Kinderecke: Entwickler-Interview mit “Urbn Pockets”

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Kleines Studio, große Ideen. Urbn Pockets macht Bildungs-Apps auf der Höhe der Zeit: klares Konzept, geradliniges Design, ganzheitlicher pädagogischer Ansatz. Kinder-Apps sind für die sechs Entwickler mehr als ein Unterhaltungsmittel.

Sie sind Möglichkeiten, neugierig auf die Welt zu machen. 

Anlässlich der neuen App „Pocket Egg Race“ (AppStore-Link), einem geselligen Brettspiel, habe ich mit urbn; pockets über Sinn und Zweck ihrer App, Glücksfälle und Umsatzzahlen gesprochen.

ifun: Wie habt ihr mit der App-Entwicklung angefangen?

Urbn Pockets: Mit der Vorstellung des iPads, quasi noch an dem Abend kam die Entscheidung: Jetzt wollen wir die erste App umsetzen. Das ganze war als Idee einer anderen Art des Lernens angelegt. Lernen ist Arbeit, aber es sollte nicht so frustrierend sein wie ein dickes Heft, bei dem man weiß: „Ich hab jetzt Seite Eins gemacht – kommen noch 250“.

ifun: Trotz pädagogischem Anspruch werden Apps in Kinderhänden kritisch beäugt. Die Diskussionen lesen sich manchmal wie Geschichten aus dem neuen Struwwelpeter.

Urbn Pockets: Das Problem ist, dass die Eltern ihren Kindern das iPad geben und sagen: „Mach mal, in drei Stunden gibst du es mir zurück“. Das ist auch der Hintergrund, wie dieses „Pocket Egg Race“ funktioniert: Wenn man im Restaurant ist, dann sieht man häufig, wie den Kindern so ein Gerät gegeben wird. Dann sitzen da zehn Kinder mit iPhone und jeder daddelt für sich. Das hat uns auf die Idee eines Brettspiels gebracht: Wenn die Kinder schon Zeit für Medienkonsum haben, dann sollen sie da gemeinsam drauf tippen und es abwechselnd machen. Durch die enthaltenen Microgames bei „Pocket Egg Race“ kann jeder mal mit dem Gerät umgehen, ein Bisschen Geschicklichkeit üben, einmal um den Tisch laufen.

ifun: Hoffentlich kriegt der Kellner ein gutes Trinkgeld… Eure Apps suchen auch immer die Auseinandersetzung mit der physischen Welt. Bei der kleinen Rakete können die Kinder schreien, bei eurer Anatomie-App halten sie die Luft an, bei „Pocket Egg Race“ gibt es den Eierlauf.

Urbn Pockets: Man weiß natürlich nie, ob das alles so gemacht wird. Aber Kinder sind ja total offen für solche Sachen. Die wollen gar nicht nur an dem Gerät sitzen.

PocketEggRace2

ifun: Wie wird bei euch aus einer Idee eine App?

Urbn Pockets: Bei „Pocket Egg Race“ haben wir uns hingesetzt und gesagt: „Ok, wie wäre es, wenn wir einmal den Weg vom Bauernhof zum Tisch machen und Kinder erleben, woher das Ei kommt, das sie morgens essen.“ Je mehr wir im Team darüber gesprochen haben, desto klarer wurde: „Lasst uns weniger Informationen und mehr Interaktion, mehr Spielerisches machen“. Apps zu entwickeln ist für uns ein großes Spielfeld. Wir wollen natürlich auch dabei Dinge ausprobieren, lernen, Spaß bei der Umsetzung haben. Mit dem Hintergedanken, dass den Spaß, den wir haben, auch die Kinder haben.

ifun: Klingt, als wäre der kommerzielle Erfolg einer App zweitrangig.

