{"id":200656,"date":"2022-12-17T09:28:39","date_gmt":"2022-12-17T08:28:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ifun.de\/?p=200656"},"modified":"2022-12-22T13:27:32","modified_gmt":"2022-12-22T12:27:32","slug":"aus-dem-alltag-eines-amazon-fahrers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ifun.de\/aus-dem-alltag-eines-amazon-fahrers-200656\/","title":{"rendered":"Aus dem Alltag eines Amazon-Fahrers"},"content":{"rendered":"<p>Mitten im Endspurt des diesj\u00e4hrigen Geschenke-Marathons hat uns gestern der Erfahrungsbericht des Reddit-Nutzers &#8222;Wood_6&#8220; gefesselt, den wir euch als samst\u00e4gliche Leseempfehlung mit in das Adventswochende durchreichen m\u00f6chten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/images.ifun.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/amazon-fahrer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-200657\" src=\"https:\/\/images.ifun.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/amazon-fahrer-500x282.jpg\" alt=\"Amazon Fahrer\" width=\"500\" height=\"282\" srcset=\"https:\/\/images.ifun.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/amazon-fahrer-500x282.jpg 500w, https:\/\/images.ifun.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/amazon-fahrer.jpg 660w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<h6><a href=\"https:\/\/www.aboutamazon.de\/news\/logistik-und-zustellung\/irenas-fahrt-in-die-selbststaendigkeit\">Bild: Amazon.de | Christian Schlenker<\/a><\/h6>\n<p>Der als &#8222;Tirade&#8220; gekennzeichnete Foren-Eintrag im deutschen Subreddit r\/de auf einer der popul\u00e4rsten Webseiten der Welt, gew\u00e4hrt einen interessanten Blick hinter die Kulissen des Arbeitsalltags hiesiger Amazon-Fahrer, die f\u00fcr gew\u00f6hnlich nicht bei Amazon selbst angestellt sind, sondern in der Regel von Subunternehmern besch\u00e4ftigt werden.<\/p>\n<h2>Subunternehmer im Auftrag von Amazon<\/h2>\n<p>Nach Angaben der Vereinten Dienstleistungs\u00adgewerkschaft VER.DI gibt es von diesen Fahrern inzwischen rund 25.000, die sich um die Zustellung der Amazon-Lieferungen in der letzten Meile zwischen Bestellern und den \u00fcber 50 Verteilzentren in Deutschland k\u00fcmmern. Darunter auch <a href=\"https:\/\/www.aboutamazon.de\/news\/logistik-und-zustellung\/irenas-fahrt-in-die-selbststaendigkeit\">viele Solo-Selbstst\u00e4ndige<\/a>.<\/p>\n<p>Ein Knochenjob, der wegen der vielen \u00dcberstunden, dem Druck unter dem die dauer\u00fcberwachten Fahrer stehen und der an die Subunternehmern ausgelagerten Verantwortung sowohl von Datensch\u00fctzer als auch von Gewerkschaften <a href=\"https:\/\/www.verdi.de\/themen\/geld-tarif\/++co++4004349c-d6ad-11ec-a3dd-001a4a16012a\">schon l\u00e4nger massiv kritisiert wird<\/a>.<\/p>\n<p>Kritik, die sich h\u00e4ufig jedoch vor allem auf strukturelle Probleme konzentriert und gerne in arbeitsrechtliche Debatten m\u00fcndet, sich aber nur selten mit den Einzelschicksalen aus der hochoptimierten Lieferkette des Online-H\u00e4ndlers auseinandersetzt.<\/p>\n<h2>Rescue-Fahrer, Pausen-Tricks und ein Appell<\/h2>\n<p>Genau dies holt <a href=\"https:\/\/old.reddit.com\/r\/de\/comments\/zng7p0\/ein_monat_als_amazon_fahrer_oder_warum_ich_amazon\/\">die Tirade des Reddit-Nutzers<\/a> nach, der einen Monat lang rund 20 Touren f\u00fcr Amazon gefahren hat und dabei nicht nur \u00fcber den Druck der Touren, das schlechte Gewissen gegen\u00fcber den sogenannten Rescue-Fahrern und die Tricks zum Umgehen der Pausenpflicht berichtet, sondern auch einen eindringlichen Appell an Politik und Amazon-Kunden formuliert.