärken
Uns ist im Alltag aufgefallen, dass die Wischfunktion klar zu den größten Stärken des X12 gehört. Vor allem in Küche und Essbereich, wo regelmäßig eingetrocknete Spritzer oder Fußabdrücke entstehen, arbeitet der Roboter sichtbar gründlicher als viele Modelle mit klassischen rotierenden Wischpads.
Alles dran, aber eher einfach verarbeitet: Die Unterseite des ECOVACS X12
Die Kombination aus FocusJet und OZMO Roller 3.0 funktioniert dabei überzeugend. Hartnäckige Flecken werden zunächst gezielt angefeuchtet und anschließend mit der Wischwalze aufgenommen. Dadurch wird Schmutz nicht einfach über den Boden verteilt. Gerade eingetrocknete Kaffee-, Saft- oder Soßenflecken waren nach einem Reinigungslauf häufig vollständig verschwunden, obwohl wir bei vergleichbaren Robotern oftmals einen zweiten Durchgang starten mussten.
Besonders gelungen ist dabei die FocusJet-Technologie. Erkennt der Roboter einen Fleck, setzt er gezielt zwei feine Wasserstrahlen vor die Wischwalze. Das erinnert optisch an die Sprühfunktion einer Fensterreinigungsflasche und löst angetrocknete Verschmutzungen vor dem eigentlichen Wischen spürbar an. Gerade bei klebrigen Rückständen konnten wir dadurch häufig beobachten, dass ein einziger Reinigungsvorgang ausreichte.
Setzt feine Wasserstrahlen vor die Wischwalze
Ganz fehlerfrei arbeitet die Erkennung allerdings nicht. Während unseres Praxistests im Kindergarten hatten wir kleine Tierpfoten als Bodenmarkierungen aufgeklebt. Diese grafischen Elemente interpretierte der X12 teilweise ebenfalls als Verschmutzung und behandelte sie mit der FocusJet-Funktion. Ähnliches passierte vereinzelt auch bei dunklen Astlöchern in Holzböden. Das zeigt, dass die Fleckenerkennung eher vorsichtig arbeitet und im Zweifel lieber einmal zu viel sprüht als einen echten Fleck zu übersehen.
Im Lieferumfang sind zwei Reinigungsflüssigkeiten enthalten, die von der Basis dosiert werden
Positiv fiel außerdem auf, dass die Wischwalze kontinuierlich mit Frischwasser gereinigt wird. Das Schmutzwasser wird gleichzeitig abgesaugt und direkt in den Schmutzwassertank transportiert. Dadurch bleibt die Reinigungsleistung auch auf größeren Flächen konstant. Der Hersteller verfolgt mit diesem Konzept bewusst das Ziel, bereits gelösten Schmutz nicht erneut auf dem Boden zu verteilen.
Kantenreinigung top, Navi nicht immer perfekt
Auch bei der Kantenreinigung sammelt der X12 Pluspunkte. Uns ist aufgefallen, dass die ausfahrbare Walze sehr nah an Fußleisten, Küchenzeilen und Möbel heranfährt. Gerade entlang von Schränken bleiben deutlich weniger Schmutzreste zurück als bei vielen Robotern mit klassischen Rundmopps.
Die Kartenkonfiguration lässt keine Wünsche offen, die gefahrenen Wege wirken stellenweise umständlich
Die automatische Teppicherkennung arbeitet zuverlässig. Sobald der Roboter einen Teppich erkennt, hebt sich die Wischwalze automatisch an und wird zusätzlich durch einen integrierten Schutzmechanismus abgedeckt. Dadurch blieben sämtliche Teppiche während unseres Testzeitraums trocken. Diese Technik gehört zu den zentralen Merkmalen des neuen Modells.
Die Navigation hinterlässt insgesamt einen guten Eindruck. Schuhe, Kabel oder Stuhlbeine werden zuverlässig erkannt und sauber umfahren. Im Alltag blieb der Roboter nur selten hängen. Ganz perfekt arbeitet die Routenplanung allerdings nicht. Uns ist mehrfach aufgefallen, dass der X12 gelegentlich etwas umständliche Wege fährt oder bereits gereinigte Bereiche noch einmal anfährt. Das verlängert die Reinigungszeit zwar etwas, wirkt sich auf das Reinigungsergebnis jedoch kaum aus.
Der X12 gestattet die granulare Beeinflussung fast aller Funktionen
Mit einer Bauhöhe von 98 Millimetern gehört der X12 außerdem nicht zu den flachsten Robotern. Unter sehr niedrige Sofas oder Sideboards gelangte er deshalb nicht immer.
Saugleistung überzeugt vor allem auf Hartböden
Beim Saugen liefert der X12 insgesamt ein gutes Ergebnis. Feiner Staub, Krümel sowie gröbere Verschmutzungen werden auf Hartböden zuverlässig aufgenommen. ECOVACS setzt hierfür auf eine Saugleistung von bis zu 22.000 Pascal.
Auf Teppichen arbeitet der Roboter ebenfalls ordentlich. Uns ist im direkten Vergleich allerdings aufgefallen, dass besonders tief sitzender Schmutz nicht ganz das Niveau der stärksten Teppichspezialisten erreicht. Wer überwiegend Hartböden besitzt, dürfte diesen Unterschied kaum bemerken. In Wohnungen mit vielen Teppichen gibt es jedoch Modelle, die hier noch etwas gründlicher arbeiten.
