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Wie bedeutend ist Apples Supply-Chain-Strategy?

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Das US Nachrichtenportal Businessweek hat sich in einem aktuellen Artikel mit Apples Zulieferer-Strategie befasst. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Tim Cook, ehemaliger COO (operativer Geschäftsführer) und mittlerweile CEO (Vorstandsvorsitzender) von Apple, eine kluge Hand beim Aufbau und der Sicherung langanhaltender und effizienter Zuliefererketten beweist.

Schlüssel hierzu sind nicht nur die großen Margen, in denen Apple bei seinen Zulieferern bestellt, sondern auch die genaue Kontrolle aktueller Absatzzahlen und entsprechende Anpassung der Produktion. Apple analysiert regelmäßig seine Absätze um die Produktion wenn nötig anzuheben oder zu senken, wodurch der Konzern aus Cupertino großteils auf Lagerbestände verzichten kann. Das ist auch der Grund dafür, wieso es Apple schafft zu jeder Überarbeitung einer ihrer Produkte den Verkauf der Vorgängergeneration über Nacht in den eigenen Retail Stores und dem Online Shop einstellen zu können.

Bei einigen konkurrierenden Firmen kann man oft beobachten, dass sie versuchen ihre älteren Modelle zu verramschen, wenn sie ein neues Gerät vorstellen. Dies ist einer Produktion auf Halde geschuldet, die es bei Apple quasi nicht gibt.

Nobody wants to buy sour milk (Timothy Cook)

Natürlich birgt dieses Vorgehen eine gewisse Gefahr plötzlicher Lieferengpässe. In diesem Fall wäre Apple mangels entsprechender Lagerbestände völlig aufgeschmissen. Um solchen Gefahren entgegenzuwirken vereinbart Apple häufig frühzeitig Exklusivverträge mit seinen Zulieferern und bezahlt sie für gewöhnlich bereits über viele Monate im Voraus. Ebenfalls beteiligt sich der Konzern durch Know-How und finanzielle Mittel an der Entwicklung sowie dem Bau neuer Produktionsstraßen. So kann Apple seine Zulieferer an sich binden und verhindern, dass sie zu Gunsten eines anderen aus den Vereinbarungen aussteigen.

Das bedeutet im Rückschluss natürlich einen direkten Nachteil für Apples Konkurrenz. Andere Firmen können keine Produkte eines Zulieferers erwerben, wenn dieser mit seiner Produktion für Apple voll ausgelastet ist. Vor dem Verkaufsstart des iPhone 4 im Juli des letzten Jahres konnten Apples Konkurrenten wie HTC nicht genügend Displays für ihre Geräte kaufen, da die Hersteller mit Apples Aufträgen beschäftigt waren. Und für das iPad 2 hatte Apple so viele Präzisionsbohrer für die Fertigung der Gehäuse geordert, dass andere Hersteller, die später geordert hatten, mit Lieferzeiten von sechs Wochen bis sechs Monaten rechnen mussten.

Für die Zulieferer selbst ist Apples Vorgehen Segen und Fluch zugleich. Einerseits sorgt Apple mit seinen Großbestellungen für garantierte Umsätze über Monate, wenn nicht sogar Jahre, hinweg. Andererseits verlangt Apple jedoch auch entsprechende Mengenrabatte. Viele Produzenten nehmen die etwas geringeren Gewinne jedoch gerne in Kauf, statt Gefahr zu laufen zeitweise gar keine Aufträge zu erhalten, was Verluste bedeuten würde.

Apple macht allerdings nicht bei den Zuliefererbetrieben halt, sondern kümmert sich ebenso um gesicherte Versandwege. Um die rechtzeitige Lieferung des Bondi Blue iMac zum Weihnachtsfest garantieren zu können, hatte Jobs damals für 50 Millionen US$ frühzeitig sämtliche Kapazitäten für Luftfracht für die Weihnachtszeit gebucht. Konkurrenten wie Compaq, die zu späterem Zeitpunkt ebenfalls Frachtraum für diese Routen buchen wollten, gingen leer aus.