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die politischen Entscheider dem Auslagern der Zustellung an Subunternehmer und damit sowohl der \u00dcberstunden-Kultur als auch der massiven Unterbezahlung entgegenwirken sollten, ruft &#8222;Wood_6&#8220; die Amazon-Kunden dazu auf, sich Bestellungen bevorzugt an Packstationen liefern zu lassen, den Zustellern im Treppenhaus entgegenzukommen und vielleicht sogar mal ein Trinkgeld bereitzuhalten.<\/p>\n<p>Den gesamten <a href=\"https:\/\/old.reddit.com\/r\/de\/comments\/zng7p0\/ein_monat_als_amazon_fahrer_oder_warum_ich_amazon\/\">Erfahrungsbericht k\u00f6nnt ihr hier nachlesen<\/a>. Sollte dieser von Reddit verschwinden, zitieren wir im Anschluss:<\/p>\n<blockquote><p>\n<b>Ein Monat als Amazon Fahrer oder warum ich Amazon hasse<\/b><\/p>\n<p>Ich wollte euch heute mal von meinen Erfahrungen als Kurierfahrer f\u00fcr Amazon berichten. Genaugenommen bin ich einen Monat f\u00fcr Amazon (20 Touren) gefahren. Nat\u00fcrlich war ich nicht direkt bei Amazon angestellt (Amazon stellt keine Fahrer direkt an), sondern bei einem der zahllosen Subunternehmer.<\/p>\n<p>Die Stellenanzeige habe ich bei ebay Kleinanzeigen gefunden und nachdem ich dort angerufen hatte, wurde ich dazu aufgefordert eine Kopie meines F\u00fchrerscheins per WhatsApp zu schicken. Danach wurde ich zu einem theoretischen Fahrertraining im Amazon Lager K\u00f6ln angemeldet. Gesehen hatte ich bis dahin niemanden von der Firma.<\/p>\n<p>Am ersten Tag (4 Stunden) des Trainings musste ich mich dann mit 8 anderen potentiellen Fahrern durch eine \u201eLernapp\u201c klicken in der einem das richtige Zustellen beigebracht werden sollte. Am zweiten Tag (wieder 4 Stunden) gab es dann Frontalunterricht. Hier blieben mir vor allen zwei Aussagen h\u00e4ngen:<\/p>\n<p>Je schneller ihr seid desto mehr Paket bekommt ihr am n\u00e4chsten Tag.<\/p>\n<p>Ihr werdet von Amazon auf Effektivit\u00e4t bewertet. Diese Bewertung ergibt sich aus der Zustellrate (also wieviel Pakete pro Tag schaffe ich) und den Kundenbeschwerden (also wieviel Kunden beschweren sich \u00fcber dich). Und Kundenbeschwerden gibt es immer.<\/p>\n<p>Nachdem ich die zwei theoretischen Tage hinter mich gebracht hatte, musste ich dann noch zweimal bei einem erfahrenden Fahrer mitfahren. Die 8 Stunden Theorie wurden von Amazon mit 12 \u20ac \/ Stunde bezahlt, die zwei Tage \u201eMitfahren\u201c allerdings nicht. Warum wurde das Mitfahren nicht bezahlt? Begr\u00fcndung Amazon: Daf\u00fcr ist das Subunternehmen zust\u00e4ndig. Begr\u00fcndung Subunternehmen: Amazon bezahlt uns das nicht! Also im Klartext: Amazon schreibt zwei Tage Mitfahren vor, will aber daf\u00fcr nicht bezahlen.<\/p>\n<p>Ich bin dann bei einem sehr netten Spanier mitgefahren, der mir dann mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen versuchte hat alles zu erkl\u00e4ren. Zun\u00e4chst waren wir in einem Gebiet mit Einfamilienh\u00e4usern unterwegs. Die Pakete wurden hier oft einfach vor die T\u00fcr gelegt oder provisorisch unter Fu\u00dfmatten oder \u00e4hnlichem versteckt. Bei Mehrfamilienh\u00e4usern wurden die Pakete einfach unten ins Treppenhaus gelegt. Benachrichtigungszettel wurden in den zwei Tagen gar nicht geschrieben und der Kollege meinte auch das er noch nie einen Benachrichtigungszettel geschrieben hatte.