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Seit 2017 verhandelt

Bundesgerichtshof: Händler haften nicht für Amazon-Bewertungen

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Der Bundesgerichtshof hat mit seinem heutigen Urteil (I ZR 193/18) ein Verfahren beendet, das bereits im Herbst 2017 vor dem Landgericht Essen und ein Jahr später vor dem Oberlandesgericht Hamm verhandelt wurde. Geklärt wurde die Frage, inwiefern auf Amazon auftretende Händler für die Bewertungen ihrer Produkte verantwortlich sind.

Bewertung Amazon

Amazon-Bewertungen: Sind Händler verantwortlich?

Jetzt hat der erste Zivilsenat des Bundesgerichtshofs entschieden, dass den Anbieter eines auf Amazon.de angebotenen Produktes für Bewertungen des Produkts durch Kunden grundsätzlich keine wettbewerbsrechtliche Haftung trifft.

Die Pressestelle des Bundesgerichtshof fasst den Prozess folgendermaßen zusammen:

Der Kläger ist ein eingetragener Wettbewerbsverein. Die Beklagte vertreibt Kinesiologie-Tapes. Sie hat diese Produkte in der Vergangenheit damit beworben, dass sie zur Schmerzbehandlung geeignet seien, was jedoch medizinisch nicht gesichert nachweisbar ist. Die Beklagte hat deshalb am 4. November 2013 gegenüber dem Kläger eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben. […]

Am 17. Januar 2017 bot die Beklagte bei Amazon Kinesiologie-Tapes an. Unter diesem Angebot waren Kundenrezensionen abrufbar, die unter anderem die Hinweise „schmerzlinderndes Tape!“, „This product is perfect for pain…“, „Schnell lässt der Schmerz nach“, „Linderung der Schmerzen ist spürbar“, „Die Schmerzen gehen durch das Bekleben weg“ und „Schmerzen lindern“ enthielten. Der Kläger forderte von der Beklagten die Zahlung einer Vertragsstrafe. Die Löschung der Kundenrezensionen lehnte Amazon auf Anfrage der Beklagten ab.

Der Kläger begehrt Unterlassung und Zahlung der Vertragsstrafe sowie der Abmahnkosten. Die Beklagte habe sich die Kundenrezensionen zu Eigen gemacht und hätte auf ihre Löschung hinwirken müssen. Falls dies nicht möglich sei, dürfe sie die Produkte bei Amazon nicht anbieten.

Nun hat der Bundesgerichtshof die Revision des Klägers zurückgewiesen und festgestellt: Der Händler muss für die Kundenbewertungen der bei Amazon angebotenen Produkte wettbewerbsrechtlich nicht haften.

Die Kundenbewertungen sind zwar irreführende Äußerungen Dritter, die Beklagte hat mit den Kundenbewertungen aber nicht geworben, noch hat sie sich die Kundenbewertungen zu eigen gemacht, indem sie die inhaltliche Verantwortung dafür übernommen hat. Die Kundenbewertungen sind vielmehr als solche gekennzeichnet, finden sich bei Amazon getrennt vom Angebot der Beklagten und werden von den Nutzerinnen und Nutzern nicht der Sphäre der Beklagten als Verkäuferin zugerechnet.

Donnerstag, 20. Feb 2020, 14:24 Uhr — Nicolas
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    • Sagt einem die Logik schon. Problem sind die Fake-Bewertungen. Händler können den „Umweg“ nehmen und Dinge die sie nicht behaupten dürfen dann dort eingliedern. Käufer A liest dann 10 Bewertungen und alle behaupten Eigenschaft XY. Der Händler ist fein raus und Käufer A kauft obwohl die Eigenschaft eben nicht gegeben ist.

      • Da stimme ich dir zu, schwieriges Thema.

      • „Dagegen“ nutze ich die App ReviewMeta.
        Ich kann das Produkt direkt aus der Amazon App heraus an die ReviewMeta App übergeben und die filtert nach zweifelhaften Bewertungen.

      • Was die Fake Bewertungen angeht muss Amazon schärfer vorgehen!
        Händler die erwischt werden sollten für mindestens 1-3 Jahre von der Plattform ausgeschlossen werden. Ich kenne eine Firma wo der eigene Geschäftsführer (mit seinem Klarnamen) bei Amazon die eigenen Produkte mit Bewertungen bewirbt. Was macht Amazon? Richtig: Nichts!
        Und selbst wenn würde Amazon max. die Bewertung entfernen und der Händler wird im schlimmsten Fall verwarnt. Das ist ein Witz! Für mich sieht das so aus als wenn Amazon das bewusst durchgehen lässt weil es insgesamt die Verkäufe auf der eigenen Plattform fördert und damit auch deren Einnahmen steigert.
        Amazon muss da hart durchgreifen ansonsten machen die Händler was sie wollen!

      • Ich stimme beiden Seiten zu…deshalb gebe ich so gut wie nichts auf Kommentare.

      • Und wie genau soll er sich so oft selbst bewerten? Mag sein, dass er sich über einen anderen Account selbst bewertet. Nur fällt das mit Sicherheit auf… Konto gesperrt, Umsatz weg!

