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Tim Cook im Interview: „Die Grundrechte sind in Gefahr“

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Das Time Magazine hat in dieser Woche Tim Cook auf dem Titel. Der Apple-Chef nutzt das renommierte Wochenmagazin, um seinen Standpunkt im Streit um die verschlüsselten Daten auf dem von Terroristen genutzten iPhone 5 klar zu machen. Wir haben ja bereits mehrfach umfassend über die Angelegenheit berichtet, das FBI fordert von Apple die Entschlüsselung der iPhone-Daten, Apple weigert sich allerdings konsequent, dies zu tun.

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Das Time Magazine hat eine Abschrift des Interviews veröffentlicht, die ihr mit etwas Zeit zu Gemüte führen könnt. Im Kern geht es um die Weigerung Apples, die vom FBI geforderte Entschlüsselungssoftware zu erstellen und Cooks Begründung für diese Haltung. Apple wolle die Behörden im gesetzlichen Rahmen bei der Aufklärung der San-Bernardino-Morde unterstützen, die Forderungen des FBI bedrohen Cook zufolge allerdings die Grundrechte der US-Bürger.

And the way that we simply see this is, if this All Writs Act can be used to force us to do something would make millions of people vulnerable, then you can begin to ask yourself, if that can happen, what else can happen? … I do think this is something that I think will affect the wellbeing of citizens of the U.S. for decades to come, that will affect civil liberties for decades to come.

Bei dem von Cook angesprochenen „All Writs Act“ handelt es sich um ein ursprünglich aus dem Jahr 1789 stammendes Gesetz, dass die amerikanischen Bundesgerichte dazu ermächtigt, besondere Anordnungen zu erlassen, sofern sich der Sachverhalt nicht auf Basis anderer Gesetze regeln lässt. Im konkreten Fall wäre dies die Forderung, dem FBI mit einer Entschlüsselungssoftware für das fragliche iPhone zur Seite zu stehen.

Apple sieht in dieser Angelegenheit nicht nur einen Präzedenzfall, sondern auch grundlegende Gefahren. Sobald eine Software wie vom FBI gefordert existiert, fehlt jegliche Kontrolle über deren Verwendung. Eine Entscheidung mit dieser Tragweite könne nicht von Fall zu Fall auf Bundesgerichtsebene entschieden werden, sondern der Gesetzgeber müsse hier einen eindeutigen Rahmen vorgeben.

Cook will zumindest nicht ausschließen, dass die aktuelle Konfrontation erwünscht ist, weil sich das FBI im Zusammenhang mit dem San-Bernardino-Fall die besten Chancen auf Erfolg ausrechnet. Der Apple-Chef zeigt sich schwer enttäuscht von der Art und Weise, wie die Behörden gegen Apple arbeiten und – so Cook – auch Lügen über die Beweggründe Apples verbreiten.

And so do I like their tactics? No. I don’t. I’m seeing the government apparatus in a way I’ve never seen it before. Do I like finding out from the press about it? No. I don’t think it’s professional. So do I like them talking about, or lying, about our intentions? No. I’m offended by it. Deeply offended by it.

Der nächste offizielle Termin in dieser Angelegenheit ist eine gerichtliche Anhörung Apples nächsten Dienstag. Einen Blick auf das von Apple hinsichtlich dieses Termins bereits veröffentlichte Strategiepapier haben wir euch bereits gestern als Leseempfehlung mit auf den Weg gegeben.

Donnerstag, 17. Mrz 2016, 18:09 Uhr — Chris
22 Kommentare bisher. Dieser Unterhaltung fehlt Deine Stimme.
Rede mit!
  • oT aber mal eine Frage wie sieht es eigentlich bei euch mit der gehandicapten Bevölkerungsgruppe oder diejenigen die einfach das so mal machen wollen aus … warum kann man sich nicht eure Texte vorlesen lassen…ich meine ich muss das nicht unbedingt… haben ist aber eine feine Sache sich eure Artikel mal vorlesen zu lassen …wenn man nebenbei noch was anderes machen möchte ….

  • Was würde man für eine Strafe bekommen wenn man wissentlich fremdes Eigentum zerstört und Beweismaterial vernichtet? 1000Eur? Sozialstunden? 6Monate auf Bewährung? Irgend etwas lächerliches?

    Kann da nicht einfach mal einer den Hammer unter der Jacke vor ziehen und einmal kräftig auf das iPhone kloppen? Dann hat sich das erledigt.

    • Das Erste was mit einem solchen Beweisstück gemacht wurde ist garantiert eine lokale Sicherung. Da bringt die Zerstörung des Gerätes dann auch nichts.

      • Aha. Eine „lokale Sicherung“ des verschlüsselten Datenträgers (hier: iPhone 5) – soso…

      • Es mag sich für dich unglaublich anklingeln: ja auch verschlüsselte Datenträger lassen sich ganz einfach kopieren.

      • Wenn die das kopieren können, warum machen die das dann nicht und versuchen das dann zu entsperren? Laut den offiziellen Informationen soll Apple doch nur die Löschung verhindern und eine Schnittstelle zur Eingabe des Passworts einfügen.

      • Weil es nicht darum geht an die Daten dieses iPhones zukommen, sondern darum einen Präzedenzfall zu schaffen der die Hersteller solcher Verschlüsselungen dazu zwingt eine Art Generalschlüssel zu erstellen.