<\/p>\n<p>Damals dachte ich mir noch: SO m\u00f6chte ich eigentlich nicht zustellen und ich werde das alles besser machen. Die Realit\u00e4t sollte mich jedoch eines Besseren belehren.<\/p>\n<p>Ja und dann kam meine erste eigene Tour: Ich sollte eine Stunde vor dem offiziellen Start vor Ort sein und sah dann da auch zum ersten Mal einen meiner direkten Vorgesetzen, einen sogenannten Dispatcher. Dispatcher sind Angestellte der Subunternehmer, sie haben ein B\u00fcro im Amazondepot und sie sind das Bindeglied zw. Amazon und den Fahrern. Ich bekam dann meinen Arbeitsvertrag und den Schl\u00fcssel f\u00fcr einen Mercedes Sprinter und einen Scanner. Der Scanner ist ein normales Android Handy auf dem die Amazon Flex und die Mentor App l\u00e4uft. Die Amazon Flex App gibt einem die Route vor, also man wird von Stopp zu Stopp gef\u00fchrt, scannt damit die Pakete ein und gibt dort an wo man das Paket hinterlassen hat: Hausangeh\u00f6riger, Nachbar, Briefkasten etc.<\/p>\n<p>Die Mentor App hingegen \u00fcberwacht das Fahrverhalten. F\u00e4hrt man zu schnell oder bremst zu scharf gibt das Punktabzug. Am Ende der Tour erh\u00e4lt man dann eine Gesamtpunktzahl. Bis 750 Punkte ist das noch in Ordnung, darunter erh\u00e4lt man eine schlechte Bewertung in seinem Amazonfahrer Account.<\/p>\n<p>Vielleicht hier noch etwas zu dem t\u00e4glichen Ablauf: Die Fahrer fahren in sogenannten Wellen ins Depot. Also damit nicht alle Fahrer gleichzeitig ins Depot fahren, werden die zu unterschiedlichen Zeiten zum Depot bestellt. Die Zeit bekommet man am Abend vorher vom Dispatcher per WhatsApp mitgeteilt. Ich war eigentlich immer in der 11 Uhr Welle dran. Die Wellen gehen von 10.00 \u2013 11.40. Also es geht relativ sp\u00e4t los.<\/p>\n<p>Im Depot hat man dann max. 15 Minuten Zeit um seinen Wagen zu beladen. Die Pakete sind vorsortiert und befinden sich in sogenannten Taschen. Dazu gibt es noch einzelne XL Pakete die nicht in die Taschen passen. Ist man beim Laden zu langsam wird man von einem sogenannten \u201eYard Marshall\u201c zurechtgewiesen. Das Ganze hat schon einen sehr milit\u00e4rischen Drill.<\/p>\n<p>Die ersten vier Touren, die man bekommt, sind sogenannte Anf\u00e4ngertouren. Meine erste Tour hatte ca. 115 Stopps und 170 Pakete. Die Stopps waren relativ nah beieinander und ich schaffte die Tour dann auch innerhalb von 8,5 Stunden ohne Pause. Das mit dem Pausen ist n\u00e4mlich so und das wurde mir auch so als erstes beigebracht. Man muss sich eine halbe Stunde Pause nehmen, daf\u00fcr klickt man in der Amazon Flex App auf Pause und dann geht in der App eigentlich gar nichts mehr, das hei\u00dft die Route wird nicht mehr angezeigt, du kannst keine Pakete mehr scannen usw. Nimmst du nicht selber aktiv eine Pause geht die App nach 4 Stunden automatisch in den Pausenmodus. Soweit so gut. Da die von Amazon gestellten Touren allerdings absolut unrealistisch und in 8 Stunden nicht zu schaffen sind umgeht man die Pause und das geht so: Du l\u00e4dst morgens deinen Wagen voll und kopierst dann die Adresse von deinem ersten Stopp in dein Privathandy. Dann nimmst du dir deine halbe Stunde Pause in der Flex App und f\u00e4hrst in der Pause zu deinem ersten Stopp und Zustellgebiet. Bei mir dauerte das in der Regel immer genau eine halbe Stunde. In meinen 20 Touren habe ich so immer 10 oder 11 Stunden ohne Pause gearbeitet. Am Anfang hatte ich mir morgens noch Brote geschmiert, die ich dann aber abends ungegessen wieder mit nach Hause brachte. Ich habe auf all meinen Touren die ich gemacht habe nichts gegessen, nichts getrunken, ich bin nicht einmal auf Toilette gegangen. Warum nicht? Weil Amazon einem komplett unrealistische und unmenschliche Touren vorgibt in der f\u00fcr Pausen einfach keine Zeit ist.