      • @Ben Du glaubst gar nicht wie schnell Amazon ein Händlerkonto sperrt. Du kannst ja gerne mal im Sellerforum vorbei schauen.

      • Ohhh…da gibt es Dienstleister die dieses im Paket anbieten.

      • Naja was ist mit gekauften Bewertungen. Ich selbst habe mal für einen 200€ Artikel eine 3-Sterne-Bewertung abgegeben. Ausführlich begründet warum 3 Sterne und nicht mehr aber auch warum nicht weniger.
        2 Tage nach der Freischaltung bekam ich vom Verkäufer das Angebot das Geld zurück zu bekommen, wenn ich auf 4 Sterne ändere. Und den Hauptkritikpunkt wegnehme. Dafür sollte ich nichtmal den Artikel zurück senden.
        Fand interessant, was denen eine einzelne Bewertung wert ist.

      • Ist ja auch nichts anderes wie die Plattformen bei denen man für den Kauf und Bewertung eines Artikels den Artikel kostenfrei bekommt oder Gutscheine etc.

        Amazon macht das ja sogar selbst (Vine)

      • @Segey dann aber wahrscheinlich eher bei anderen Verstößen ;) Zum Beispiel wenn ein Händler sehr oft deutlich längere Lieferzeiten hat als angegeben. Oder wenn innerhalb von einem Tag das Fünffache an Bewertungen abgegeben wird als in den 24 Monaten davor ;)

  • Das neuste ist das die Händler einem einen Preisnachlass für eine gute Bewertung anbieten

    • Neueste? Du bist wohl noch nicht lange auf Amazon unterwegs. Ich biete schon seit Jahren, in einschlägigen Foren und Facebookgruppen, eine kleine Rückerstattung (5-10 EUR) für eine gute Rezension an und kann mich vor Anfangen kaum retten. Schon krass was die Leute für einen kleinen Rabatt alles machen. Wenn man keinen Crap verkauft ist das aber für alle ein Gewinn. Ich keine keinen Kollegen der das nicht auch so macht.

      • Du wunderst dich, was Leute für 5–10€ machen? Du kaufst praktisch Bewertungen, was ganz und gar verwerflich ist.

  • Am besten man reduziert seine Aktivitäten auf Amazon auf ein Minimum! Dann gibt es auch keine Probleme mit Fakebewertungen und dergleichen. Amazon wird mir in letzter Zeit immer unsympathischer. Das ganze System ist auf maximalen Gewinn optimiert und soll den Kunden zum Kauf animieren. Amazons Choice, Fakebewertungen, gesponsert bei, Rabatte, Black Friday-Monday-Week demnächst vermutlich Month. Ist schon jemand aufgefallen das Amazons Choice auch meist ein gesponsertes Produkt ist? Gesponserte Produkte bekommt man beim stöbern immer wieder vor die Nase gehalten, bis man es gekauft hat. Will man ehrliche Bewertungen veröffentlichen um Leute vor einem Produkt zu warnen wird es zu 99% nicht veröffentlicht, das ist mir schon ein paar mal passiert. Ich denke dass ein Großteil der Bewertungen auf jeden Fall gekauft sind. Mir wurden auch schon kostenlose Produkte für eine positive Bewertung angeboten. Ein schönes Beispiel ist der Hersteller Anker, meist Amazons Choice, es gibt fast immer Rabatt und die Bewertungen sind oft sehr gut, ich habe mit dem Hersteller völlig andere Erfahrungen gesammelt, es gibt keine Kulanz und die Produkte überlebten kaum die 24 Monate, ich habe schon einiges von Anker gekauft, quer durchs Sortiment. Am besten finde ich die Händlerbewertungen die über Amazon verschicken lassen, ist man unzufrieden und bewertest das dementsprechend, wird die Bewertung entweder gelöscht oder erst garnicht veröffentlicht, der Händler steht mit 100% Zufriedenheit gut dar und das nur weil er den Versandservice von Amazon nutzt. Hat man Probleme mit einem Produkt, nach dem ersten halben Jahr juckt das Amazon nicht mehr und man wird an den Hersteller verwiesen, Kulanz gibt es nur in den ersten 30 Tagen. Ich bin seit 2003 Amazon Kunde und konnte gut die Entwicklung von Amazon über die Jahre verfolgen. Überlegt euch gut ob ihr das wirklich braucht was ihr gerade im Warenkorb habt oder ob ihr nur aufgrund einer geschickten Präsentation oder Rabatt darauf gekommen seit.

    • Dafür rufst du bei Amazon an und selbst an Tagen wie dem Black Friday geht sofort jemand ohne große Wartezeit ans Telefon. Und egal was für ein Problem du hast, am Ende des Gesprächs bist du mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder glücklich. Das ist auch Amazon. Bei der mittlerweile vorherrschenden Marktmacht müssten sie das nicht so machen. Sie könnten das auch so machen wie viele andere (Online-)Händler und auf Kundenservice schei***. Es wird immer Vor- und Nachteile geben.

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