  • http://arstechnica.com/apple/2.....-for-them/

    Das FBI braucht somit eigentlich nicht die Hilfe von Apple, da sie umständlich und zeitaufwendig an die Daten herankommen können (falls das Firmentelefon tatwichtige Daten enthalten sollte). Bei neueren iOS-Versionen und/oder -Geräten ist dies aber in Zukunft vermutlich noch schwieriger oder sogar unmöglich. Somit möchte das FBI ein Präzedenzfall erschaffen, damit die Hersteller eine unvermeidbare Hintertür nur für FBI und ähnliche einbauen (wodurch die Gefahr besteht, dass nicht nur die Vorbestimmten die Hintertür nutzen könnten). Apple weiß aber, dass einige Kunden iOS-Geräte wegen möglicher „guter“ Privatsphäre und Datenschutz bevorzugen. Also ist Apple nicht blöd und zerrt als kapitalistisches Unternehmen absichtlich diesen Fall in die Öffentlichkeit. Sie verwandelt somit möglichen Schaden in wirtschaftlichen Nutzen um, wenn das Gericht für Apple entscheidet. Und eine negative Entscheidung ist nicht zu erwarten, da das Gericht nicht besonders schlau sein müsste, ein wirtschaftlich mächtiges Unternehmen zu zerstören.

    So sehe ich das. Wer eine andere Ansicht hat, möge dies bitte mitteilen.

  • Die Grundrechte werden doch schon lange mit Füßen getreten. Alles was in der Cloud gespeichert ist, geben die doch raus. Wenn die NSA also die Herausgabe allerDaten fordert, weil ein Geheimgericht das erlaubt, dann macht Apple das auch. Genau wie die die Daten des Amokläufers herausgegeben haben.
    Hier geht es um ein (oder alle) Gerät(e) im Besitz des FBI. Und da sind dann auf einmal die Grundrechte in Gefahr. Nette Werbeshow. Die sollen erstmal wirklich unsere Daten sichern.

    • Du hast es noch immer nicht verstanden. *facepalm*

      • Dann klär mich auf. Hat Apple sich jemals geweigert, die Daten herauszugeben, die die haben? Warum wird dieses Verfahren vom FBI geführt? Wenn die NSA das vor dem FISC durchbringen kann, ohne das Apple darüber reden darf, dann wird das da entschieden. Showdown hat es doch gezeigt. Das größte Problem ist es, wenn die Menschen wissen, was die Behörden können. Wenn jetzt also ein Gericht bestätigt, dass Apple da nicht nachhelfen muss, dann fühlt sich der normale Bürger wieder sicher. Ich vermute hier nur einen Showprozess.
        Wie gesagt, wenn es Apple darauf ankommen würde, unsere Daten zu schützen, dann wäre es wichtig, die Daten, die in der Cloud liegen zu schützen. Angeblich planen die das ja jetzt. Es wird aber niemals öffentlich gemacht, wenn die Firmen da eine Hintertür einbauen müssen.

      • Du solltest dich tatsächlich nochmal genauer damit befassen wenn es dich wirklich interessiert. Apple muss aufgrund von Gesetzen (ich finde die auch nicht gut) diese Daten den Ermittlungsbehörden übergeben. Jetzt gehts es aber darum mit Hilfe eines Uraltgesetzes den Hersteller zu zwingen einen Backdoor zuentwickeln.

      • Die NSA darf im Inland nicht eingesetzt werden. ;)

    • Naja verstanden hat er es schon, genau so ist es nämlich. Aber auch das wird zukünftig geändert habe ich gelesen. Die Daten in der iCloud sind ja heute schon verschlüsselt. Das heutige Problem ist nur, dass der Schlüssel auch bei Apple liegt und genau das soll wohl in Zukunft geändert werden

    • Terroristen, die nachweislich als Solche agiert haben, müssen die Grundrechte entzogen werden. Was ist mit den Grundrechten derjenigen, die durch Bombengürtel sterben, obwohl man mithilfe der iPhonedaten einen solchen Anschlag verhindern könnte?
      Generell gilt bei uns wenigstens, dass das Gemeinwohl dem Einzelinteresse vorzuziehen ist. Ich denke, diesen Umstand sehen hier alle als erfüllt an.

      • Genau deswegen darf es keinen Generalschlüssel geben, denn das Gemeinwohl Privatsphäre ist höher anzusiedeln als ein Einzelinteresse Generalschlüssel für Terroristen Telefone zu erstellen. Mit deiner Argumentation könnte man eine Totalüberwachung mit täglicher Körperkontrolle und Gedankenpolizei einführen, ist ja nur zu unserem Gemeinwohl.

      • Übrigens Grundrechte kann man nicht entziehen, sonst wären sie keine Grundrechte.

  • Seit dem Patriot Act gibt es doch keine Grundrechte mehr!

  • Kaum zu glauben, dass es unter diesen Charchen noch Leute gibt, denen die Grundrechte der anderen nicht egal sind. Man schaut, staunt und wundert sich, dass es so etwas noch geben soll. Chapeau, wenn’s wirklich ernst gemeint ist !!

  • Redet mit. Seid nett zueinander!

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