<\/p>\n<p>Bei meiner zweiten Tour hatte ich dann auch schon erste Probleme. Es waren wieder nur ca. 110 Stopps aber die Stopps lagen sehr weit auseinander und ich hatte teilweise Hochh\u00e4user in der Tour. Hierbei muss man wissen, dass Hochh\u00e4user der Albtraum eines jeden Zustellers sind. Auf jeden fall bekam ich so gegen 17.00 Uhr einen Anruf von meinem Dispatcher der meinte, dass ich 15 Stopps hinterher sei und dass ich zu laaaaangsam sei. Ich m\u00fcsste jetzt mal ein bisschen Gas geben. Zu der Zeit war ich schon fix und fertig und komplett durchgeschwitzt und das im Winter. Also fing ich an, wie gelernt und nicht gewollt, Pakete unter Fu\u00dfmatten zu legen und in B\u00fcschen zu verstecken. Immerhin schrieb ich noch meine Benachrichtigungszettel. Trotz alledem machte ich schon bei meiner zweiten Tour die Bekanntschaft des sogenannten Rescue- Fahrers. Irgendwo mitten in der Pampa, im str\u00f6menden Regen und kalter Nacht wurde ich pl\u00f6tzlich von einem unbekannten wei\u00dfen Lieferwagen blockiert und ich dachte mir nur was geht jetzt hier ab. Tats\u00e4chlich war es jemand von meiner Firma der mir ein paar Pakete ausscannte und abnahm und so schnell wie er da war, war er auch wieder weg.<\/p>\n<p>Inoffiziell ist es n\u00e4mlich so, dass man keine Pakete zur\u00fcck ins Depot bringen darf. Amazon w\u00fcrde das zwar abstreiten aber es wurde mir mehrfach von anderen Fahrern und den Dispatchern so gesagt: Bringst du zu viele Pakete ins Depot zur\u00fcck, bekommst du Negativpunkte im Fahrerkonto (bis zur kompletten Sperrung durch Amazon). Die Dispatcher sehen, wenn es w\u00e4hrend der Tour Probleme gibt bzw. wenn es absehbar ist, dass du deine Tour nicht bis 22Uhr schaffst und schicken dann Rescue-Fahrer los um Pakete abzunehmen. Bei mir in der Firma hat der Rescue-Fahrer nur rescue gefahren. Bei anderen Firmen war es so, das schnelle Fahrer, die mit ihrer Tour schon fertig waren anderen helfen mussten.<\/p>\n<p>Es f\u00fchlte sich aber jedes Mal schei\u00dfe an, wenn man von einem Rescue-Fahrer gerettet wurde. Und mir passierte das mehrfach, jedes Mal war das irgendwie eine Niederlage und ich entschuldigte mich immer bei dem Fahrer, dass ich meine Tour nicht alleine geschafft habe.<\/p>\n<p>Die dritte und vierte \u201eAnf\u00e4ngertour\u201c schaffte ich dann wieder alleine und dann kam meine erste richtige Tour. Ich wei\u00df die Zahlen noch ganz genau: Das waren 152 Stopps und 245 Pakete. Man wei\u00df immer erst kurz vorher (ca. 10 Minuten vor Depoteinfahrt) wohin die Tour geht und wieviel Stopps die Tour hat. Und jedes Mal hat mich diese Unisicherheit fertig gemacht. Wie viele Stopps, wie viele Pakete habe ich heute? Habe ich eine Gegend mit vielen Einfamilienh\u00e4usern (einfach) oder Hochh\u00e4user, Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen, Hauptverkehrsstra\u00dfen ohne Parkm\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p>Die Zahlen meiner ersten richtigen Tour haben mich jedenfalls richtig gehende schockiert. Ich wusste, dass die erfahrenden und schnellen Fahrer regelm\u00e4\u00dfig 140 Stopps und mehr haben, dachte mir aber, da ich recht langsam bei meinen ersten vier Touren war, dass ich weniger bekommen w\u00fcrde. Dem war aber