{"id":2346,"date":"2006-08-30T07:07:31","date_gmt":"2010-12-02T20:31:24","guid":{"rendered":""},"modified":"2010-12-02T20:31:24","modified_gmt":"2010-12-02T20:31:24","slug":"musikindustrie-halt-2-49-euro-pro-song-fur-angemessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ifun.de\/musikindustrie-halt-2-49-euro-pro-song-fur-angemessen-2346\/","title":{"rendered":"Musikindustrie h\u00e4lt 2.49 Euro pro Song f\u00fcr angemessen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/images.ifun.de\/wp-content\/mosimages\/images\/stories\/2006_08\/co-logo.gif\">Auf der bereits im dritten Jahr stattfindenden Branchenveranstaltung <a href=\"http:\/\/www.c-o-pop.de\/\" target=\"_blank\">C\/O POP<\/a> pr\u00e4sentierten sich Vertreter von Musikindustrie und Rechteverwertung letzte Woche in K\u00f6ln erschreckend inkompetent und unrealistisch hinsichtlich ihrer Vorstellungen rund um die Zukunft des digitalen Musikvertriebs. Die Kernaussage der Vertreter von Majorlabels und GEMA ist, dass Musik und Filme im Internet derzeit viel zu billig angeboten w\u00fcrden. Neue inhaltliche und technische Tendenzen im Internet werden als Spinnerei abgetan und man zeigt sich einmal mehr nicht in der Lage, eine Entwicklung flexibel zu begleiten und die eigenen Chancen dabei zu suchen und zu nutzen.<\/p>\n<p>\n<strong>2.49 pro Song<\/strong><\/p>\n<p>\nWer denkt, wir h\u00e4tten das Schlimmste hinter uns, t\u00e4uscht sich. Apple hat den Verkauf digitaler Musik durch attraktive Preise und einen anwenderfreundlichen iTunes Musik Store enorm angekurbelt. Doch bei der Musikindustrie kann sich dar\u00fcber scheinbar niemand so recht freuen. Konsequent wird verweigert, eigene Kostenstrukturen zu \u00fcberdenken sowie die neuen Verh\u00e4ltnisse bei Preiskalkulationen zu ber\u00fccksichtigen, und so kommt Christopher Gersten von Universal zu einem &#8222;realistischen Preis&#8220; von 1.99 pro Song w\u00e4hrend ein Vertreter der Filmbranche gar bis zu 2.49 Euro unausweichlich kommen sieht.<br \/>\nSehr interessant waren in diesem Zusammenhang die Erfahrungsberichte eines &#8222;Buchh\u00e4ndlers&#8220;. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Random House Audio, Karl Heinz P\u00fctz, strahlt beim Gedanken an den Onlinevertrieb von H\u00f6rb\u00fcchern \u00fcber beide Backen. Der Wegfall des physischen Produkts sorgt f\u00fcr Einsparungen bei der Produktion und Lagerhaltung, Kosten f\u00fcr R\u00fccknahme und Entsorgung der nicht verkauften Ware fallen weg. Dadurch kommt ein Preisnachlass von 30 Prozent f\u00fcr online gekaufte H\u00f6rb\u00fccher zustande. Random House verkauft von einzelnen Titeln bereits \u00fcber 50 Prozent \u00fcber das Internet.<br \/>\nAuch wenn sich das Gesch\u00e4ft mit H\u00f6rb\u00fcchern nicht 1:1 auf den digitalen Musikvertrieb \u00fcbertragen l\u00e4sst, es zeigt sich, dass hier grunds\u00e4tzlich neu kalkuliert und strukturiert werden muss anstatt weiter in alte Sessel zu furzen. Teils d\u00fcrfte das verbissene Klammern der Manager der Musikindustrie an alte Strukturen dann auch der verzweifelte Versuch sein, den eigenen Arbeitsplatz gegen den fesch pfeifenden Wind aus v\u00f6llig neuen Ecken abzuschotten.<\/p>\n<p>\n<strong>Wissen und Halbwissen<\/strong><\/p>\n<p>\nDieser neue Wind weht dann offensichtlich auch erfolgreich an einigen Innovationsverweigerern vorbei. Zwar ist Unwissenheit keine Schande, doch sollte man ein gewisses Mindestma\u00df an Offenheit und Kommunikationsbereitschaft an den Tag legen um Lernbereitschaft zu demonstrieren. Reagiert man allerdings auf Kritik und Nachfrage derart plump und beleidigend wie der Autor Ralf Niemczyk, so scheint eine verflucht tiefe und b\u00f6se eiternde Wunde getroffen. Dieser moderierte ein Panel zum Thema &#8222;Neue Strategien f\u00fcr die New Economy 2.0&#8220;, in dem sich unter anderen die Vertreter von Universal und Jamba an ihren neu gelaunchten Web 1.0-Projekten &#8211; einem Online-Musikmagazin und einem Downloadstore &#8211; weideten. Auf Nachfrage, wo bitte hier das 2.0 zu finden sie, verhaspelte sich Niemcyk in einem peinlichen Bashing auf die &#8218;Exhibitionisten des Web&#8216; (gemeint waren die