- Saugleistung: 22.000 Pa, Luftstrom 22 l/s
- Navigation: dToF mit AIVI 3D 4.0 Hinderniserkennung
- Akku: Li-Ionen, 4.000 mAh
- Laufzeit: bis zu 497 Minuten (Standardmodus Saugen & Wischen)
- Ladezeit: ca. 2 Stunden 25 Minuten
- Staubbehälter (Roboter): 250 ml
- Wassertank (Roboter): 110 ml
- Wassertanks (Station): 3,5 l Frischwasser / 2,7 l Schmutzwasser
- Staubbehälter (Station): 1,6 l, beutellos
- Abmessungen Roboter: 35,3 × 35,1 × 9,8 cm
- Abmessungen Station: 38 × 49,3 × 46,5 cm
- Gewicht: 16,5 kg (inkl. Station)
Zu den größten Stärken zählt dagegen das Haarmanagement. Lange Haare und Tierhaare verfangen sich kaum in der Hauptbürste. Während des gesamten Testzeitraums mussten wir die Bürste deutlich seltener reinigen als bei vielen anderen Saugrobotern.
Beutellose Station reduziert den Wartungsaufwand
Die OmniCyclone-Station gehört für uns zu den gelungensten Bestandteilen des Gesamtsystems. Dass ECOVACS auf Staubbeutel verzichtet, spart langfristig Folgekosten. Gleichzeitig übernimmt die Station das automatische Entleeren des Roboters sowie die Reinigung und Trocknung der Wischwalze. Laut Hersteller sind bis zu 48 Tage Betrieb ohne manuelle Staubentleerung möglich.
Die Basis des ECOVACS X12 verzichtet auf Beutel und fängt den Schmutz mit einem Zyklon
Im Alltag funktionierte die automatische Entleerung zuverlässig. Ein kleines Detail könnte allerdings komfortabler gelöst sein: So lässt sich der Staubbehälter des Roboters nach dem Entleeren nicht immer auf Anhieb wieder einsetzen lässt. Wird er leicht schräg angesetzt, kann er etwas verkanten. Nach kurzer Gewöhnung gelingt das zwar problemlos, etwas mehr Führung beim Einsetzen wäre dennoch wünschenswert gewesen.
Der Staubbehälter im Roboter selbst fällt mit 250 Millilitern außerdem eher klein aus. In Haushalten mit vielen Tierhaaren oder größeren Mengen Schmutz muss die Station deshalb häufiger automatisch entleeren. Dank der automatischen Absaugung fällt das im Alltag allerdings nur selten störend auf.
Beutellos sammelt die Basis den Schmutz in einem Zyklon-Zylinder
Praktisch ist auch PowerBoost Charging Plus. Während kurzer Aufenthalte an der Station lädt der Roboter den Akku bereits während der Reinigung nach und kann größere Flächen häufig ohne längere Ladepause fertigstellen.
Umfangreiche App mit vielen Einstellmöglichkeiten
Die ECOVACS-Home-App bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Roboter an die eigenen Wohnverhältnisse anzupassen. Räume lassen sich individuell einteilen, Sperrzonen anlegen und Reinigungspläne komfortabel erstellen. Auch die Bedienung wirkt insgesamt übersichtlich, sodass die wichtigsten Einstellungen schnell gefunden sind.
Auch die Basisstation lässt sich sehr fein konfigurieren
Ergänzt wird das System durch die neue Planungsautomatik YIKO 2.0, die laut Hersteller Reinigungsparameter wie Saugkraft, Wasserzufuhr und Routenführung automatisch an Wohnsituation und Nutzungsverhalten anpasst. Darüber hinaus steht eine integrierte Sprachsteuerung zur Verfügung, über die sich der Roboter per Sprachbefehl bedienen lässt.
Wir haben diese Funktion im Test allerdings bewusst nicht genutzt. Im Alltag setzen wir bei Saugrobotern grundsätzlich auf die Smartphone-App und sehen wenig Mehrwert darin, für jedes neue Gerät einen eigenen Sprachassistenten zu verwenden. Zur Qualität und Alltagstauglichkeit der Sprachsteuerung können wir daher keine fundierte Aussage treffen. Die App selbst liefert hingegen eine vergleichsweise übersichtliche Bedienung und zahlreichen Einstellmöglichkeiten, sodass wir während des gesamten Testzeitraums keine Funktionen vermisst haben.
Auch die Basisstation lässt sich sehr fein konfigurieren
Nach mehreren Wochen im Alltag hinterlässt der ECOVACS X12 OmniCyclone insgesamt einen ausgewogenen Eindruck. Seine größten Stärken liegen eindeutig bei der Wischleistung, der Kantenreinigung, dem sehr guten Haarmanagement und der wartungsarmen OmniCyclone-Station. Kleinere Schwächen zeigt er bei der Effizienz der Navigation, der Teppich-Tiefenreinigung sowie beim etwas fummeligen Wiedereinsetzen des Staubbehälters. Insgesamt bietet der X12 jedoch ein stimmiges Gesamtpaket für Haushalte, in denen Hartböden den größten Teil der Wohnfläche ausmachen.