leider nicht so. Nat\u00fcrlich hatte ich bei dieser Tour auch wieder Probleme. Diesmal rief mich der Dispatcher so gegen 19.30 an und teilte mir mit, dass heute viele Fahrer Probleme haben und das der Rescue-Fahrer erstmal nicht kommen k\u00f6nnte. Er meinte, es k\u00f6nnte eventuell sein, dass nach 10 Stunden Fahrzeit mein Scanner automatisch ausgehen w\u00fcrde. Sollte dies passieren, sollte ich mich bei ihm nochmal telefonisch melden. Mein Scanner ging leider nicht automatisch aus und irgendwie schaffte ich diese Tour dann noch bis 22 Uhr und 11.5 Stunden Arbeitszeit.<\/p>\n<p>Ich habe eigentlich immer 10- 11 Stunden f\u00fcr meine Touren gebraucht, bezahlt wurden aber immer nur 8 Stunden. Der Stundenlohn betr\u00e4gt 13.5 \u20ac und man bekommt so 108 \u20ac pro Tag. Bei 11 Stunden und einem Mindestlohn von 12\u20ac m\u00fcssten es aber 132 \u20ac sein. Ich war auch noch nie psychisch so platt wie in diesem Monat. Wenn ich um 10 Uhr abends nach Hause kam, brauchte ich immer 4-5 Stunden bis ich wieder runter kam. Ich war immer total unter Adrenalin.<\/p>\n<p>Jetzt k\u00f6nnte man meinen, dass ich die Subunternehmen daf\u00fcr verantwortlich machen w\u00fcrde oder dass ich einen Groll auf die Subunternehmer h\u00e4tte. Dem ist aber nicht so. Das Problem liegt hier ganz und alleine bei Amazon und auf Amazon habe ich seitdem einen regelrechten Hass.<\/p>\n<p>Amazon macht diese unmenschlichen Touren f\u00fcr die Fahrer. Amazon kontrolliert die Fahrer, Amazon bewertet die Fahrer und Amazon kann die Fahrer von einem auf den anderen Tag sperren. Amazon wei\u00df, dass immer nur 8 Stunden f\u00fcr bis zu 12 Stunden Arbeit bezahlt werden. Amazon bezahlt die Subunternehmer pro Tour und das was Amazon dem Sub bezahlt, ist zu wenig um die \u00dcberstunden zu bezahlen. Aber wer f\u00e4hrt dann \u00fcberhaupt f\u00fcr Amazon und wer l\u00e4sst sowas mit sich machen? Und das in einem Land wie Deutschland? Es sind Leute in Not. Bei meiner Firma war ich der einzige Deutsche. Der Rest waren Ukrainer, Syrer, aber auch EU Ausl\u00e4nder mit hoher Arbeitslosenquote. Amazon kennt die Not dieser Menschen und nutzt sie gnadenlos f\u00fcr den eigenen Profit aus. Diese Menschen sprechen kaum Deutsch und finden woanders keinen Job, darum arbeiten sie f\u00fcr weit unter dem Mindestlohn. Und es ist nicht nur so dass Amazon diese Menschen ausbeutet, sie spielt auch mit deren Gesundheit und der Gesundheit anderer Menschen.<\/p>\n<p>Was ich damit meine ist folgendes. Durch diese unrealistischen Touren werden die Fahrer komplett \u00fcberfordert. Man ist den ganzen Tag gestresst. Schaut w\u00e4hrend der Fahrt st\u00e4ndig auf den Scanner um zu checken welches Paket als n\u00e4chstes dran ist, telefoniert nebenbei noch mit dem Dispatcher. Ich bin nur einen Monat f\u00fcr Amazon gefahren, hatte aber vier Beinaheunf\u00e4lle bei denen nur mit Riesengl\u00fcck nichts weiter passiert ist.<\/p>\n<p>In den USA steht Amazon deswegen schon lange in der Kritik. Dieses Jahr gab es schon 10 Tote bei Unf\u00e4llen bei denen Amazon Fahrer involviert waren. Eine Familie, bei der ein Amazon Fahrer in einem Stauende hinten aufgefahren ist, hat jetzt Amazon deswegen verklagt. Der Sohn wurde schwer verletzt und hat irreparable Gehirnsch\u00e4den. Die Familie verklagt nun bewusst Amazon und nicht das Subunternehmen. Amazon versucht sich allerdings damit rauszureden, dass Sie nichts damit zu tun haben da der Fahrer nicht bei Ihnen angestellt sei. Ich finde dieses Verhalten von Amazon schon mehr als ekelhaft.