Blogger) und hinterlie\u00df zum Ende der Diskussion ein recht verunsichertes Publikum. Mit dabei war auch hier Gersten von Universal, f\u00fcr den Web 2.0 wahlweise ein alter Hut, &#8222;das gibt es doch alles seit 10 Jahren&#8220;, oder aber eine Klingelton-Allianz mit Jamba ist: &#8222;ich k\u00f6nnte mir z.B. vorstellen, dass wir mit Jamba zusammen einen Christina Aguilera-Klingelton machen und auf beiden Plattformen anbieten&#8220;. Solche Aussagen offenbaren dann, wie es um Kompetenz und Ideen in der Branche wirklich bestellt ist und vor allem, wie weit man inzwischen von den Interessen der Verbraucher entfernt ist.<\/p>\n<p><p>\n<strong>Spannende neue Wege<\/strong><\/p>\n<p>\nInteressantere Ansichten und wohl deutlich mehr Kompetenz konnten die beiden &#8218;Underdogs&#8216; in diesem Panel vorweisen. So behauptet sich <a href=\"http:\/\/www.laut.de\/\" target=\"_blank\">laut.de<\/a> nun schon seit einigen Jahren erfolgreich als Online-Musikmagazin. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Rainer Henze scheint sich den Herausforderungen M\u00f6glichkeiten des neuen Web bewusst und sammelt mit Projekten wie <a href=\"http:\/\/www.laut.de\/klublandschaft\/\" target=\"_blank\">Klublandschaft.de<\/a> bereits erste Erfahrungen.<br \/>\nSpannende Ans\u00e4tze kommen auch vom Indie-Downloaddienst <a href=\"http:\/\/www.7digital.com\/\" target=\"_blank\">7digital<\/a>. Die Briten bieten neben ihrem Downloadstore f\u00fcr DRM-freie Musik mit dem <a href=\"http:\/\/www.indiestore.com\/\" target=\"_blank\">Indiestore<\/a> eine Verkaufs- und Communityplattform f\u00fcr unabh\u00e4ngige K\u00fcnstler und wollen demn\u00e4chst auch mit einer deutschen Dependance online gehen.<\/p>\n<p>\nEines scheint sicher. Sollten sich tats\u00e4chlich die momentan schlichtweg irrsinnig anmutenden Preisvorstellungen der Musikindustrie bei Anbietern wie iTunes oder Musicload durchsetzen, so werden die Alternativangebote davon profitieren. Die Rechnung ist einfach: was durch den Wegfall von Labels und wohl auch GEMA gespart weden kann, ist nicht von schlechten Eltern. Da kann man im Direktvertrieb deutlich g\u00fcnstiger anbieten und hat letztendlich immer noch mehr in der Tasche.<br \/>\nKlar f\u00e4llt dann vielleicht das eine oder andere Sternchen unter den Tisch, aber auch das l\u00e4sst sich positiv sehen: Kulturellen Anspruch und k\u00fcnstlerisches Engagement gibt es im zum fairen Preis, wer Tokio Hotel will, der bezahlt Schmerzensgeld. So wird das Zugrunderichten der Kultur gestoppt, nicht durch h\u00f6here Urheberechtsabgaben! Zudem werden immer weniger Kunden bereit oder auch \u00fcberhaupt dazu in der Lage sein, derart \u00fcberteuert einzukaufen. Die Musikindustrie wird froh sein, wenn der m\u00fchsam aufgebaute und anschlie\u00dfend br\u00fcskierte digitale Kundenstamm die Alternativangebote annimmt, anstatt gleich wieder vermehrt in den illegalen T\u00fcmpeln zu fischen.<\/p>\n<p>\nSo. Nach diesem ungew\u00f6hnlich langen und unbebilderten Text erst einmal ein wenig Musik: Kostenlos, legal und vor allem gut bei den <a href=\"http:\/\/www.phlow.de\/netlabels\/index.php\/New_Netlabels\" target=\"_blank\">Netlabels<\/a> oder bei <a href=\"http:\/\/www.garageband.com\/\" target=\"_blank\">Garageband<\/a>. F\u00fcr die eigene Meinung zum Thema gibt es inzwischen <a href=\"\/index.php?option=com_smf&#038;Itemid=101&#038;topic=119618\" target=\"_blank\">einen Thread<\/a> bei uns im Forum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<a href=\"https:\/\/www.ifun.de\/musikindustrie-halt-2-49-euro-pro-song-fur-angemessen-2346\/\"><img decoding=\"async\" width=\"150\" src=\"http:\/\/images.ifun.de\/wp-content\/mosimages\/images\/stories\/2006_08\/co-logo.gif\" class=\"alignright wp-post-image tfe\" alt=\"\" title=\"\" \/><\/a><p>Auf der bereits im dritten Jahr stattfindenden Branchenveranstaltung C\/O POP pr\u00e4sentierten sich Vertreter von Musikindustrie und Rechteverwertung letzte Woche in K\u00f6ln erschreckend inkompetent und unrealistisch hinsichtlich ihrer Vorstellungen rund um die Zukunft des digitalen Musikvertriebs. 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