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Was hat Harald Schmidt mit Podcasting zu tun?

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Seit 2 Wochen bietet der iTunes Music Store mit iSchmidt einen „wöchentlichen Entertainment-Kommentar“ auf iTunes an. Geht es um den Unterhaltungswert des 20 Minuten-Files, scheiden sich wie immer bei Harald Schmidt die Geister. Man bekommt zweifellos nette Gags geliefert, Schmidt tritt wohl ziemlich bewusst in so manches Fettnäpfchen, und man kann 99 Cent mit Sicherheit deutlich schlechter investieren. In seiner Show vom 17. August fordert Schmidt allerdings ein hohes Maß an Schmerzfreiheit von Hörern, denen zum Thema „Podcasting“ mehr als nur iSchmidt einfällt. Doch von vorne …

Nach dem Start der Serie konnte man beispielsweise bei Netzwelt.de lesen „Wird Podcasting erwachsen? „iSchmidt“ auf Sendung“ und weiter dann vom „ersten kostenpflichtigen Podcast im iTunes Music Store“. Die Online-Zeitung war mit ihrer Meinung, dass der Akt, ein gesprochenes Audiofile zum Download anzubieten genüge um den Titel Podcast zu führen, durchaus nicht alleine. Ist der Begriff Podcast nun in aller Munde, ist es einfach zu verlockend für die Schar der Schreiber- und Sprecherlinge, den coolen und dazu noch mit dem Lifestyle-Gimmick schlechthin, dem iPod, verwandten Begriff durchzunudeln wo es nur geht. Auch ein schlichtes Audiofile aus dem All wurde zum ersten „Podcast von Outer Space“.

Bullshit! So schön die Tatsache, dass sich durch den aktuellen Trend namens „Podcasting“ unheimlich viel tut im Netz, und Entertainer wie Raumschiffkommandanten technisches Neuland betreten auch ist, von einem Podcast zu sprechen weil ein Audiofile zum Download angeboten wird quittieren wir mit „Setzen, 6!“.
„Podcasting meint das automatische Herunterladen von Audio-Dateien aus dem Internet“ sagt Wikipedia und genau das ist es was wir wollen.

Das soll nicht heißen, dass wir jetzt keinen iSchmidt mehr hören und auf euphorische Botschaften aus dem All verzichten müssen. Aber ein Großteil der Verantwortlichen bei iTunes, Audible, meinetwegen der NASA und vor allem Heerscharen von Journalisten haben ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht, vielleicht höchstens damit angefangen.
Mit einem echten iSchmidt-Podcast hätte iTunes – zumindest in Deutschland – einen gewaltigen Schritt nach vorne getan. Im Gegensatz zu Abonnements von Musikdownloads machen Abos von Audiomagazinen unserer Meinung Sinn und bieten dem Käufer angenehmen und dem technischen Fortschritt angemessenen Komfort. Der Vergleich mit der analogen Vergangenheit spricht doch Bände: kein Mensch abonniert Musik-CDs, dagegen ist bei Tageszeitungen oder Magazinen das Abonnement ganz klar „system of choice“.

Audible fährt zumindest in den USA bereits auf dem richtigen Dampfer. Dort gibt es seit geraumer Zeit für jeden Kunden einen eigenen Podcast-Feed, über den dieser seine Zeitungs- oder Magazin-Abos automatisch geliefert bekommt. Dies macht sowohl Sinn bei Angeboten wie der New York Times, die sich während dem Frühstück auf den iPod legt und dann im täglichen Stau zum Arbeitsplatz im Auto gehört werden kann, wie auch bei in größeren Zeiträumen erscheinenden Publikationen, die man hin und wieder sonst auch schlicht einmal vergisst herunterzuladen bzw. bei denen man sich das ständige Kontrollieren erspart, ob denn die neue Ausgabe bereits online steht.

Wo geht es hin mit Podcasting? Eine nicht für alle Teilnehmer schmerzfreie Diskussion. Zweifellos werden auf Dauer die kommerziellen Varianten dominieren, die Gesetze der Marktwirtschaft lassen keinen anderen Schluss zu. Dies allerdings bedeutet keinesfalls, was Harald Schmidt in seiner letzten iSchmidt-Ausgabe erbärmlich platt formuliert: „Was nichts kostet ist auch nichts wert“. So einfach hat sich das auch die Musikindustrie in vergangenen Zeiten vorgestellt …

Um einer kostenlosen Konkurrenz wie beispielsweise den Couchpotatoes wirklich etwas entgegen zu setzen, müssen seitens der „Industrie“ weitere Hausaufgaben gemacht werden, Schmidts Ablästern ist da sehr kurzsichtig. Podcasting bietet Profis wie Amateuren zunächst einmal die gleiche Basis. Natürlich ist ein großer Name stets hilfreich wenn es darum geht, den schnellen Euro zu machen, auf Dauer allerdings wird der Kunde kompetenter und sicherer in seinen Entscheidungen (wir haben Ähnliches am Beispiel der Blogs gesehen) und findet möglicherweise ein gleich- oder höherwertiges Angebot ohne einen Euro dafür zu bezahlen.
Auch kostenlose Angebote der großen Spieler gibt es inzwischen täglich mehr im Netz. Der Vorreiter Audibleblog beschränkt sich nicht auf Buchtipps sondern bietet inzwischen eigene Serien von Autoren und Journalisten, das Handelsblatt betreibt seit geraumer Zeit einen eigenen Podcast-Feed, erst kürzlich kamen Autobild und die Netzeitung dazu. Aus der Ecke der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten kommen derzeit beinahe täglich Meldungen zu existierenden oder neuen Projekten.

Die Frage ist wo bzw. wann sich dieser Kreis schließt. Können oder wollen die Anbieter anspruchsvoller und guter kostenloser Inhalte diese dauerhaft und zuverlässig anbieten? Den Einen oder die Andere wird möglicherweise eben dieser schnelle Euro locken. Andererseits wird „fresh content“ mit jedem Tag mehr aus dem Boden schießen – Konkurrenz, die das Geschäft stetig belebt.

Warten wir also ab was die nächsten Monate noch bringen. Das derzeitige Tempo der Entwicklung – heute vor einem Jahr exisiterte der Begriff Podcasting noch nicht – dürfte für jede Menge Abwechslung sorgen. Was sich durchsetzt entscheidet der Hörer. Wir erinnern uns, wie kläglich der Paris Hilton Podcast unterging, nachdem die ersten Folgen online waren und uns allen klar wurde, dass Miss Hilton besser im Stummfilm aufgehoben wäre.

Die perfekte Integration von Podcasts in iTunes hat nicht nur für ein immens gesteigertes Interesse am neuen Thema gesorgt, das Thema verschiebt sich vom technischen Aspekt auf den eigentlichen Fokus, die Inhalte. Es geht der breiten Masse zunehmends nicht darum wie oder warum der Feed funktioniert, es geht um die Qualität des Angebots. Ein Harald Schmidt lockt dann keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor weil er sich als Podcaster bezeichnet, der Hund wartet geduldig auf die leckeren Häppchen.

Sonntag, 28. Aug 2005, 11:11 Uhr — Nicolas
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