Satelliteninternet ohne Anbieterbindung
Sharp entwickelt universelle Satellitenantenne als Starlink-Alternative
Wer heute Satelliteninternet über Starlink nutzt, ist weitgehend an die Hardware von SpaceX gebunden. Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter erfordert üblicherweise auch eine neue Antenne. Der japanische Elektronikkonzern Sharp möchte das langfristig ändern und entwickelt ein kompaktes Satellitenterminal, das mit mehreren Netzen kommunizieren können soll. Die Technik könnte den Wechsel zwischen Anbietern vereinfachen und bei Störungen alternative Verbindungen ermöglichen.
Aktuell ist Starlink der Platzhirsch unter den Satelliteninternet-Anbietern.
Eine Antenne für mehrere Satellitennetze
Hinter dem Vorhaben steckt die Idee, verschiedene Satellitenkonstellationen über eine gemeinsame Empfangseinheit anzusprechen. Dabei geht es nicht nur um einzelne Betreiber, sondern auch um Satelliten in unterschiedlichen Umlaufbahnen. Sharp arbeitet bereits gemeinsam mit Japan Radio und SKY Perfect JSAT an einer entsprechenden Multi-Orbit-Lösung.
Das Forschungsprojekt berücksichtigt geostationäre Satelliten (GEO), Systeme in mittleren Erdumlaufbahnen (MEO) und niedrig fliegende Satelliten (LEO). Ziel ist es, bei Bedarf zwischen den Verbindungen wechseln zu können. Das könnte insbesondere in Katastrophengebieten oder bei kritischer Infrastruktur von Vorteil sein.
Die Entwicklung richtet sich zunächst vor allem an professionelle Anwendungen. Denkbar sind Einsätze beim Militär, bei der Fernsteuerung von Baumaschinen oder in autonomen Fahrzeugen. Aber auch für private Nutzer könnte eine solche Technik langfristig interessant werden.
Erst kürzlich stellte SpaceX neue Starlink-Hardware vor.
Ohne Zustimmung der Anbieter geht es nicht
Ob die Antenne tatsächlich mit Starlink funktionieren wird, steht allerdings noch nicht fest. SpaceX nutzt für sein Satellitennetz eigene Empfangstechnik, Verschlüsselung und Verfahren zur Authentifizierung. Eine technisch geeignete Antenne allein reicht deshalb nicht aus. Auch der Netzbetreiber müsste die Nutzung entsprechender Drittanbietergeräte erlauben.
Das gilt ebenso für andere Satellitennetze. Erst durch entsprechende Vereinbarungen ließe sich die erhoffte Freiheit beim Anbieterwechsel tatsächlich umsetzen. Bislang gibt es keine bestätigte Liste unterstützter Dienste.
Sharp strebt eine Markteinführung entsprechender Terminals um 2030 an. Konkrete Informationen zu Preisen, Übertragungsraten, Abmessungen oder zur Verfügbarkeit für Privatkunden fehlen noch. Immerhin zeigt das Projekt, dass sich die Satellitenbranche zunehmend mit herstellerübergreifender Hardware beschäftigt.
Für heutige Starlink-Kunden ändert sich damit zunächst nichts. Langfristig könnte eine universelle Antenne aber ähnlich attraktiv werden wie ein Mobiltelefon, das sich unabhängig vom Hersteller in verschiedenen Mobilfunknetzen verwenden lässt.

