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Das SZ-Magazin regt zum Nachdenken an

Die Wahrheit über Kinder-Apps: Darum sollten wir vertrauen.

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Nie wird die Suppe heiß gegessen

Das SZ-Magazin beschäftig mal wieder das Thema „Apps in Kinderhänden“. Wie so oft gibt es auf die Frage „Ist eine mobile Applikation ein angemessenes Spielzeug für Kinder?“ ein entschlossenes „Vielleicht“. Bitte immer schön mittig fahren. Wir wissen ja noch nichts Genaueres: Studien zu den entwicklungspsychologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen kindlichen App-Konsums liegen in frühestens zwei, drei Jahren vor.

Bücher machen schlau

Gute Einsichten gab es in dem SZ-Artikel dann aber doch. Sie kommen von Stuart Dredge, der sich nicht artikelweise mit dem Thema beschäftigt, sondern die Entwicklungen schon seit geraumer Zeit für den Guardian beobachtet. Seine These: Hören wir auf, Apps für das Verschwinden der Bücher aus Kinderzimmern verantwortlich zu machen. Diese Entwicklung hat mit dem Fernseher eingesetzt, nicht mit dem Tablet-Computer. Im Gegenteil: Das iPad kann vielleicht sogar ins Kinderzimmer zurückholen, was der Fernseher zu verdrängen scheint – das Denken.

Ohne Zweifel macht selber Denken schlau und sind Bücher ein hervorragendes Werkzeug im Dienste dieser schönen Anstrengung. Die Gretchen-Frage, die bisher gerne im Schatten des erzieherischen Pathos‘ beantwortet wurde, welches wir beim Überreichen eines Buches gleich mitliefern, ist:

Wie schlau machen Apps?

Sicher, „Kleiner Fuchs Kinderlieder“ oder „Meine erste App“ sollen unterhalten und weder einen familiären Erinnerungskanon weiterreichen noch die Karriere fördern. Darin haben sie es vielleicht sogar leichter als Bücher, die oft mit einer dicken Puderschicht Bildungsanspruch und Familientradition überzogen werden bevor sie aus der Hand gehen.

Doch ihre Unterhaltung muss darum nicht anspruchslos sein. Die besondere Stärke mobiler Applikationen liegt in ihrer affektiven Komponente: Der Mensch ist nun mal ein sinnliches Wesen. Wir reagieren schneller auf visuelle und auditive Reize als auf Buchstaben, deren Bedeutung wir im Kopf erst zusammensetzen müssen.

Dieser Umstand ist keine Kleinigkeit. Apps erleichtern Kindern den Zugang zu Sachverhalten und Kompetenzen, weil sie sie da abholen, wo Lernen ganz unmittelbar stattfindet: im Spiel.

Deswegen zeigen sich immer mehr Bildungseinrichtungen offen für ihren Einsatz. – Während über ihre Einführung in den privaten deutschen Haushalt von Talkshow-Experten weiterhin ein Bann verhängt wird.

Apps haben das große Potenzial, Inhalte sehr viel leichtfüßiger, praktischer zu vermitteln als manches Buch. Aber das bedeutet nicht, dass sie das Buch überflüssig machen. Apps und Bücher für Kinder spielen nicht etwa in einer anderen Liga. Sie spielen einfach nicht dasselbe Spiel. Und liefern dennoch auf ihre je ganz eigene Weise reichhaltigen Input für Kopf und Seele.

Wie schlau also machen Apps?

Kommt auf ihre Qualität an. Und da sind Nutzer ebenso gefragt wie Entwickler. Gute Ideen haben ihren Preis.

Klingt wie das Übliche. Ist es auch.

1. Kinder gehen mit offenen Sinnen durch die Welt. Das macht es so leicht, sie zu beeindrucken. Eltern und Erzieher müssen sich die Frage stellen, welche Erlebnisse sie in die Schatztruhe ihrer Kinder legen wollen. Vor allem vom asiatischen Markt schwappen mehr und mehr Spielekonzepte, welche mit den humanistischen Bildungsidealen, die hierzulande gerne propagiert werden, wenig gemeinsam haben. Sie bestehen aus glitterbunten glatten Abziehbildchen, auf die Baby raufpatschen kann – bumm! Pixel-Feuerwerk. Diese behavioristische Lernpsychologie, das Erlernen von Reiz-Reaktions-Mustern, gibt es oft für kostenlos oder weniger.

Wem das nicht reicht, der hat zugegeben leider oft ein Problem. Die Suche nach Qualität ist im App-Store kein leichtes Unterfangen. Ab iOS7 will Apple eine altersbezogene Suche einführen. Aber auch hier, wie schon bei den inhaltlichen Kriterien, nimmt der Entwickler selbst die Einordnung seines Produktes vor. Und wenn Bildungs-Apps für 6+ Jährige am besten funktionieren, wird die Marketingabteilung schnell darauf reagieren und Apps in diesem Sinne bewerben.

Noch gilt es einfach, selbst viel auszuprobieren. Dennoch ist auch immer mehr kritische Expertise im Feld vorhanden; Empfehlungen aus dem Freundeskreis ebenso wie professionelle Besprechungen.

2. Erst kürzlich machte der Bundesverband der Verbraucherzentrale wieder klar, wo bei Kinder-Apps tatsächlich nachgebessert werden sollte: Im Rahmen des Projekts „Verbraucherrechte in der digitalen Welt“ testete die Zentrale 32 kostenlose mobile Anwendungen. Das Ergebnis der Studie ist nicht überraschend, aber eine gute Erinnerung daran, dass die bunte Spielewelt immer noch ein rechnerisches Kalkül ist, in dem nur die Werbung frei Haus geliefert wird.

Mit seiner Kennzeichnung von In-App-Käufen und der Möglichkeit des Ausschlusses dieser in den gerätespezifischen Einstellungen versuchte Apple in der Vergangenheit bereits die Büchse der Pandorra wieder zu verschließen. Zusätzlich müssen Entwickler von Kinder-Apps ab iOS7 eine Datenschutzerklärung abgeben, die über Sammeln und Verwenden von personenspezifischen Daten informiert. Auch die Industrie bemüht sich, schwarze Schafe aus ihren Reihen auszuschließen und legt eigene Qualitätsstandards vor, die Vertrauen in ihre Produkte schaffen sollen.

Hätte sie besser nichts gesagt…

… denn die Schlussfolgerung ist ebenso trivial wie die Argumente selbst: Nutzer sind in der Pflicht, Angebote kritisch zu evaluieren. Viele würden ja wahrscheinlich auch keine chinesische Hartplastepuppe bei kik! ohne Prüfsiegel für 1,79 Euro kaufen. Dieses Bewusstsein für ein Mindestmaß an Sicherheit und Qualität braucht es auch beim Shopping im App-Store.

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30. Aug 2013 um 13:05 Uhr von Johanna Fehler gefunden?


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