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt diese ganze Scheinheiligkeit von Amazon bez\u00fcglich der Sicherheit ihrer Fahrer. Im Depot m\u00fcssen alle die Warnblinkanlage anhaben und die Fahrer m\u00fcssen gelbe Sicherheitswesten tragen. Dann diese beknackte Mentor App. Ich bin immer wie eine Sau gefahren und hatte trotzdem immer \u00fcber 750 Punkte. Hier geht es nicht um den Schutz der Fahrer, sondern Amazon m\u00f6chte sich selber sch\u00fctzen. Wenn mal etwas schlimmes passiert, k\u00f6nnen die sagen wir tun alles f\u00fcr den Schutz der Fahrer und die Gesundheit der Fahrer ist f\u00fcr uns am wichtigsten. Und \u00fcberhaupt der Fahrer ist gar nicht bei uns angestellt. Was f\u00fcr ein Schei\u00df und was f\u00fcr ein Bla Bla. In einer offiziellen Pressemitteilung hie\u00df es einmal: Amazon erwarte, dass Gesch\u00e4ftspartner (gemeint sind hier die Subunternehmer) den Fahrern \u201eein erstklassiges Arbeitserlebnis\u201c b\u00f6ten. Da kommt mir schon beim Schreiben die Magens\u00e4ure hoch.<\/p>\n<p>Amazon ist ein Unternehmen bei der die Kundenzufriedenheit an erster Stelle steht. Hier ist der Kunde noch K\u00f6nig. Nur macht das Amazon ja nicht aus reiner N\u00e4chstenliebe, sondern weil Sie die Kunden an sich binden wollen was ja auch so nicht weiter schlimm ist. Aber diese Kundenorientierung (kostenlose Retouren, 100 % Kulanz etc) kostet Amazon auch eine Menge Geld und dieses Geld holt Amazon sich bei seinen Angestellten wieder. Ich wusste, dass das ein harte Job ist und ich wusste auch das Amazon nicht gerade f\u00fcr seine tollen Arbeitsbedingungen ber\u00fchmt ist. Trotzdem hat es mich dann doch schockiert als ich es dann selbst erleben musste.<\/p>\n<p>Mein Appell an die Politik w\u00e4re hier: Verbietet die Subunternehmer. Amazon soll die Fahrer selber anstellen und so auch 100% Verantwortung f\u00fcr die Fahrer \u00fcbernehmen. Jede \u00dcberstunde muss bezahlt werden. Die Touren m\u00fcssen um 20 % verk\u00fcrzt werden.<\/p>\n<p>Mein Appell an euch, die ihr vielleicht selber Kunde bei Amazon seid. Behandelt die Fahrer mit Respekt. Kommt den Fahrern im Treppenhaus entgegen. Lasst an Packstationen oder Amazon Locker liefern. Gebt vielleicht mal ein Trinkgeld. ODER bestellt gar nicht mehr bei Amazon. Ich selber habe meine Prime Mitgliedschaft gek\u00fcndigt und werde da nie wieder etwas bestellen.<\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/480c34af03134177a85a185ba16c7756\" width=\"1\" height=\"1\" no-lazy class=\"tracking\"><\/p>\n<h6><a href=\"https:\/\/www.aboutamazon.de\/news\/logistik-und-zustellung\/wie-ist-das-arbeiten-als-fahrer-in-bei-einem-amazon-lieferpartner\">Header-Bild: Amazon.de <\/a><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<a href=\"https:\/\/www.ifun.de\/aus-dem-alltag-eines-amazon-fahrers-200656\/\"><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/images.ifun.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/amazon-fahrer-feature-150x150.jpg\" class=\"alignright tfe wp-post-image\" alt=\"Amazon Fahrer Feature\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" \/><\/a><p>Mitten im Endspurt des diesj\u00e4hrigen Geschenke-Marathons hat uns gestern der Erfahrungsbericht des Reddit-Nutzers &#8222;Wood_6&#8220; gefesselt, den wir euch als samst\u00e4gliche Leseempfehlung mit in das Adventswochende durchreichen m\u00f6chten. 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