Apples Supply-Chain-Strategy kann also mit gewissem Recht als „aggressiv“ bezeichnet werden. Zumindest in Relation zur Konkurrenz, die doch eher zaghaft vorgeht. In Cupertino ist man scheinbar von dem Erfolg der eigenen Produkte überzeugter, als das in anderen Firmen der Fall ist. Neben einem gewissem Wagemut gehört zu diesem Erfolg aber ebenso genaue Marktbeobachtung, Verhandlungsgeschick und Organisationstalent, sowie ein überzeugendes Produktportfolio.

Freitag, 04. Nov 2011, 15:34 Uhr — Damien
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  • Super interessanter Bericht, danke dafür!

  • Sagt ja niemand das der Erfolg ohne Leistung kommt man kann vor so viel Vorraussicht nur den Hut ziehen

  • Wirklich interessant und besonders der Part zu den Luftfrachtkapazitäten zeigt, wo Apple der Konkurrenz so überall voraus ist.

  • Apple ist den anderen Firmen sowas von überlegen.

    • Und vor allem bei der Auswahl seiner Zulieferer und deren überwachten Arbeitsprozesse, der überaus grosszügigen Bezahlung der Mitarbeiter, der Einhaltung von Sozialplänen und Umweltauflagen etc. etc. Der Bericht trieft ja schon über, vor lauter gequirltem Bullshit. Nicht das da die Konkurrenz sauberer wäre, aber macht euch in eurer Ehrfurcht vor dem Mammon mal Klar, das Technologie Heute, mehr unwiederbringliche Ressourcen vernichtet, als das es unser Überleben sichert. Warum meint ihr, fechten einige Tech Unternehmen gerade ihre Marktpositionen vor den Gerichten aus? Hierbei geht es um Marktbeherrschung und damit Macht. Dieser ganze Apple Kult grenzt schon an Angötzerei. Wahrscheinlich haben die meißten von hier ihre Sticker aus der Produktverpackung auf ihrer Wohnungs-/Zimmertüre kleben. Leute habt ihr überhaupt eine Ahnung wie gut es euch geht, im Gegensatz zu den Menschen die eure geliebten Gadgets herstellen müssen um damit gerade einmal ihre Grundbedürfnisse zu sichern? Wenn es Gründe gäbe diesen Blog zu Meiden, dann die gerade aufgeführten.

  • Ich glaube das der Tim aus einem ähnlichen Holz geschnitzt ist wie Steve und an die Erfolge weiter anknüpfen wird. Hab schon wieder Lust im Apple Store einzukaufen und meiner Frau nen MacBook zu Weinachten zu schenken. Wird laut Artikel ja auch pünktlich ankommen… Go Apple go…

  • WoW – ein Unternehmen in der größe von Apple, welches sich auch auf dem Consumer-
    Markt bewegt hat eine supply chain Stratege und setzt diese auch noch um…
    Auch hier könnte man ja wieder vortrefflich über Patente streiten…

  • Wow. Danke für diesen sehr interessanten Artikel.

  • Apple bestellt „in großen Margen“? Entweder in großen Chargen oder in großen Mengen…

  • Endlich mal jemand der das auch sieht…

  • Als Geograph & Dipl.-Kfm. muss ich sagen: „Und? Was zeichnet Apple (im Vergleich zu anderen Herstellern) jetzt aus? Logistik für Abiturienten? Supply-Chain-Management für Arme?“ Aber kein Problem, die Fanboys wird es zu der Aussage animieren:“Wow, Apple ist der Konkurrenz so etwas von überlegen, boah ey!“ – schnell in den Apple Store – Heil Cook!

    • Vielleicht habe sie überlesen, aber es ging darum dass es Apple besser und riskanter löst.
      Andere Firmen vorsichtiger agieren und dadurch oft schon den kürzeren gezogen haben.

  • irgendwelche Informationen seit wann Apple diese Strategie fährt? wär mal interessant zu sehen, seit wann sich Apple seines überdurchschnittlichen Erfolges sicher ist…

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