Urbn Pockets: Unser Glück ist es, dass wir keine Umsatzzahlen erreichen müssen…

ifun: …weil ihr mit eurer Webdesign-Firma ein festes Standbein habt…

Urbn Pockets: …Wir gehen an die Entwicklung einer App frei ran. Jeder bringt seine Ideen ein. Die Frage, ob das kommerziell funktionieren kann oder nicht, gibt es bei uns nicht. Es gibt zwar eine Grundphilosophie: dass die App kein Quatsch ist, dass sie kein In-App-Purchase hat, keine Werbung. Aber uns ist vor allem wichtig, dass wir hinter dem stehen, was wir machen.

urbnpockets Die sechs Entwickler in ihrem Studie in Berlin-Mitte

ifun: Wobei ihr euch diese Freiheit eben auch leisten könnt. Wie seht ihr die generellen Chancen für unabhängige Entwickler?

Urbn Pockets: Es wird in Zukunft schon schwer werden, weil große finanzielle Interessen dahinter stehen. Ein Bisschen ist es jetzt so wie Mitte der 90er, als kleine Firmen ziemlich schnell etwas publizieren konnten. Aber dieses Rad dreht sich heute viel viel viel schneller und es wird immer professionalisierter. Trotzdem kann man mit einer Idee, kann so ein kleines Studio wie wir es sind, Apps machen.

ifun: Viele Entwickler scheitern an zwei Problemen: Das eine ist der Preis, zu dem sie ihre Arbeit verkaufen müssen, wenn sie überhaupt eine Chance auf dem Markt haben wollen…

Urbn Pockets: …Viele Apps kosten 89 Cent. Günstiger geht es ja nicht, wenn man sie verkaufen möchte. Im deutschen Bereich achten die Leute sehr auf das Geld.

ifun: Der andere kritische Punkt ist die Wahrnehmung…

Urbn Pockets: …Das ist ein ganz großes Problem: Es gibt eine Menge guter Apps, die man gar nicht finden kann. Das hängt mit der schieren Masse zusammen. Da hilft auch eine bessere Suche nichts. Unser Glück war es, dass unsere ersten zwei Apps „App of the Week“ wurden. Dann wirst du wahnsinnig wahrgenommen. Wir sind uns bewusst, dass es wirklich Glück war. Wir haben natürlich wahnsinnig viel Arbeit und Herzblut reingesteckt. Aber das machen Viele.

ifun: Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Urbn Pockets: Jetzt läuft es super. Aber wer weiß, was in zwei Jahren ist. Das Webdesign haben wir als großen Pool, andererseits natürlich auch als Ausgleich zur App-Entwicklung. Man kann sich auf eine andere Richtung konzentrieren. – Dennoch verschieben sich gerade die Grenzen zwischen beiden Feldern. Obwohl die App erst seit knapp drei Wochen fertig ist und wir parallel an Updates arbeiten, beginnen alle schon wieder mit kleinen Ideen. Wenn wir ein Meeting für urbn; interaction haben, kommt gleich danach: „Ah ich habe da noch eine Idee oder können wir nicht mal…“.

ifun: Vielen Dank für das Gespräch.


Johanna RosenfeldJohanna Rosenfeld schreibt in ihrem Blog besonderekinderapps.de über freche, schlaue, kluge und schöne Apps für Kinder – unabhängig und ohne Werbebotschaften.

Die Buchautorin, Illustratorin und junge Mutter lebt und arbeitet in Berlin, schreibt in der Kinderecke auch für ifun.de und freut sich über einen Besuch auf ihrer Facebook-Seite.

Diskussion 3 Kommentare.
Dieser Unterhaltung fehlt Deine Stimme.
    • Denkst du…
      Früher wurden kinder auch noch von ihren Eltern gehauen (wenn se wirklich was schlimmes gemacht haben, ich mein jetzt nicht die “mein Kind ist mein Aggressionsball” Eltern), trotzdem gabs damals nicht mehr Amokläufe an Schulen als heute…

      — kleiner Pirat

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