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Soundcheck: Tocotronic/ladotunes

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Wir werden zukünftig unter der Rubrik iFUN Soundcheck in Kooperation mit Labels, Bands und Medienpartnern musikbezogene News und Specials veröffentlichen. Starten wollen wir heute mit Tocotronic (aktuell auf Platz 3 der deutschen Longplay Charts) und einem Kurzreview des Online-Labelshops ladotunes.com.

Pure Vernunft darf niemals siegen

Die neueste tocotronische Maxime zeugt von großer Altersweisheit, sowie von pubertärem Trotz: PURE VERNUNFT DARF NIEMALS SIEGEN. Eine würdige Losung für ein neues Album. In ihr verbinden sich locker dreieinhalbtausend Jahre menschlichen Erkenntnisdrangs mit dreieinhalb Minuten maximierter Maßlosigkeit zu einem höheren Dritten. Jetzt haben TOCOTRONIC ihr ohnehin verschwenderisches Schaffen um eine verschwenderische Anzahl bewußtseinserweiternder Ebenbilder dieses Dritten bereichert. Es sind 13 wundersame Lieder von süßer Inbrunst und infektiösem Irrsinn. Sie handeln von Erfahrungen WEIT DRAUSSEN und kommen einem doch sehr nahe. Sie richten sich an alle, weil dem ruchlosen Regiment der Angst hier ein Riegel vorgeschoben wird. Etwa der hartnäckig verbreiteten Furcht vor Pathos und Peinlichkeit, der Tocotronic einen manischen Sog aus Passion und Pein entgegensetzen. Der Preis ist ein selbst gewählter Wandel auf dünnem Eis. Ein Seilakt über Schluchten der Selbstverschwendung und der Ohnmacht. Die Texte wissen davon einiges zu berichten.

Rockmusik, sofern sie gut ist, singt nicht von sicheren Häfen. Wie auch, sie kennt sie ja kaum. Unterwegs sein ist die Pflicht und das Ziel.

Also lichten Tocotronic den Anker, lösen die Leinen, und kommen in Fahrt: Mit ihnen ein druckvoller Rocksound klassischer Prägung, mit einem tiefen Leuchten im Gewinde. Die Band klingt so direkt und konturiert wie kaum zuvor. Wie haben sie das gemacht? Neun Tage in einem plüschverhangenen Berlin-Kreuzberger Studiokeller, weitere 5 Tage im Hamburger Soundgarden Studio und ein Trip nach Dänemark zum Abmischen mit Michel Ilbert (Hives, Cardigans) reichten aus, um die akustischen Rohskizzen in vollelektrische Traumgesichter von Songs zu verwandeln. War ihr letztes Studioalbum „Tocotronic“ von 2002 noch ein opulentes Bad in Milch und Honig, kongenial vom Produzenten Tobias Levin in Szene gesetzt, wurde der Sound für „Pure Vernunft darf niemals siegen“ gestrafft und konzentriert. An den wiederum kongenialen Reglern saß diesmal Moses Schneider (u.a. Beatsteaks). „Live“ mit nur wenigen Overdubs in Bandbesetzung eingespielt, rollen die neuen Songs auf schnelleren und riskanteren Rädern.

Es gibt rasant voranpreschende Hypno-Mover wie den mächtigen Opener „Aber hier Leben, nein danke“, aber auch entfesselten Toco-Folk (Titeltrack), driftende Pop-Melancholia („Angel“, „Gegen den Strich“), oder schwelende Balladen („Ich habe Stimmen gehört“). Ingesamt allerdings dominiert präzise pulsierender Gitarrenrock das Album, deutlich bemerkbar ist dabei der Zuwachs einer zweiten Gitarre. Tocotronic sind nämlich jetzt zu viert. Neben Dirk von Lowtzow (Gesang, Gitarre), Jan Müller (Bass) und Arne Zank (Drums) ist Rick Mc Phail, bekannt als unterstützender Keyboarder bei Konzerten, nunmehr als Gitarrist mit an Bord.

Der Sound auf „Pure Vernunft darf niemals siegen“ schickt Dirk von Lowtzows illusionstrunkene Lyrics geradewegs in Mark und Bein, ähnlich einem köstlichen Gift, das unverzüglich wirkt. Mit dunkel getöntem Timbre und waghalsiger Phrasierung hängt er irreale Bilder wie verbotene Früchte in die Wipfel der Musik. Sie sprechen von Glanz und Chaos, Erleuchtung und Umnachtung, von der Zerrissenheit zwischen „höchsten Höhen“ und „tiefsten Tiefen“. Die Texte halten sich nicht mehr mit Anspielungen auf. Dabei geht es um mehr als ein Spiel mit Stimmungen, es geht um’s Ganze.

Tocotronic machen ein leidenschaftliches Angebot. Wer es annimmt und sich anvertraut, wird schon sehen. Das Album ist online für 9.90 Euro bei ladotunes.com erhältlich.
Auf tocotronic.de ist der Song Mein Prinz (Single Edit) zudem kostenlos erhältlich.
Text: Peter Abs

ladotunes.com

ladotunes.com ist der Downloadshop der beiden Labels L’Age d’Or und ladomat2000. Hier finden sich mit Künstlern wie Die Sterne, Spillsbury, VonSpar, Hans Nieswand oder Golden Boy weitere gute Bekannte aus der deutschen Indie- und Elektroszene.
Alle Songs werden als MP3 oder OGG für jeweils 96 Cent angeboten, für ein komplettes Album fallen in der Regel 9.90 Euro an und auf die online gekauften Songs gibt es keine Kopier- oder Brennbeschränkung für den persönlichen Gebrauch.
Bezahlt werden kann momentan nur per Kreditkarte oder FirstGate, zukünftig wird es zusätzlich im Mailordershop von lado (ladoshop.de) die Möglichkeit geben, Gutscheine per Überweisung oder Bankeinzug zu erstehen.
Die technische Grundlage für ladotunes.com ist übrigens finetunes.de, der deutsche Indie-Onlineshop.

Montag, 31. Jan 2005, 8:56 Uhr — Nicolas
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