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Stolz und Tischmülleimer

Can’t innovate anymore, my ass!

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«Can’t innovate anymore, my ass!» – Das Zitat des Apple-Managers Phil Schiller dreht seit der PR-Offensive Apples am vergangenen Dienstag seine Runden durchs Netz.

Wir wollen uns zwei Minuten Zeit nehmen, den rückblickend vielleicht etwas zu selbstsicheren Ausruf einzuordnen und eine Anekdote einstreuen, die auch all jene Leser, die Apples Bühnenpräsentation im Sommer 2013 nicht mitverfolgt haben, mit dem entsprechen Kontext versorgt.

Schiller Mac Pro

Also, lasst uns kurz zurückblicken: Es ist Anfang 2013 und Apple kämpft mit einem massiven Image-Problem. Der Apple-Fernseher (mit Fernbedienung im Fingerring) will und will nicht erscheinen, Apples Tim Cook muss während seiner Keynote auf der „Goldman Sachs Technology and Internet“-Konferenz erklären, warum Cupertinos Produkte so teuer sind und die Berichterstatter sind sich nach dem iPhone 4, der iPhone 4s und dem iPhone 5 sicher: Apple sind die Ideen ausgegangen.

Bei Apple ist die Luft raus

Die misslungene Einführung von Apple Maps, die seit Jahren unveränderte Optik des mobilen iOS-Betriebssystems und die überfälligen Produkt-Neuvorstellung im Pro-Segment provozieren damals nahezu tägliche kritische Artikel wie etwa „Apple’s Innovation Problem“ von Greg Satell oder diese kopfschüttelnde Bestandsaufnahme von Patrick Gibson.

Am Konsens in weitern Teilen der Community gibt es nichts zu rütteln: Bei Apple ist die Luft raus.

Kritik, die auch in Apples Chefetage ankommt und uns zum 10. Juni 2013 bringt.

Damals, vor genau 1396 Tagen, öffnete Apple die Türen seiner WWDC Entwickler-Konferenz und polterte der überraschten Entwickler-Gemeinde nicht nur das komplett neu gestaltete iPhone-Betriebssystem iOS 7 auf den Tisch, sondern lüftete auch das Geheimnis um den neuen Mac Pro.

Ein glänzender Zylinder in der Größe eines Tischmülleimers sollte zukünftig die Käsereibe aus Aluminium ablösen. Sechs Thunderbold-Ports sollten alle nur denkbaren Peripherie-Erweiterungen aufnehmen und der neue Formfaktor sollte für eine Revolution auf den Schreibtischen der Profi-Kunden sorgen.

Apples Phil Schiller wartete damals zwar noch den Video-Einspieler des neuen Mac Pro ab, konnte das triumphierende Statement in Richtung der anwesenden Presse beim Betreten der Bühne jedoch nicht unterdrücken: „Can’t innovate anymore, my ass!“

Bei Apple, so der mehr als deutliche Subtext, sei noch lange nicht die Luft raus. Anstatt sich auf den nach wie vor steigenden Umsätzen auszuruhen, hätte das Unternehmen die vergangenen Monate damit verbracht die stärkste Produktkategorie komplett neu zu erfinden.

Apples Stolz beißt Cupertino in die Wade

Die selbstbewusste Präsentation kam gut an – kommt nun aber, deutlich weniger selbstbewusst, wieder zurück.

Wie der Konzern am Dienstag vor einer Auswahl handgepickter Berichterstatter eingestehen musste, erwies sich die einst wegweisende Hardware-Architektur des Mac Pro als nicht sehr zukunftssicher.

Temperaturprobleme im Inneren des Mac Pro machten die kontinuierliche Aufwertung der verbauten Komponenten nahezu unmöglich, fehlende Anschlüsse und die Inkompatibilität zu neuen Monitor-Standards ließen den Tischmülleimer zum schnell alternden Zukunftsversprechen werden, das Apple nicht mehr einlösen konnte und drei Jahre unangetastet zum gleichen Preis verkaufte.

Das nun alles anders und mit einem neuen, modularen System auch wieder besser werden wird, hat Apple am Dienstag mehrfach Unterstrichen. 2017 soll es zwar noch nicht so weit sein, später aber…

Dennoch: Apple bleibt die Antwort auf die brennendste aller Fragen schuldig: Warum hat Cupertino dem Niedergang des Mac Pro so lange zugesehen und nicht schon viel früher gehandelt?

Nachdem Apple die Einstellung der hauseigenen Monitor-Sparte erst Ende Oktober bestätigte, im Rahmen der ungewöhnlichen Mac Pro-Vorankündigung nun jedoch versicherte, die neuen Maschinen wieder mit eigenen Monitoren ausliefern zu wollen, darf angenommen werden, dass die Arbeiten am neuen Mac Pro erst im Laufe des letzten halben Jahres in Angriff genommen wurden.

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06. Apr 2017 um 16:25 Uhr von Nicolas Fehler gefunden?


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